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Dienstag, März 21, 2006

Der erste Tabernakel der Liebe - Von Bruno Cornacchiola

"Magnificat anima mea Dominum!" sprach eines Tages ein jungfräuliches Mädchen, damals noch verborgen vor der Welt, aber schon groß in ihrer Demut. In Ewigkeit wird sie besungen und geliebt sein, weil sie das Geschöpf ist, das der heiligsten Deifaltigkeit am gegenwärtigsten ist. Obwohl selbst nicht göttlich, erfreut sie sich dennoch eines ganz besonderen Daseins in der Heiligsten Dreifaltigkeit, weil der eine Gott, dreifaltig in seinem Wesen, sich dieses Geschöpf auserwählte, um in ihr sich ein Zelt zu bereiten für immer: Den ersten Tabernakel der Liebe, die erste göttliche Wohnstätte.
Wer besser als sie könnte die süßen, honigträufelnden Worte aussprechen. "Magnificat anima mea Dominum..."? Maria war in diesem Augenblick überschattet von der belebenden göttlichen Kraft. Gott, ein- und dreifaltig, senkte sich in sie. Wer konnte es besser erfassen als sie? Wer konnte ihn besser lieben als sie? Wer konnte mehr frohlocken als sie, da sie Mutter, Braut und Tochter der Liebe wurde? - Wie schön bist du, o Maria! Dein Leib ist eine Verklärung der Liebe. "Wer könnte dich lassen!" ruft mein Herz. Gib, o Mutter, daß auch ich einen Gesang zu singen vermag, aber gesungen mit dir, mit deinem Herzen, mit deiner Seele; einen Hymnus, der alles ist und alles in sich schließt. Ich liebe dich, o Mutter! Wer kann leben ohne dein Leben, wer kann lieben ohne deine Liebe! Komm, bleibe bei mir, geh nicht mehr fort! Du bringst die Liebe, und ich lebe davon allein: Liebe; aber deine Liebe, nicht jene der Welt, die eine Liebe ist, welche sich in Haß verwandelt. Die Deine ist so rein, die Deine ist so heilig, die Deine ist eine göttliche Liebe; weil sie vom Vater ausgeht, dem einen, dreieinigen Gott; weil sie ausgeht vom Sohne, dem einen, dreieinigen Gott; weil sie ausgeht vom Heiligen Geiste, dem einen und doch dreieinen, dem einen Gott der ewigen Wahrheit. Du, Maria, warst arm, obgleich von adeligem Geschlecht. Du warst ganz rein, obgleich du in der Welt lebtest, die voll Hinterlist und Täuschung ist, besonders für jungfräuliche Seelen, wie du warst. Aber du wußtest sie zu bekämpfen, und deshalb erkor dich der Herr zur Königin. Du wußtest sie zu überwinden, deshalb krönte der Herr dein Haupt mit dem Zeichen des Sieges.
Auch ich war und bin arm und bin doch ein Königskind, weil ich von Gott bin, der mich erschaffen hat. Ich habe mein Reich verloren und habe gelebt und lebe noch, in und mit der Welt. Ich verstehe nicht zu kämpfen, nicht zu siegen. Komm du mir zu Hilfe. Komm, nimm mein Haupt in deine Hände und laß mich ruhen. Laß deine Liebe mein alles sein. Ich gebe mich dir vollständig hin, wie ein Kind an der Mutterbrust. In diesem Akt der Liebe und des Vertrauens in deinen Armen, laß mein Haupt ruhen an deiner Brust, o Mutter; dein Herzschlag sei der meine, dein Atem der meine. Ich liebe dich. Obwohl unwürdig, bin ich doch in dir durch Gott ein Nichts, das alles wird mit dir, dem Tabernakel jenes unendlichen Wesens, das sich für uns zu einem Nichts erniedrigte. Süß ist es zu ruhen mit dir, o meine Liebe. Deine Anmut ist ein immerwährendes Ausgießen von Gnaden und Segnungen. Liebe mich, o Mutter!
Das geringste von allen Kindern Mariens - Bruno Cornacchiola

(Tiefe Gedanken des Sehers Bruno Cornacchiola, 1950, 3 Jahre nach den Erscheinungen der "Jungfrau der Offenbarung", Tre Fontane, Rom, von ihm persönlich verfaßt und niedergeschrieben.)

An der Grotte konnte man ganz zu Beginn eine Zeitlang ein Blatt sehen mit folgender eigenhändiger "Predigt" Brunos (später hat die Polizei es weggenommen):

"Wer unglücklich lebt in der Welt der Sünde, lege seine Peinen nieder zu Füßen der Jungfrau der Offenbarung, bekenne seine Sünden und trinke aus diesem Quell der Erbarmung. Maria ist die gute Mutter aller Sünder; hört, was sie für mich getan:
Ich war ein Kämpfer in den Reihen Satans in der protestantischen Sekte der Adventisten, ein Feind der Kirche und der Jungfrau. Hier ist die Jungfrau der Offenbarung am 12. April 1947 mir und meinen Kindern erschienen und hat mich aufgefordert, wieder einzutreten in die Katholische, Apostolische Römische Kirche und hat mir dafür bestimmte Zeichen angegeben. Das unendliche Erbarmen hat diesen Feind, der jetzt kniefällig um Verzeihung und Gnade fleht, besiegt.
Liebet Maria; sie ist unsere süße Mutter.
Liebet die Kirche und ihre Kinder; sie ist der Mantel, der uns deckt, wenn die Welt hier anfängt, eine Hölle zu werden.
Betet viel und fliehet die Fleischessünde. Betet!

Bruno Cornacchiola

Tre Fontane - Eine ergreifende Erscheinungsgeschichte - II

Fortsetzung von Teil 1 und Schluß

Doch da kamen sie ja schon mit blutenden Händchen und Füßchen dahergelaufen: "Papa, wir haben den Ball nicht finden können!" - "Ihr seid ja doch wirklich zu gar nichts fähig!" sagte Cornacchiola. "So will halt ich mit Carlo suchen gehen, und du Isola, gib gut acht auf den kleinen Gianfranco!" Isola bat: "Papa, darf ich hinaufgehen, um oberhalb der Grotte Blumen zu pflücken?" - "Ja, das darfst du; aber gib gut acht!" - Cornacchiola stieg nun mit Carlo den Abhang hinunter, um das verlorene Bällchen zu suchen, während Isola die Anhöhe hinaufging, wo allerlei bunte Blümlein dem Großstadtkind entgegenlachten. Der dreijährige Gianfranco hingegen saß in der Nähe eines Baumes, um vergnügt in seinem Bilderbuch zu blättern.
Von Zeit zu Zeit rief Cornacchiola nach dem kleinen Gianfranco, um sich zu vergewissern, ob er doch noch auf seinem Platz sei, und wenn dieser geantwortet hatte, setzte der Vater seine Sucharbeit erleichtert fort. Wieder hatte er gerufen, doch diesmal blieb die Antwort aus. Er versuchte es ein zweites Mal, doch vergebens; das machte ihn unruhig, und er sagte: "Komm, Carlo, gehen wir hinauf; ich suche den Ball nicht mehr; denn ich bin um Gianfranco besorgt." Als Cornaccchiola nun hinaufgestiegen war und zur Lichtung kam, wo er den Knaben zurückgelassen hatte, war Gianfranco nicht mehr auf seinem Platz. Das kleine Bilderbüchlein lag weggeworfen beim Baum; doch von Gianfranco war nichts zu sehen. Suchend ging er nun einige Schritte vorwärts und atmete erleichtet auf, als er den Kleinen erblickte. Er kniete vor der Grotte mit gefaltenen Händchen, was Cornacchiola nicht wenig verwunderte, da er doch seine Kinder nie beten gelehrt hatte. Als er nähertrat, hörte er aus dem Mund des Kindes, das in eine Richtung blickte, immer die Worte wiederholen: "Bella signora, bella signora", das heißt "schöne Frau, schöne Frau!" - Der Vater dachte vorerst, Gianfranco spiele mit Isola, und er rief nach ihr: "Isola, komm herunter!" - Isola kam die kleinen Anhöhe herab und hielt ein Sträußlein Blumen in den Händen, die sie soeben gepflückt hatte.
"Ich habe euch doch verboten, euch vor der Grotte aufzuhalten; warum spielt ihr hier 'bella signora'? Nimm jetzt das Kind und geht weg!"
Isola erwiderte verwundert: "Papa, ich spiel ja nicht!"
"Wieso, du spielst nicht? Wer hat denn dem Kleinen gesagt 'bella signora'?" "Das weiß ich nicht, Papa. Vielleicht ist jemand in die Grotte eingetreten?" Isola öffnete die Ginsterzweige, die vor der Grotte hingen, beugte sich hinein, wendete sich dann dem Vater zu und sagte, indem sie ihre Blümlein immer noch in der Hand hielt: "Papa, es ist niemand in der Grotte." Gianfranco jedoch, immer noch kniend mit gealtenen Händchen, rührte sich nicht von der Stelle und wiederholte in einem Fort: "Bella signora, bella signora." - Schöne Frau - schöne Frau! -
In Cornacchiola begann nun ein Jähzorn hochzusteigen. "Isola sagte, sie spiele nicht mit Gianfranco, Carlo sagte, er könne das Spiel nicht und tat, als ob er weggehen wollte, und jetzt knien alle drei und machen das gleiche. Ich wette, daß die mich nur zum besten halten, das gestatte ich natürlich nicht!" So herrscht er sie nun an. "Steht auf!" Keines rührte sich. Er stieß mit dem Fuß nach ihnen, - sie beachteten es nicht. So faßte er nun aufgeregt Carlo, um ihn hochzureißen. - Er vermochte es nicht! - Das Kind war wie eine Marmorstatue, doppelzentnerschwer. Er greift ihm unter die Arme und versucht nochmals, ihn zu heben; es war ganz unmöglich. Nun probiert er es bei Isola; - dasselbe - nicht einmal den kleinen vierjährigen Gianfranco konnte er emporziehen. Die Kinder waren wie an den Erdboden gewachsen. Er rief sie bei ihren Namen, liebkoste sie - doch die Kinder reagierten nicht im mindesten darauf. Sie knieten vollständig unbeweglich, blickten unverwandt an eine Stelle in der Grotte und sprachen andächtig immer wieder ihr "Bella signora, bella signora. - Schöne Frau, schöne Frau!" - - Cornacchiola begann es unheimlich zu werden; doch da durchzuckte ihn der Gedanke, es könnte doch jemand in der Grotte sein, der die Kinder hypnotisiert. Mit geballten Fäusten eilte er zur Grotte, riß die Ginsterzweige auseinander; ein übler Geruch kam ihm entgegen; doch die kleine Grotte war leer. Also traf auch die Vermutung einer Hypnose nicht zu. Er geht zu den Kindern zurück; immer noch dasselbe. Da erinnerte er sich, daß seine Großmutter ihm einst von Hexen erzählte; da schrie er in die Grotte hinein: "Sind Hexen hier, die meine Kinder verzaubern? - Ist der Teufel da?" - Keine Antwort. - Er begann um Hilfe zu schreien - niemand kam. In höchster Not und Verzweiflung entrang sich plötzlich seiner tiefsten Brust ein Schrei: "Mein Gott, rette DU uns!" - Kaum hatte er aus innerster Seele zu Gott gerufen, als er vor seinen Augen zwei Hände sah - schneeweiße Hände - wie durchsichtig. Sie näherten sich seinen Augen und rissen etwas fort. Es schmerzte - alles wurde dunkel um ihn - er war blind. Doch allmählich erscheint in der Mitte des Dunkels ein Licht - langsam, immer heller und schöner werdend - ein wundervolles Licht. Er sah nun weder die Grotte, noch die Bäume; er hörte die Kinder nicht mehr; ja er dachte gar nicht mehr an sie. Er empfand eine innere Freude, eine Veränderung, ein Gücklichsein, wie er es bisher nie gekannt.
Inmitten des großen Lichtes erschien nun ein wuchtiger Erdblock, und auf diesem sah er nun die seligste Jungfrau vor sich stehen, barfuß, in einem langen, schneeweißen Kleid, das mit einer rosa Schärpe gegürtet war, deren Enden bis zu den Knien reichtern. Vom Haupt bis zu den Füßen wallte ein Mantel von wundersamem Grün. In ihren Händen, die auf der Brust gekreuzt waren, hielt sie ein kleines graues Buch. Ihr Antlitz und ihre ganze Gestalt war von unbeschreiblicher Schönheit. Cornacchiola behauptete immer wieder, wenn er auf diese Erscheinung zu sprechen kam, daß kein Wort der menschlichen Sprache auch nur annähernd diese erhabene Schönheit zum Ausdruck bringen könne.
Nun sank auch er in die Knie und faltete ergriffen die Hände. Er sah, wie sie die linke Hand langsam bewegte und auf etwas auf der Erde Liegendes zeigte. Es war ein Priesterkleid, dahingeworfen vor ihre Füße, und darauf ein zerbrochenes Kreuz. Es war jenes Kruzifix, welches er seinerzeit nach dem Bild der Muttergottes ebenfalls vernichtet hatte.
Nun neigte sich die Gottesmutter zu ihm und begann zu sprechen:
"ICH BIN DIE, DIE IN DER GÖTTLICHEN DREIFALTIGKEIT IST. ICH BIN DIE JUNGFRAU DER OFFENBARUNG."
Nun zeigte sie mit dem Finger auf ihn und sagte:
"DU VERFOLGST MICH. JETZT IST ES GENUG! TRETE EIN IN DEN HL. SCHAFSTALL, IN DEN HIMMLISCHEN HOF AUF ERDEN, DEN DU VERLASSEN HAST, AUF DEM WEG DER LÜGE GEHEND. TRETE WIEDER EIN IN DIE WAHRHEIT. GEHORCHE DEM HEILIGEN VATER."
Nun begann ihre himmlische Botschaft. Sie unterrichtete ihn im katholischen Glauben, sagte, daß er die Kinder taufen lassen solle, sagte, daß er auf ewig verloren gegangen wäre, wenn er vor seiner Abkehr nicht die 9 Herz-Jesu-Freitage gehalten hätte. - Ein Teil der Botschaft war für den Hl. Vater bestimmt, der andere Teil für ihn selbst und für alle Gläubigen. Eine Stunde und 20 Minuten sprach sie mit ihm, doch hat er von der kirchlichen Obrigkeit noch nicht die Erlaubnis, die ganze Botschaft mitzuteilen. - Sie mahnte zum täglichen Rosenkranzgebet und zur Betrachtung, sowie zur Haltung der neun Herz-Jesu-Freitage, weil diese ein Abgrund der göttlichen Barmherzigkeit sind. Auch sollen wir zueinander recht gut sein. Sie sagte ihm auch voraus, daß er viel zu leiden haben werde und daß sie mit dieser sündigen Erde große Wunder wirken wird.
Anschließend folgen nun einige Worte aus der Botschaft, die zur Veröffentlichung freigegeben sind:
"Zum Beweis, daß diese Vision eine göttliche Wirklichkeit ist und nicht vom Satan stammt, wie dir manche glaubhaft machen wollen, werde ich dir folgendes Zeichen geben: Du wirst einen Priester suchen mit den Worten: 'Vater, ich muß Sie sprechen'. Wenn dieser dir antwortet: 'Ave Maria, mein Sohn, was willst du?', dann wirst du diesem sagen, was du auf dem Herzen hast; er wird dich dann an einen anderen veweisen, der dich unterrichten wird, der dich (der Irrlehre, Anm. d. Red.) abschwören läßt und dich zurückführt in die Wahrheit, in die Kirche, wo mein Sohn lebt."
"Erinnere dich, wenn sie dich rufen werden, daß ich es bin, die es will, daß du gehst. Gehorche nur meinen Söhnen, den Priestern. Erinnere dich, wenn du sprichst: 3 weiße Punkte. - Eines Tages wird man verneinen; man wird verändern und nicht mehr die Wahrheit glauben. Sie werden sich von der Kirche entfernen. Diese drei Punkte müssen geeint sein wie die Dreieinigkeit... -- Ich bin die, die da ist in der göttlichen Dreieinigkeit. Ich bin die Jungfrau der Offenbarung. Diese drei Punkte, dei geeint sein müssen, alle drei gleich geglaubt, alle drei gleich geliebt, sind die Säulen der Wahrheit, das Heil der Seelen:
  • Die Eucharistie
  • Die Unbefleckte
  • Der Papst."

(Es sind diese 3 Punkte, welche die feindliche Welt bekämpft, vernichten und verneinen will. Sie sind die Einheit. Es genügt, daß einer von diesen fehle und nur 2 bleiben; dann ist die Wahrheit nicht mehr da; oder man glaubt zwei und mißachtet einen, so ist die Wahrheit nicht mehr da. Die 3 weißen Punkte müssen geeint sein. Das ist die Wahrheit.)
"Wenn du das, was du gesehen hast, erzählen wirst, wird man dir nicht glauben; aber laß dich nicht niederdrücken, noch beirren. Sei klug in allem."
"Betet den hl. Rosenkranz; er arbeitet moralisch mit an der Rettung. Die Ave Maria, die ihr mit Glauben und Liebe sprecht, sind wie goldene Pfeile, die zum Herzen Jesu dringen."
Sie ermahnte eindringlichst, viel zu beten für
die Bekehrung der Sünder und die Ungläubigen, sowie für die Einheit der Christen . -Sie forderte:

  • die gelebte göttliche Lehre,
  • das gelebte Christentum,
  • die gelebte Religion.

"Mein Körper verweste nicht, noch konnte er verwesen. Mein Sohn und die Engel holten mich bei meinem Hinscheiden."
"Kehrt zurück zum reinen Wasser des Evangeliums."
"Ich bin der Magnet der göttlichen Drieinigkeit: Liebe, Liebe, Liebe."


* * *

Nachdem die liebe Gottesmutter ihre lange Botschaft beendet hatte - die in der Zeit von ungefähr 15.20 bis 16.40 Uhr dauerte, lächelte sie ihnen nochmals zu, wendet sich um und entschwand ihren Blicken. Carlo sprang auf und lief in die Grotte, indem er rief: "Papa, man sieht noch den grünen Mantel." Er ging mit gefaltenen Händen in die Grotte, wollte nach dem Mantel greifen, doch da stieß er an den harten Felsen und weinte.
Statt des früheren üblen Geruches entströmte der Grotte nun ein wundersam himmlischer Duft.
Alle hier machten sich jetzt daran, die Grotte vom früheren Unrat zu reinigen. Sie banden Besen von den Ginsterzweigen und kehrten dieselbe aus; aber selbst der Staub, den sie aufwirbelten, stank nicht mehr.
Aber nicht nur die Grotte war mit einemmal verändert, auch im Herzen Cornacchiolas ging eine Wandlung vor sich von unvorstellarem Ausmaß. Er nahm die Kinder bei der Hand und ging zur nahen Trappistenabtei, wo er zum erstenmal mit ihnen vor dem Tabernakel niederkniete und sagte: "Meine Kinder, ich fühle mich gedrängt, euch zu sagen, daß dort, wo das rote Lichtlein brennt, JESUS WIRKLICH GEGENWÄRTIG IST. Sie stammelten nun mitsammen ein andächtiges Gebet und begaben sich nach Hause.
Als Frau Jolanda die Türe öffnete, fiel ihr sogleich sein veränderts Wesen auf und der seltsame Wohlgeruch, den alle vier an sich hatten. Die Kinder konnten es nicht länger bei sich behalten, welch großes Erlebnis ihnen heute zuteil wurde, und riefen laut: "Mama, Mama, wir haben in Tre Fontane die Muttergottes gesehen!"
"Bruno, was ist geschehen", frug verwundert die Frau, "was hast du für einen Wohlgeruch an dir?"
"Gehen wir in die Wohnung", sagte er, "gib den Kindern das Abendessen; es ist schon spät; dann werde ich dir alles erzählen."
Während Jolanda die Kinder zu Bett brachte, ging er zu ihr hinein und führte sie dann in die Küche, wo er vor ihr niederkniete und sie um Verzeihung bat für all das Böse, welches er ihr angetan, für allen Unglauben, den er ihr beigebracht, für all das Schlechte, das er sie gelehrt hatte. Er frug, ob sie noch den Rosenkranz zu beten wisse, worauf sie erwiderte, daß es zwar schon lange her sei, daß sie es aber versuchen wolle, und so beteten sie nun das erste Mal gemeinsam den Rosenkranz, so gut es eben ging. - Knieeend erzählte er ihr alles, was sich vor wenigen Stunden ereignet hatte, und als er seine Erzählung beendet und sie ihre Gedanken ausgetauscht hatten, graute bereits der Morgen zum Fenster herein.
Aber auch für Cornacchiola und seine Familie begann ein neuer Tag, ein neues Leben. Eine totale Umkehr. Aus einem Saulus ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Paulus geworden, aus einem Kirchenhasser ein glühender Apostel für das Reich Christi auf Erden.
Er ging auch zum Hl. Vater Pius XII., übergab ihm seine Adventistenbibel, die er willkürlich auslegte und damit viele Seelen gemordet hatte. Sie trug die Inschrift: "Dies wird der Tod der katholischen Kirche sein, mit dem Papst an der Spitze". Auch überreichte er ihm den Dolch, mit dem er den Papst ermorden wollte, und der die Aufschrift trug: "Tod dem Papst". Er kniete vor dem Hl. Vater nieder und bat unter Tränen um Verzeihung.
Papst Pius XII. schaute ihn lächelnd an und sagte: "Lieber Sohn, damit hättest du nichts anderes vollbracht, als der Kirche einen Märtyrer und einen Papst mehr geschenkt, Christus aber einen Sieg der Liebe."
Als Bruno Cornacchiola nochmals um Verzeihung bat, antwortete der Hl. Vater: "Sohn, die beste Verzeihung ist die Reue."
Seit jenem denkwürdigen 12. April 1947 begann für Cornacchiola aber auch eine Zeit schwerster Prüfungen, die er jedoch mit wahrem Heroismus bestand. Auf seinem Arbeitsplatz und besonders von seinen früheren Gesinnungsgenossen war er großen Schikanen ausgesetzt; als ihm einmal einer dieser Gesellen mitten ins Gesicht spuckte, antwortete der früher so jähzornige Bruno gelassen: "Sei nur froh, daß du dies nicht vor 3 Wochen (also vor seiner Bekehrung) getan hast." Ja, Cornacchiola hatte seit jener Stunde sein Leben wirklich total geändert.
Öfter als 7000mal hat er bisher sein hohes Erlebnis vor versammelten Menschen erzählt. Wohin er gerufen wird, dorthin muß er gehen, laut Auftrag der Mutter Gottes. Das geschah aber oftmals unter größten Opfern. So rief man ihn einmal nach Spanien. Die Anfahrt konnte er bezahlen, aber für die Rückfahrt langte es nicht, und Entgelt bekam er keines. So mußte er 70 km zu Fuß gehen - diesmal wohl mit Tränen in den Augen -, bis ihm endlich wohltätige Menschen den Betrag für eine Rückfahrt vorstreckten. Dazu hatte er ja auch Verdienstentgang - doch alles nahm er bereitwillig auf sich, um die ihm gewordene Aufgabe zu erfüllen.
Ein andermal lud man ihn in französischsprechendes Gebiet ein. Da er selber nicht sprachenkundig war, mußte er seinen Vortrag über einen Dolmetsch machen. Während des Vortrages stellte sich jedoch heraus, daß der Übersetzer ein Gegner war, der dieWorte Cornacchiolas verdrehte. Spontan verließ nun der Dolmetsch den Saal. Was nun? - In dieser höchst peinlichen Situation betete Cornacchiola aus tiefster Seele zur Madonna, sie möge helfen. - Sie half durch ein offenkundiges Sprachenwunder. Denn Cornacchiola, dem bisher die französische Sprache fremd war, konnte seinen Vortrag in FRANZÖSISCHER SPRACHE fortsetzen. Er wurde tadellos verstanden - und seit jener Stunde beherrscht Cornacchiola die französische Sprache.
Als ich - die Schreiberin dieser Zeilen - im Jahre 1967 Cornacchiola einlud, in Rom meiner Pilgergruppe einen Vortrag zu halten - er war damals noch aktiver Straßenbahner in Rom -, frug ich ihn bei dieser Gelegenheit insgeheim, ob ihm auch später noch öfter die Madonna erschienen sei, worauf er bescheiden, aber tiefbewegt antwortete: "Achtzehn mal". - Inzwischen mag er vielleicht noch öfter dieser hohen Gnade gewürdigt worden sein. Im Auftrag der Madonna gründete er auch einen Laienorden namens "Sacri", der bereits in verschiedenen Ländern, ja sogar bis in den Kongo verbreitet ist. Ich lud ihn später auch zur Vorträgen nach Österreich ein, die vielerorts ein voller Erfolg waren. Allerdings muß jede Einladung über einen Priester erfolgen; denn so ist es im Willen der Gottesmutter gelegen. Ich schreibe dies für den Fall, daß jemand für seine Pfarre Interesse hätte, aus dem Munde des Sehers selbst sein hohes Gnadenerlebnis zu hören. Er ist bereits geweihter Diakon und vorbildlicher Christ.
Mit der "sündigen Erde" der Grotte von Tre Fontane hat die seligste Jungfrau viele ganz auffallende Wunder gewirt, wie die ärztlichen Bestätigungen und viele Votivtafeln beweisen.
Maria, "das große Zeichen am Himmel", ist in unseren Tagen wiederholt erschienen, um die dunkle Welt zu erleuchten und um den Weg zu zeigen, der zum Frieden führt.
Sie kommt in unseren Tagen verschiedenenorts und auf mannigfache Weise, ob daran geglaubt wird oder nicht - SIE KOMMT! - Sie, die Mutter der Lebendigen. Die Mutter des zu Tode gequälten Gottmenschen, Sie, die an seinen Qualen teilgenommen und die Bittterkeit des Schmerzes bis in die lezten Phasen austgekostet hat. Jene Bitterkeit, welche ihr und ihrem göttlichen Sohne eine von teuflischem Haß besessene Menschheit bereitete und IMMER NOCH bereitet.
Sie, die starke Frau, kann auch den himmelschreienden Undank aller Spötter und Lästerer, aller Gleichgültigen und Überheblichen UNSERER TAGE ertragen. Sie kämpft den guten Kampf bis zum Ende, bis zum SIEGHAFTEN ENDE, wo ihr unbeflecktes Herz TRIUMPHIEREN wird.
Selig alle, die an ihren Türen wachen, die harren am Pfosten ihrer Pforte; denn wer SIE findet, findet das LEBEN und schöpft das HEIL vom HERRN.

Ida Loidl

Für "DAS ZEICHEN MARIENS" verfaßt 1973

Siehe dazu unsere TRE FONTANE Bild- und Linkseite!

Samstag, März 18, 2006

Tre Fontane - Eine ergreifende Erscheinungsgeschichte - I

Von Ida Loidl, Ebensee, Oberösterreich - für DAS ZEICHEN MARIENS

Morgenstille lag über den menschenleeren Straßen der Stadt Rom; nur hie und da hörte man vereinzelte Geräusche einer einsamen "Carrozza", die eher als gewohnt ihr Tagewerk begann.
Eine Frau, noch im Gebet versunken, kam von irgend einer stillen Klosterkirche über den Platz vor der Lateranbasilika und sah knapp vor der "Scala santa" - der Heiligen Stiege - eine zusammengekauerte Gestalt am Boden liegen. Sie ging darauf zu und bemerkte einen in Lumpen gehüllten, etwa 14jährigen Jungen, der anscheinend hier die Nacht verbracht hatte. Inniges Mitleid entquoll ihrem mütterlichen Herzen und sie redete den noch schlaftrunkenen Buben an: "Ja, was machst du denn da?" - "Ich habe hier geschlafen", war die Antwort. "Meine Geschwister und ich schlafen immer auswärts, weil uns der Vater, wenn er betrunken nach Hause kommt, jedesmal mit dem Stock schlägt." -
Die gute Frau hatte begriffen, daß sie es hier mit einem sehr bitteren Kinderschicksal zu tun hatte, und mit Tränen in den Augen führte sie ihr Gespräch mit dem verlassenen Jungen fort, der mit seinen großen dunklen Augen zu ihr aufschaute. Sie frug ihn, ob er die hl. Kommunion schon empfangen habe. Unverständig erwiderte der Bub: "Nein, so etwas hat uns die Mutter noch nie gekocht!" - - Ach, was wußte der kleine verwahrloste Bruno vom großen Geheimnis der hl. Kommunion?! - Nur ein Jahr lang hatte er die Schule besucht und die übrige Zeit verbrachte er auf den Straßen und Gassen. Nachdem es zuhause am Notwendigsten fehlte, da die Eltern dem Trunke ergeben waren, mußte er sich durch kleine Dienste hier und dort etwas verdienen, oder erbetteln, und wenn sich Gelegenheit bot, versuchte er zu stehlen, was ihm auch nicht selten gelang. Drei Monate war er nimmer zuhause, doch man suchte ihn auch nicht. Wenn er früher doch nach längeren oder kürzeren Zwischenräumen immer wieder nach Hause kam, hörte er nichts als Fluchen und Schelten, als Streit und Hader. Ja, die ganze Gasse, in welcher er wohnte, war ähnlich geprägt, und es verging kaum eine Woche, wo nicht irgend eine hitzige Schlägerei ausbrach, die nicht selten einen blutigen Ausgang nahm. - Kein Wunder, daß auch Bruno es auf diesem Gebiet zu einer gewissen Fertigkeit brachte und selbst seine eigene Mutter nicht mit größeren und kleineren Bosheiten verschonte. - Hatten es er und seine Geschwister ein wenig gar zu arg getrieben, nun so mieden sie fortan umso länger die verwahrloste elterliche Wohnung, in der sich neben den oftmals betrunkenen Eltern nicht selten auch ähnliche Komplizen aufhielten.
All diese Gegenheiten bildeten wohl eine sehr rauhe und stachelige Schale um Brunos armes verlassenes Kinderherz, dem niemals die warme Sonne der Liebe und Unterweisung aufgegangen ist.
Die fremde Frau am Weg, die so gütig zu sprechen verstand, war für ihn wie ein Strahl aus einer anderen Welt. - Er horchte auf und hatte Sehnsucht danach, das Gute kennenzulernen und selber gut zu sein. Kurz darauf finden wir ihn bei einem Priester, welcher den armen Jungen mit seinen großen fragenden Kinderaugen in der hl. Religion unterrichtet und ihn auch zur ersten hl. Beichte und Kommunion führt. Er sagte ihm unter anderem, er solle zu seiner Mutter gehen und sie um Verzeihung bitten für alles Schlimme, das er ihr zugefügt hatte. - Bruno ging also nach Hause. Als er über die armselige Stiege hinaufging, sah er, wie die Mutter gerade Holz in den Hofen legte. Der Blick, den sie ihm zuwarf, war keinesfalls ermutigend. Doch Bruno begann in aller Zerknirschung, sie anzureden: "Mama, der Priester hat mir gesagt, ich soll dich um Verzeihung bitten für alles Böse, das ich dir jemals angetan." Die Mutter fauchte ihn an: "Das wagst du mir zu sagen?" - und gab ihm einen Fußtritt, daß er die Stiege hinunterkollerte.
So war es um Kindheit und Elternhaus Brunos bestellt. Wahrhaft ein dorniger steiniger Boden, wo jedes gute Samenkorn erbämlich erstickt wurde und verdorrte, noch ehe es zu sprossen begann. Kein Wunder, daß auch die Jugendzeit voll düsterer Schatten war. Von Natur aus talentiert und wißbegierig, konnte er sich nach beendeter Militärdienstzeit mit eigener Hand auf ehrliche Weise sein Brot verdienen, und als er mit 23 Jahren ein Mädchen, namens Jolanda, kennen lernte, wurden sie bald einig, sich zu verehelichen. Nachdem er längst wieder in sein gottloses Leben abgeschlittert war, wollte er sich nur zivil trauen lassen. Jolanda jedoch, ein tiefgläubiges Mädchen, drang in ihn, unbedingt auch kirchlich die Ehe zu schließen, und so meinte Bruno. "Wenn wir einen Priester finden, der uns in der Sakristei traut, dann meinetwegen." Und so geschah es auch.
Nachdem sie nun einige Monate verheiratet waren, meldete sich Bruno im Jahre 1936 zur freiwiligen Legion nach Spanien,wo er gegen die Truppen Francos kämpfte. Es berührte ihn nicht sonderlich, daß seine junge Frau alleine nun ihrer schweren Stunde entgegensehen mußte, doch schickte er regelmäßig seinen Sold zur Erhaltung der Familie nach Hause.
Wie er später selber erzählte, gab es keine Sünde, die er in Spanien nicht begangen hätte. Eines Tages jedoch bemerkte er einen Kameraden, der ständig ein Buch unter dem Arm trug, wenn er dienstfrei war. Wißbegierig, wie Bruno nun einmal war, machte er sich an den Kollegen heran, es war ein Deutscher, der ebenfalls freiwillig zur Fremdenlegion nach Spanien ging anläßlich des dortigen Bürgerkrieges. Bruno Cornacchiola frug nun, was er denn da immer für ein Buch mit sich trage. "Es ist ie Hl. Schrift", antwortete dieser. "Die Heilige Schrift?" frug Bruno verwundert, "was ist das"? "Du weiß das nicht?" erwiderte sein Kollege überrascht, "ist das möglich? - Es ist das Wort Gottes!" "Das Wort Gottes?" - Bruno schaute gespannt auf seinen Kameraden, und dieser begann nun, aus der Hl. Schrift zu erzählen. Begeistert hörte Cornacchiola zu, und er wurde innerlich ganz glücklich und zufrieden, soviel von Jesus zu hören, den er so wenig kannte. Täglich wurden nun die Gespräche fortgesetzt, und der deutsche Soldat, namens Otto, wurde bald Bruno Cornacchiolas bester Freund.
Eines Tages in Zaragoza sah Bruno Cornacchiola beachtliche Menschenmassen in die am Ebro gelegene Basilika "Nuestra Señora del Pilar" strömen. Immer wieder kamen neue Gruppen und Prozessionen, die seine volle Aufmerksamkeit an sich zogen. Voll Neugierde frug er nun die Vorüberziehenden, was denn das alles bedeute. "Wir feiern den Gedenktag eines Wunders", war ihre Antwort. - "Ein Wunder?" Nun war er erst recht gespannt, was sich denn da zugetragen. Man erklärte ihm nun, daß 2 große Bomben durch die Kuppel in die Basilika fielen, wohin sich die Leute geflüchet hatten - und keine der Bomben explodierte, was nur dem auffallenden Schutz der seligsten Jugnfrau zuzuschreiben war.
Voll Begeisterung ging nun Bruno zu seinem Freund un sagte: "Otto, treten auch wir in die Kirche ein. Es ist schon lange her, daß ich nimmer gebeichtet und kommuniziert habe. Gehen wir zu den Sakramenten hier, wo die Madonna das Wunder gewirkt."
Sein Freund sieht ihn entrüstet an und sagt: "Ja, da hast du ja gar nichts verstanden von all dem, was ich dir sagte! Ich habe dir von Jesus erzählt, doch nicht von der katholischen Kirche! Oder habe ich dir von einer Jungfrau Maria erzählt? Oder von Sakramenten? Oder von einem Papst und dergleichen?" - Bruno mußte es verneinen.
Nun begann Otto, der einer protestantischen Sekte angehörte und voll Verachtung gegenüber der katholischen Kirche war, voll Haß die seligste Jungfrau zu schmähen, über die Sakramente zu spotten, das hochehrwürdige Gotteshaus "eine Synagoge Satans" zu nennen und vor allem den Papst in Rom als denjenigen zu bezeichnen, der Schuld an allen Kriegen, an allem Elend und aller Ungerechtigkeit auf Erden ist.
Bruno, voll Unwissenheit in religiösen und kirchlichen Angelegenheiten lauschte gespannt den überzeugenden Worten Ottos. Letzterer verstand es gar wohl, die Unkenntnis seines Kameraden auszunützen und den temperamentvollen Sohn des Südens aufzustacheln und mit tiefem Haß zu erfüllen.
Der Papst in Rom, schuld an allem Elend, allen Kriegen und allem Unheil auf Erden?? - Brunos Haß stieg ins Maßlose. Er schwor in seinem Innern, er werde den Papst ermorden, sobald er wieder nach Rom zurückkehre. Sein Plan stand unverrückbar fest, weshalb er sich in einem kleinen Geschäft in Toledo einen Dolch kaufte, in dessen Griff er eingravierte: "Tod dem Papst!" - Ja, mit eigener Hand wollte er ihn ermorden und so der Ursache allen Übels auf Erden ein Ende setzen.
Nach 3 Jahren freiwilligem Kriegsdienst in Spanien kehrte er im Jahre 1939 wieder nach Rom zurück. Seine Frau, die mit der kleinen Isola soviel für ihn gebetet hatte, erwartete ihn mit Sehnsucht und Freude. Doch wie ganz anders kam er heim, als sie es sich vorgestellt hatte! Ganz anders! Kaum, daß er die Wohnung betreten, riß er nach einem flüchtigen Gruß fluchend die religiösen Bilder von den Wänden, zum größten Schrecken seiner Frau, die sich mit Isola in einen Winkel ihrer Wohnung zurückgezogen hatte und mit Tränen in den Augen dem schrecklichen Treiben ihres Mannes zuschaute. "Bruno", rief sie, "vergreif dich nicht am Bild der Muttergottes, der Rosenkranzmadonna von Pompei, ich habe mit Isola vor diesem Bild so viel für dich gebetet!" - Doch Bruno tobte umso wütender und stampfte haßerfüllt auf dem zerrissenen Bild herum, riß auch noch das Kruzifix von der Wand, zerbrach es über dem Knie und warf es in den Mülleimer. Nun begann für seine gute Frau ein wahrer Kreuzweg. Er zwang sie in eine adventistisch-kommunistische Sekte einzutreten, welcher er bald als aktives Mitglied vorstand. Hier nun entwickelte er eine wahre Hetzpropaganda gegen die katholische Kirche und vor allem gegen den Papst. Als Straßenbahnschaffner schrieb er nun auf die Längsseite seiner Tramway allerlei Spottverse gegen Papst und Kirche, so daß selbst gleichgesinnte Kameraden über seine tollen Einfälle den Kopf schüttelten.
Innerlich unruhig und jähzornig, wie er war, gab es nicht selten rohe Szenen, wenn er vom Dienst heimkam, und oftmals kniete seine Frau bittend vor ihm nieder, doch endlich mit seinen Schlägen innezuhalten. Ja, es waren bittere Tage und Jahre für seine stille, tapfere Frau, die nicht das Heil in der Flucht suchte, sondern ausharrte bei dem, dem sie die Treue geschworen, und bei ihren Kindern, von denen er keines taufen ließ, zu ihrem großen Schmerz.
So kam der 12. April 1947. Es war ein Samstag, und am Sonntag sollte Bruno, auf einem öffentlichen Platz in Rom, eine infame Rede gegen die Unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter halten. Er entschloß sich, mit seiner Familie nach Ostia zu fahren. Dort könnten sich Frau und Kinder ein wenig im Freien ergehen, während er Ruhe fände zur Vorbereitung seiner Rede für den morgigen Tag. Er ging nun zu Jolanda, seiner Frau, und sagte, sie möge die Kinder und sich selber fertig machen für die Fahrt nach Ostiense. Jolanda aber, welche sich gerade sehr elend fühlte, bat zuhause bleiben zu dürfen, was er erlaubte, und so fuhr er allein mit den 3 Kindern, der 11jährigen Isola, dem 7jährigen Carlo und dem 3jährigen Gianfranco vorerst nach S. Paul vor den Mauern, um dort dann mit der Bahn nach Ostiense weiterzufahren. Als er mit den Kindern nach St. Paul kam, war jedoch der Zug bereits weg. Was nun? Seine Kinder waren sehr enttäuscht, hatten sie sich doch schon so sehr auf die Fahrt nach Ostia gefreut, doch Cornacchiola hatte bald einen anderen Plan ausgeheckt: "Wir fahren nach Tre Fontane", sagte er, "dort ist es sehr ruhig und schön, da könnt ihr spielen soviel ihr wollt." Er kaufte den Kindern einen Ball und eine Kinderzeitung mit vielen Bildern, dann stiegen sie in den Obus Nr. 223 und fuhren nach Tre Fontane. Das Ziel war bald erreicht und es währte nicht lange, spazierten sie den damals noch sehr ruhigen Pfad hinan, mitten durch die von der Nachmittagssonne beschienenen und von einem leichten Wind bewegten Eukalyptusbäume mit ihren schmalen langen Blättern und wohlriechenden kleinen Früchten, von welch letzteren noch einige vom letzten Herbst hier und dort am Boden lagen.
Nachdem sie nun die kleine Anhöhe hinaufgestiegen waren und vor einer mit Ginstergesträuchen verwachsenen Grotte vorbeikamen, deren es dort mehrere gibt, gebot der Vater den Kindern strenge, diese ja nicht zu betreten. Er wußte nämlich gar wohl, daß diese Höhlen hier außerhalb der Stadt dem leichtlebigen Volk während der Nacht als willkommene Unterschlüpfe dienen und wollte keinesfalls, daß seine Kinder irgendwie damit in Berührung kämen. Sie versprachen zu gehorchen, und so gab er nun dem kleinen Gianfranco die mitgebrachte Kinderzeitung und Isola und Carlo das kleine Bällchen und befahl den größeren Kindern, gut auf Gianfranco achtzugeben. Er selbst jedoch setzte sich etwas abseits auf einen Baumstrunk, um hier in aller Ruhe die für morgen geplante Rede zu Papier zu bringen. Er hatte bereits eine Seite voll geschrieben, als er die Kinder nimmer hörte und sah.

Fortsetzung und Schluß