Samstag, Mai 02, 2009

Le Laus

Le Laus, apparition de Notre-Dame à Benoîte RencurelViel wird heute über Marienerscheinungen gesprochen und geschrieben. Wie kommt es, daß in unserem Sprachraum die wunderbaren Begebenheiten, die sich im 17. und 18. Jahrhundert in Le Laus (sprich Lö Loo), einem Weiler in den französischen Alpen, zugetragen haben, so gänzlich unbekannt sind?
Sie stehen doch in innigstem Zusammenhang mit allen späteren Erscheinungen der Gottesmutter, und es liegt ihnen das gleiche Anliegen zugrunde: die Muttergottes will die von Gott abgefallene Menschheit warnen vor dem nahenden furchtbaren Strafgericht.
Wenn in dem Buch von Goubert und Christiani, „Marienerscheinungen", nach den eigenen Worten des Verfassers eine Zusammenfassung dessen gebracht werden soll, was man „die Marianische Folge" nennt, gehörten da nicht an die Spitze die Erscheinungen von Le Laus? Sie sind zeitlich die ersten bedeutenden, und keine andere Stätte kann sich so vieler Besuche der seligsten Jungfrau rühmen, an keinem anderen Ort wandelte sie, so wie dort, durch die Landschaft, verkehrte sie in so vertraulicher Art mit ihrer Auserwählten.

DIE DOKUMENTE

Von den Erscheinungen, die der Hirtin BENEDIKTA RENCUREL — wegen ihrer Zugehörigkeit zum dritten Orden der Dominikaner Sr. Benedikta genannt — in der Zeit von 1664 bis 1717 zuteil geworden sind, erzählen vier authentisch beglaubigte Manuskripte aus jener Zeit. Sie stammen von unmittelbaren Zeugen und enthalten Aussagen über Benedikta, über die verschiedenen anderen Personen, die in die Ereignisse verwickelt waren sowie über diese selbst, die damals allen bekannt waren. Die Aussagen sind umrahmt von Verhören, begonnen im Geiste des Zweifels. Durch drei Jahrhunderte und schwere Fährnisse hindurch sind sie wunderbarerweise auf uns gekommen. Die Missionäre von Notre Dame du Laus hüten sie als kostbaren Schatz.
Das erste verfaßte ein Laie, François Grimmaud. Er war Advokat des Parlaments von Grenoble und Richter der Herrschaft Avençon, Le Laus gegenüber gelegen. Er leitete die anfänglichen Verhöre und spielte bei der Haupterscheinung dieselbe Rolle, wie später Bernadettes Gefährten in Lourdes.
Das zweite ist von Bruder Aubin, einem Einsiedler aus der Umgebung von Le Laus. Es enthält seine Memoiren und einen Bericht über die Verfolgungen, die die Seherin in seinem Beisein erlitten hatte.
Das dritte schrieb ein Priester, M. Peytieu, Dr. der Theologie, der Pfarrverweser am Heiligtum war und der in Le Laus Heilung von Lungenschwindsucht gefunden hatte. Es ist sehr umfangreich und umfaßt vier Teile: Meldungen an den Erzbischof, Erinnerungen, tägliche Aufzeichnungen und Notizen.
Das vierte ist ein Journal, das ein anderer Priester Tag für Tag führte. Dieser, Messire Gaillard, geistlicher Berater des Königs und Domherr von Gap, war dreiundvierzig Jahre lang Zeuge der Ereignisse. Er beobachtete alles, was sich begab und begann erst im Alter von 68 Jahren, die Tatsachen niederzuschreiben. Er verzeichnet sein Bedauern darüber, daß er anfangs nicht fromm genug gewesen sei, den Dingen Glauben zu schenken. Neunzehn Bände wurden noch zu seinen Lebzeiten, offenbar von einem Notar, mit Ordnungszahlen und Paragraphen versehen.
Die heiligste Jungfrau hat diese Manuskripte während der Plünderung von Le Laus im Okotber 1791 sichtlich behütet; denn natürlicherweise hätten sie mit allem anderen der Vernichtung anheimfallen müssen.
Die geistige Not Frankreichs zur äußerlich glanzvollen Zeit Ludwigs XIV. geht aus ihnen hervor. Nach den Verheerungen, verursacht durch das Vordringen des Protestantismus, kam eine neue Irrlehre auf: der Jansenismus. Er fand rasche Verbreitung. Selbst Mitglieder des Klerus zählten zu seinen Anhängern. Unter dem Vorwand, die Ehre Gottes zu verteidigen, entfremdete er ihm die Menschen. Er machte ihnen den Empfang der Sakramente, vor allem des Buß- und Altarssakramentes, schwer, ja fast unmöglich. Seiner Lehre von der Prädestination nach war die Gnade Auserwählten vorbehalten. Die religiösen Orden gerieten in Mißkredit, Papst und Kirche wurden heftig angefeindet, die Andacht zur seligsten Jungfrau und die Wallfahrten zu ihrer Ehre abgelehnt. Gegen diese Verirrungen sollte Le Laus den Kampf aufnehmen.
Frankreichs Kirche befand sich in höchster Gefahr, Da wählte die Himmelskönigin den kleinen Erdenfleck in den Hohen Alpen zur Tribüne, von der aus sie zur Welt sprechen wollte. Ihr Werkzeug war die arme Hirtin Benedikta Rencurel, der sie im Laufe von 35 Jahren sehr oft erschienen ist. Sie verkehrte vertraulich mit ihr, lehrte sie Gebete, tadelte sie wegen ihrer Fehler, veredelte die rauhen Sitten des Bauernkindes und erzog es so in unendlicher Geduld für die Aufgabe, zu der sie es erwählt hatte.

DIE BEGEBENHEITEN

Benedikta Rencurel wurde im September 1647 in dem kleinen Dorfe St. Etienne geboren. Ihr Leben war von Beginn an eigenartig. Es war von Peinen seltener Art gezeichnet und andererseits wundersam überstrahlt. Sie war von kleinauf anders geartet als die Kinder des Dorfes. Fehlerfrei war sie nicht, aber drei Tugenden traten bei ihr jederzeit deutlich in Erscheinung: Frömmigkeit, Reinheit und Nächstenliebe. Sie empfand eine besondere Verehrung für die Gottesmutter. Unermüdlich betete sie den Rosenkranz.
Ihr Vater war früh gestorben, und Armut zwang die Mutter, das Kind in zartem Alter schon in einen Dienst zu geben.
Als Benedikta an einem Maienabend des Jahres 1664 Schafe hütete, sah sie plötzlich einen prächtig gekleideten Greis auf sich zukommen, den sie schon mehrmals auf diesen Weiden bemerkt hatte. Er ließ sich in ein Gespräch mit ihr ein und gab sich schließlich als heiliger MAURITIUS zu erkennen, zu dessen Ehre einst die in der Nähe befindliche, nun verfallene Kapelle errichtet worden war. Er forderte die Hirtin auf, fortan mit ihrer Herde das gegenüberliegende Tal aufzusuchen, denn dort werde sie die Muttergottes sehen. Zur Beglaubigung seiner Worte gab er ihr einen Stock und wies sie an, sich damit gegen vier Wölfe zu verteidigen, die ihr begegnen würden. Die Raubtiere zeigten sich tatsächlich, entfernten sich aber beim Anblick des Stockes.
Und wirklich erschien der Kleinen am nächsten Tage und von da an, vier Monate hindurch, täglich, begleitet von einem lieblichen Kinde, die Muttergottes, ohne daß Benedikta sich dabei der Verheißung des hl. Mauritius erinnert hätte. Zwei Monate lang bezeugte sie dem Mädchen nur wortlose Güte. Benediktas Herz aber wurde mehr und mehr von seligem Entzücken erfüllt, und sie war eifrig bestrebt, keine dieser Zusammenkünfte zu versäumen. Manchmal stand sie mitten in der Nacht auf und eilte zu der Stätte der Begegnung. Willig folgten ihr stets die Schafe, die immer auf demselben mageren Fleck grasten und dabei auffallend gediehen.
Nach zwei Monaten aber begann die Dame die Hirtin zu belehren, zu prüfen und zu erziehen. Sie behandelte sie mit bezaubernder Vertraulichkeit. Es kam auch vor, daß sie sie zur Kirche sandte, damit sie dort bete und indessen betreute sie selbst die Schafe. Sie lehrte sie die Geheimnisse des Rosenkranzes zu betrachten und die Lauretanische Litanei zu beten.
Natürlich konnte Benedikta ihre Freude über diese Besuche nicht geheimhalten. Staunend gewahrten die Dorfleute auch die Veränderung, die mit ihr vorgegangen war. Sie, die ein ungestümes Temperament hatte, war nun still und sanft, ihre Worte und Bewegungen waren von ungewöhnlicher Feinheit und Anmut, ihr Antlitz strahlte heitere Ruhe aus und flößte allen, die sich ihr nahten, Achtung und Vertrauen ein.
„Ob es nicht am Ende die seligste Jungfrau ist, die sie sieht? " fragten sich die Leute, und sie brannten vor Verlangen nach einer Erklärung dieser Vorgänge. In der ganzen Umgebung herrschte wachsende Erregung. Der Richter der Herrschaft von Avençon verfolgte aufmerksam die Ereignisse. Anfangs August 1664 erschien er in St. Etienne, ließ Benedikta rufen und stellte ein eingehendes Verhör mit ihr an. Er fand sie sehr verständig, ruhig und sicher, von aufrichtiger Wesensart und ihrem Charakter nach unfähig, das zu erfinden, was sie aussagte. Schließlich trug er ihr auf, zu beichten und zu kommunizieren und dann die Dame bei der nächsten Begegnung ohne Scheu um ihren Namen zu fragen. Benedikta führte den Auftrag gewissenhaft aus. Die Dame äußerte hierauf den Wunsch, der Pfarrer des Dorfes möge am nächsten Tage, dem 29. August, eine Prozession unter Absingung der Lauretanischen Litanei nach dem Tal der Öfen führen. Es geschah und der Richter François Grimmaud nahm daran teil. Er kniete betend neben Benedikta vor der Grotte, doch niemand sah die Erscheinung als die Hirtin allein. Als diese die Dame um ihren Namen fragte, antwortete sie: „Ich bin Maria, die Mutter Jesu". Dann fügte sie hinzu: „Du wirst mich hier nicht mehr sehen und einige Zeit überhaupt nicht mehr".
Wochenlang irrte Benedikta mit ihrer Herde umher, um die zu suchen, deren Gegenwart ihr ganzes Glück gewesen war, Endlich, am 24. September, ihrem Geburtstag, zeigte sie sich ihr auf einem Hügel am anderen Ufer des stark angeschwollenen Flusses. Benedikta durchquerte ihn eiligst auf dem Rücken ihrer Ziege. Als sie den Ort, Pindreau genannt, erreicht hatte, gab Maria ihr den Auftrag, sich nach Le Laus zu begeben und dort nach einer kleinen Kapelle zu suchen, aus der Wohlgerüche strömen würden. „Du wirst mich dort sehr oft sehen und sehr oft mit mir sprechen können".

NIEDERLASSUNG IN LE LAUS

Notre-Dame du LausLange mußte die Hirtin Wälder und Fluren durchstreifen, bis sie endlich die Kapelle fand, die sich, strohgedeckt, nicht von den zerstreut liegenden Hütten der Talbewohner unterschied. Sie war Unserer Lieben Frau von der Heimsuchung geweiht.
Dort empfing die Muttergottes, über dem armseligen Altar schwebend, von Wohlgerüchen umströmt, ihre Auserwählte. Sie enthüllte ihr den Plan, hier zu Ehren ihres Sohnes und zu der ihren, eine große Kirche und ein Haus für Priester errichten zu wollen. „Ich habe meinen Sohn gebeten, mir Le Laus für die Bekehrung der Sünder zu geben, und er hat meine Bitte erfüllt. Viele werden hier zu ihm zurückfinden".
Das Gerücht von den Erscheinungen verbreitete sich rasch. In Scharen strömten die Menschen herbei, und viele Wunderheilungen belohnten ihren Glauben. Stürmisch verlangte das Volk nach der von der Gottesmutter gewünschten Kirche.
Jetzt trat der Domherr Gaillard, als der vom Erzbischof delegierte Visitator der Pfarreien der Diözese Gap auf den Plan, Doktor der Theologie und Verfasser der späteren Berichte über die Geschehnisse. Im August 1664 war er aus Neugierde nach Le Laus gekommen und war dort so reich begnadet worden, daß er ganz für die Sache gewonnen war. Er erstattete dem geistlichen Administrator der Diözese, Generalvikar Lambert, Bericht. Im Herbst des Jahres traf dieser, begleitet vom Rektor des Jesuitenkollegs in Gap, vom Sekretär des Erzbischofs und etwa zwanzig weiteren kirchlichen Würdenträgern in Le Laus ein. Sie waren sämtlich gegen die Ereignisse voreingenommen, und der Generalvikar trug sich mit der geheimen Absicht, die Kapelle schließen zu lassen und die Wallfahrt zu verbieten.
Benedikta erschrak beim Anblick des prunkvollen Zuges und wollte sich verstecken. Doch Maria wies sie an, den geistlichen Herren, wie es sich gehöre, Rede und Antwort zu stehen. Sie versprach, ihr dabei helfen zu wollen.

DIE KIRCHLICHE ANERKENNUNG

La Vénérable Soeur Benoîte d'après un tableau fait de son vivant (1688)Das Verhör dauerte stundenlang. Die Hirtin begegnete allen Versuchen, sie in Verwirrung zu bringen und der Lüge zu überführen mit Ruhe und Klugheit. Nachdem auch Drohungen ihre Wirkungen verfehlten, gab der Generalvikar ihr den Auftrag, die angebliche Erscheinung zu bitten, ihn durch ein Zeichen oder Wunder die Wahrheit erkennen zu lassen.
Am Abend schickte sich die Kommission an, abzureisen. Da begann plötzlich ein sintflutartiger Regen zu fallen. Er überschwemmte das kleine Tal und die Herren sahen sich genötigt, die Nacht im Dorfe zu verbringen. Als der Generalvikar am nächsten Morgen eben die Feier der hl. Messe beendet hatte, erhielt er sein, von der Gottesmutter gefordertes Zeichen: eine allen bekannte Frau aus dem Dorfe St. Julien, Katharina Vial, die seit sechs Jahren an einer unheilbaren Lähmung der Beine litt und sich nur mit Hilfe eines kleinen Rollwagens weiterbewegen konnte, sprang plötzlich auf; die Lähmungserscheinungen waren verschwunden. Einen Monat später führte sie, unter dem unbeschreiblichen Jubel der Gläubigen, eine Prozession nach dem, von ihrem Wohnort 60 km entfernt liegenden Le Laus an. Tief ergriffen gab der Generalvikar die Erlaubnis zum Bau der Kirche, nachdem er die Geheilte noch eingehend verhört und ein authentisches Protokoll aufgenommen hatte.

DIE ERRICHTUNG DES HEILIGTUMS

Notre-Dame-du-Laus, Le Sanctuaire1666 wurde mit dem Bau des Heiligtums begonnen; drei Jahre später war es vollendet. Seine Errichtung in so kurzer Zeit, während andauernder Kriege, in einer Gegend ohne Zufahrtswege, durch Menschen, die in bitterer Armut lebten, ist nicht das kleinste der Wunder von Le Laus. Keinem anderen Heiligtum in den von der Jungfrau besuchten Ländern wurde, wie Le Laus, die Auszeichnung zuteil, daß Bauarbeiten und Geldgebarung unter ihrer unmittelbaren Obsorge standen. Sie sicherte und überwachte den Bau bis in die kleinsten Einzelheiten, und die Scherflein der Armen deckten die Kosten, wie sie es vorausgesagt hatte. Die Pilger schleppten Baumstämme und Felsblöcke aus den Schluchten heran; sie brachten alles Material, das benötigt wurde; die Arbeiter hatten es nur zusammenzufügen. Der Glaube eines Volkes hat die Kirche errichtet auf das Wort eines Kindes hin. In späteren Jahren erfolgte dann die Erbauung der Klostergebäude für die Missionäre, die den Wallfahrtsdienst versahen, und eines Knabenseminars, das dem Sturm der Zeiten aber nicht standgehalten hat. Eine Singschule für Chorknaben kam hinzu, in der heute noch etwa 30 Kinder der Diözese ausgebildet werden und die eine Ergänzung des kleinen Seminars ist. Le Laus wurde bald eines der bekanntesten Heiligtümer Europas. Man reihte es unmittelbar hinter Loreto. Am 8. September 1671 zählte man beispielsweise 6'000 Besucher, im Jahre 1721 waren es ihrer 1'200 täglich.
Zahllose Wunder bestätigten die Sendung Benediktas. Meistens vollzogen sie sich durch das Öl, das das Ewige Licht im Heiligtum speist. Von Anfang an verlieh ihm die seligste Jungfrau die Kraft, aus der Ferne zu heilen. „Das Öl der Lampe, die in der Kapelle vor dem Allerheiligsten brennt, wird, wenn man es einnimmt oder auflegt und gläubig meine Fürbitte ersehnt, Heilung bringen".
Auf Wunsch der Gottesmutter gab die Hirtin das Viehhüten auf und widmete sich ganz dem Wallfahrtsdienst. Sie gab sich ihm auf heroische Weise hin. Um der Sünder willen unterzog sie sich den schwersten Abtötungen. Sie betete die Nächte hindurch, geißelte sich, enthielt sich der notwendigsten Nahrung, trug mit allen seelische und leibliche Not, wies die Verstockten zurecht, ermutigte die Schwachen und Verzweifelten.

MISSION BENEDIKTAS

Le Laus, Apparition de la Sainte ViergeDas war das besondere an der Mission Benediktas: im Auftrag der Gottesmutter hatte sie die Sünder zu warnen und zur Buße zu bewegen. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, war ihr das Charisma gegeben, in den Herzen und Gewissen zu lesen. Sie durchschaute die Sünder, die aus falscher Scham schwere Vergehen nicht gebeichtet hatten und machte sie darauf aufmerksam, ohne in ihrer Reinheit zu verstehen, was diese Sünden bedeuteten. Es kam vor, daß sie Pilger von der Kommunionbank zurückstieß und sie aufforderte, sich nochmals in den Beichtstuhl zu begeben und diese oder jene verheimlichte Schuld zu bekennen.
Größer als die Zahl der Heilungswunder war die der Bekehrung der verstocktesten Sünder. Öfter brachte sie auch Besessene, deren es in der Dauphine damals nicht wenige gab, dazu, zu beichten, worauf die körperliche Heilung erfolgte.


DIE VERFOLGUNGEN BENEDIKTAS

Die Seherin hatte viel unter Verfolgungen zu leiden. Im Jahre 1692 floh sie, auf Geheiß der Gottesmutter, unter Mitnahme aller Schätze der Kirche, nach Marseille. Es war ihr geoffenbart worden, was sie bei ihrer Rückkehr vorfinden würde: die Kirche war unversehrt; aber die Klostergebäude waren niedergebrannt. Maria erteilte ihr genaue Weisungen für den Wiederaufbau.
Von 1692 bis 1712 mußte sie die Feindseligkeiten der Jansenistischen Partei ertragen, die nichts unversucht ließ, um die Wallfahrt zu unterdrücken. Man wollte Benedikta beseitigen, sie in ein Kloster sperren, an einen entlegenen Ort verweisen und versuchte immer wieder, ihrer habhaft zu werden. Einen offenen Angriff wagte man nicht, da man das Volk fürchtete. Durch Engel vor der Gefahr gewarnt, ging die Seherin bei Nacht nicht mehr aus und verschloß stets sorgfältig ihre Türe. Man beschuldigte sie der Hexerei, verweigerte ihr die Sakramente, verbot ihr, die Kirche zu betreten. Die Muttergottes und Engel standen ihr in diesen schweren Jahren getreulich bei, stärkten ihren Mut, rieten ihr, wie sie handeln sollte.
Ihre Gegner brachten den Erzbischof von Embrun dazu, den Wallfahrtsdienst jansenistischen Priestern zu übertragen. Diese leugneten von der Kanzel herab die wunderbaren Geschehnisse von Le Laus. Das Volk aber nahm davon ebenso wenig Notiz wie von ihren häretischen Verkündigungen. Allen Verboten zum Trotz hielt es an der Wallfahrt fest. Und auch die Seherin harrte aus. Hatte ihr doch Maria gesagt: „Deine Feinde wären glücklich, wenn Du verzagtest; denn dann würden sie ihr Ziel schnell erreichen".
Aber der Tag kam, da diese Feinde weichen mußten. Der Bischof von Gap war ihrer Umtriebe überdrüssig geworden. Es gelang ihm, den Erzbischof von Embrun aus seiner Gleichgültigkeit aufzurütteln. Der Prior der Jansenisten wurde streng gemaßregelt und die Väter der Heiligen Wacht an deren Stelle berufen. Bald gelangte Le Laus zu neuer Blüte.
Benedikta verzehrte sich mehr und mehr im Dienst an den Pilgern und ihre Leiden steigerten sich ins Unermeßliche. Nach dem Ausspruch ihres Beichtvaters war sie nur geboren, um zu leiden.

BENEDIKTAS LEIDEN

Notre-Dame du Laus, La Vénérable Benoîte à la Croix d'Avançon1671 zeigte sich ihr zum ersten Male der Herr am Kreuz von Avençon in seinen Todesqualen. Darauf erlitt sie selbst die Passion. Fünfzehn Jahre hindurch verharrte sie, einmal wöchentlich, von Freitag vier Uhr nachmittags bis Samstag neun Uhr früh, starr und unbeweglich auf ihrem Lager, die Arme in Kreuzesform ausgestreckt, einen Fuß über dem anderen. Hatte sie aber, im Auftrage Marias, die Arbeiter, die an dem Kloster bauten, zu überwachen oder mit Essen zu versorgen, so blieben die Karfreitagsschmerzen aus. 1648 schwanden sie ganz, wurden aber von den schwersten Verfolgungen des Satans abgelöst. Sie stehen denen, die der heilige Pfarrer von Ars zu erleiden hatte, nur wenig nach und dauerten dreißig Jahre, bis zu ihrem Tode. Die Dämonen erschienen ihr in den greulichsten Gestalten. Sie peinigten sie Tag und Nacht, zerrten sie stundenlang in ihrer Stube umher, warfen sie ins Feuer, beraubten sie ihrer wenigen Habseligkeiten, tränkten ihre Kleider in Öl. Sie schleppten sie ins Felsengebirge, stürzten sie in Abgründe und ließen sie dort zerschlagen liegen. Sie war dann unfähig, ein Glied zu rühren, unfähig auch, im Dunkel der Nacht den Heimweg zu finden. Engel erbarmten sich ihrer und geleiteten sie, brennende Fackeln tragend, nach Hause.
Notre-Dame du Laus, La Vénérable Benoîte communiée par les AngesSie wurde überhaupt eines vertrauten Umgangs mit Engeln gewürdigt. Sie verkehrten freundschaftlich mit ihr, beteten abwechselnd den Rosenkranz mit ihr, berieten sie in schwierigen Lagen, waren liebevoll um ihr seelisches und körperliches Wohl besorgt, tadelten sie wohl auch, wenn sie Fehler beging. Am 2. August 1700, dem Feste Unserer Lieben Frau von den Engeln, als die Jansenisten ihr den Sakramentsempfang verweigert hatten, wiesen Engel sie an, das Altartuch zu entfernen und reichten ihr mit eigener Hand den Leib des Herrn.
Durch Wohlgerüche hatte Maria sich in Le Laus von Benedikta finden lassen. Zu Lebzeiten der Seherin war die Kirche häufig von solchen erfüllt. „Eine Unmenge Personen kann dies bezeugen", meldet der Chronist. 1690, am Vorabend von Maria Himmelfahrt, konnten alle in der Kirche anwesenden Pilger diese Wahrnehmung machen. Und heute noch werden einzelne Gläubige damit begnadet. In der Basilika fehlt jeder Blumenschmuck, um Zweifel über die Herkunft der Düfte auszuschließen. Gleichzeitig mit ihnen wird Friede und Freude übernatürlicher Art verspürt. Nach jeder Erscheinung der Gottesmutter strömten Benediktas Kleider tagelang unbeschreibliche Wohlgerüche aus. Auch bei ihrem Heimgang am Tage der Unschuldigen Kinder, 28. Dezember 1718, durchflutete ein wundervoller Duft die armselige Stube. In ihrer Todesstunde erschien ihr zum letzten Male auf Erden ihre „Gute Mutter", wie sie sie immer genannt hatte und ohne Kampf, mit dem Ausdruck unaussprechlichen Glückes, verschied sie.

ENTFALTUNG DER WALLFAHRT

Notre-Dame-du-Laus, Statue de la Vierge Couronnée le 23 mai 1855Ein Engel hatte Benedikta geoffenbart: „Le Laus ist Gottes Werk. Weder Menschen noch Dämonen können es je zerstören. Es wird dauern bis an das Ende der Zeiten und überall reiche Frucht tragen".
Und wie die Gottesmutter verheißen hatte, entfaltete sich die Wallfahrt nach Benediktas Tod mehr und mehr. Die Manuskripte und Votivtafeln erzählen von Gnadenwundern aller Art. Die Zahl der Pilger stieg ständig und steigt noch immer. Eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten stand im Banne von Le Laus. Der heilige P. Eymard, der Gründer der Gesellschaft vom Allerheiligsten Sakrament, Dom Chautard, der bekannte Trappistenabt, der Romantiker Maurice Barées, der Historiker Georges Goyau, Henri Ghéon, Paul Claudel, Jacques Maritain und noch viele andere.
Man spricht vom „Zauber von Le Laus". Niemand, der gläubigen Herzens hinkommt, kann sich ihm verschließen. Ungemein lieblich ist die Lage des kleinen, zwischen Schluchten und hohen, felsigen Bergen eingebetteten Weilers. Ein Fluidum strömt dort, das das Herz fesselt, und das tief in die Seele eindringt. Jeder Weg, jeder Steg erinnert daran, daß Maria hier gewandelt ist. Prozessionen durchziehen das Tal, von Glockengeläute begrüßt; ergreifend singen die kleinen Sängerknaben das Lob der Himmelskönigin. Litaneien erklingen in rhythmischen Perion die man nie vergißt, wenn man sie einmal gehört hat. Ein Verehrer von Le Laus fand die schönen Worte: „Jede Schlucht, jeder Felsen erinnert an die himmlische Erscheinung. Wie von selbst fließt das Gebet von den Lippen der Pilger...".
Der warme, persönliche Empfang, der dem Besucher von Le Laus durch die Missionäre und die Schwestern zuteil wird, ist nicht einer der geringsten Reize dieser gesegneten Stätte. Er scheint die Gegenwart der „Guten Mutter" an ihrem Heimsuchungsort fortzusetzen. Man fühlt sich herzlich eingegliedert in die große Familie U.lb. Frau von Le Laus.
Versenkt in die Gruft des Heiligtums, das 1892 von Leo XIII. zur kleinen Basilika erhoben worden ist, vor dem Altar der winzigen Kapelle, die Rahmen der ersten Erscheinung der Gottesmutter in Le Laus war und heute, als kleiner Tempel im großen, den Chor der Kirche bildet, erwartet und empfängt Sr. Benedikta nun seit fast zweieinhalb Jahrhunderten die Pilger. Was sie aber noch erwartet, ist die offizielle kirchliche Anerkennung ihrer Sendung durch Rom. Der 1861 eröffnete Kanonisationsprozeß, der zuerst so gute Fortschritte machte, daß der Erzbischof von Sens im Mai 1872, während eines feierlichen Festaktes das Dekret von der Ehrwürdigkeit Sr. Benediktas verkünden konnte, wurde durch den Krieg von 1870 und durch die Versetzung des Kirchenfürsten in seiner Verfolgung gehemmt. Erst 1891 konnte er überprüft werden und Leo XIII. bestätigte am 21. August 1894 die Genehmigung der Ritenkongregation. 1897 brachte der Bischof von Gap die Akten des abgeschlossenen Prozesses persönlich dieser Instanz, wo sie bis heute der Erledigung harren. Der jetzige Bischof von Gap und die Dominikaner bemühen sich weiterhin eifrig, die Erhebung Sr. Benediktas zur Ehre der Altäre zu erreichen.
1854 hat Pius IX. das Bittgesuch des Bischofs von Gap um die Krönung der Gnadenstatue genehmigt und die Ablässe erteilt. Am 25. Mai 1855 fand die feierliche Krönung statt, an der, außer dem päpstlichen Geheimkämmerer, mehrere Erzbischöfe, zahlreiche Bischöfe, sechshundert Priester und etwa vierhunderttausend (400'000) Gläubige teilnahmen.
Der Schluß des Festaktes vereinigte alle Anwesenden in dem Gebet:
„Herr Jesus Christus, der Du Deiner heiligsten Mutter Le Laus für die Bekehrung der Sünder geschenkt, und ein armes Hirtenkind zum Werkzeug der Wunder, die sich dort ereignen sollten, erwählt hast, gewähre uns durch ihre Fürbitte die Seligsprechung Deiner treuen Dienerin, der ehrwürdigen Sr. Benedikta Rencurel!"

Edina Zerboni

P.S.: La-Salette-Pilger können leicht einen Abstecher nach Le Laus machen, da es von Corps aus mit dem Autobus in eineinhalb Stunden zu erreichen ist!

PS: Dieser Artikel ist zuerst erschienen in "DAS ZEICHEN MARIENS", September 1972, 6. Jahrgang, Nr. 5

Siehe auch:

Mittwoch, Januar 30, 2008

Das heilige Blutwunder von Saint Maximin-la-Sainte-Baume (Provence)

An der Autobahn ca. 35 km Luftlinie östlich von Aix-en-Provence liegt im Departement Var Saint Maximin-la-Sainte-Baume, in dessen Basilika (Krypta) in einem goldenen Reliquiar der Schädel der M. Maria Magdalena vorzufinden ist. Oben sind noch zwei unversehrte Stellen vorhanden. Man lese auch den Bericht nach in folgenden Heften des «DAS ZEICHEN MARIENS» über die hl. Maria Magdalena (Oktober/November/Dezember 1980 und März/April/August 1981).
Das Reliquiar stellt ein Brustbildnis der hl. Maria Magdalena dar und wird getragen von 4 Engeln. Darunter, gleichsam unter ihrem Herzen, befinden sich 3 Ampullen, worin kleine Felssteinchen und Erde von Golgata zu sehen sind, durchtränkt vom Kostbaren Blute unseres Herrn Jesus Christus. Dieses Hl. Blut hat die Gottesmutter am Fuße des Hl. Kreuzes, zusammen mit der hl. Maria Magdalena, vermischt mit Golgata-Erde aufgesammelt und bei sich verwahrt als kostbaren Schatz. Wie Sie aus dem Zeichen Mariens bereits wissen, wurden bei der 1. Christenverfolgung in Jerusalem u.a. Lazarus und seine Schwestern Martha und Maria Magdalena gefangen und in einem untauglichen Boot ohne Segel und Ruder dem Meer überlassen, damit sie da ertrinken sollten. Mit Gottes Hilfe erreichten sie auf wunderbare Weise die Südküste Frankreichs bei Les-Saintes-Maries-de-la-Mer und begannen dort das Evangelium auszubreiten. Maria Magdalena aber zog sich als Einsiedlerin ins Gebirge zurück (südlich von Saint Maximin, wo sich im Massiv von den «La Sainte Baume-Bergen» ihre Höhle heute noch befindet). Auch nach ihrem Tod blieben die Hl. Blut-Reliquien bei Maria Magdalena. (Entgegen dem Bericht wurden meines Wissens im Jahre 716 angesichts der Sarazeneneinfälle die Reliquien nicht vergraben, in Saint Maximin, sondern nach Vezelay verbracht, wo sich heute noch Reste befinden, die zu sehen sind, andererseits ist es auch möglich, dass nur ein Teil dorthin gelangte). Immerhin wurden dann die Reliquien fast vollzählig im Jahre 1279 wieder nach Saint Maximin gebracht. Die Jahreszahlen spielen in diesem Zusammenhang weniger eine Rolle, eine genaue Nachforschung würde den Bericht zu sehr herauszögern. In der Zeitung «Le Pelerin» vom Juli 1876 steht folgendes: «Das Wunder ereignete sich während einer langen Reihe von Jahren anläßlich des Karfreitags. Man sah die braunschwarzen Steinchen leuchtend rot werden vor aller Augen nach der Verlesung der Passionsgeschichte. Das Blut, das an diesen Steinchen klebte, wurde flüssig, und man konnte es in den Ampullen brausen sehen. (Es steht Ampulle, aber sollte wohl Ampullen heißen.) Dann sank es wieder auf den Boden der Ampulle(n) zurück. Es geschah an jedem Karfreitag und war in der ganzen Gegend als das Blutwunder von Saint Maximin bekannt.
Im Laufe der Zeit geriet alles in Vergessenheit und auch heute weiß man selbst dort nicht von der Existenz dieser hochheiligen Blutreliquien. Zum Glück hat die Göttliche Vorsehung Anna Katharina Emmerich von Dülmen in Visionen Hinweise gegeben in bezug auf diese Hl.-Blutreliquien, damit sie der Vergessenheit entrissen werden, ausgerechnet jetzt, im Jubiläumsjahr des Versöhnungstodes unseres Herrn Jesus Christus und in einer Zeit, wo Menschen Scheu haben, über solche Wunder zu sprechen und die wahre Lehre zu verteidigen bzw. für sie einzutreten.
«So geschah es denn, daß wir mit unserer Pilgergruppe aus Holland und Belgien, - am Feste der Geburt Mariens, am 8. September 1983 - und auch am Geburtstag von A. K. Emmerich - uns zur Pilgerfahrt nach Saint Maximin aufmachten, um dem Heiligen Blut wieder zur Ehre zu verhelfen. 3 Wochen zuvor habe ich telefonisch Verbindung mit dem Pfarrer dieser Basilika aufgenommen mit der Bitte, uns eine hl. Messe zu halten und auf dem Hauptaltar die Ampulle (er war der Meinung, daß es sich um eine Ampulle handele) mit dem Hl. Blut aufzustellen, weil wir sie verehren wollten. Aber der Pfarrer, der uns ja nicht kannte, erzählte mir, daß diese Ampulle mit dem Hl. Blut vor einigen Jahren gestohlen worden sei. Trotz Einwänden, daß wir die Ampulle(n) vor 4 Jahren nach Anweisungen von A. K. Emmerich in der Krypta gesehen hätten, wiederholte der Pfarrer, daß sie gestohlen sei.
Dennoch fuhren wir als Pilger nach Saint Maximin. Am Samstag, den 10. September 1983, standen wir, wie telefonisch abgesprochen, etwa gegen 10 Uhr morgens mit unserer Gruppe auf dem Kirchplatz der Basilika. Der Küster empfing uns mit der Entschuldigung, daß der Pfarrer nicht anwesend sein könne, da er eine Totenmesse zelebrieren müsse. Wir sollten unsere Messe in der Sakristei halten.
Ich fragte den Küster, ob es möglich wäre, den Pfarrer der Basilika wenigstens sprechen zu können nach der hl. Messe, aber er erklärte uns, daß dies unmöglich wäre, da der Pfarrer nach dem Requiem zum Friedhof mitgehen müsse und anschließend noch eine Hochzeitsmesse zu halten hätte. Während unseres weiteren Aufenthaltes in der Basilika blieb der Küster immer bei uns als Begleiter.
Nach unserer hl. Messe mit hl. Kommunion erzählte uns der Küster die Geschichte der Krypta und etwas über die dort befindlichen Reliquien. Dann berichtete er auch (wie der Pfarrer telefonisch mitgeteilt hatte) über die gestohlene Ampulle mit dem Hl. Blut Christi und erklärte vor allen, dies sei im Jahre 1904 geschehen. Das stimmte aber nicht, und die Aussage des Küsters mußte uns befremden.
Zudem hatten wir rosarote Rosen aus Holland mitgebracht, um so unseren Herrn Jesus Christus zu ehren und das Unsere zu seiner Rehabilitierung beizutragen. Während wir nun die Rosen in der Sakristei in einer großen Vase arrangierten, kam ein kleiner Priester im Meßgewand mit rotblondem Haar in die Sakristei und schaute uns unbeteiligt zu. Seine Blicke erregten unser Gemüt und wir ärgerten uns über ihn.
Keiner von uns kam auf den Gedanken, daß dieser Priester möglicherweise der Pfarrer dieser Basilika sein könnte. Er stellte sich uns auch nicht vor. Er kam zu mir und sagte, daß ich mich beeilen solle, da jetzt noch eine Tauffeier stattfände.
Nachdem wir unsere Rosen arrangiert hatten, begaben wir uns zwei und zwei in Prozession, die Rosen voraustragend, zur Krypta und sangen dabei die Litanei vom Hl. Blut. Die Krypta war noch immer geschlossen, und der Küster mußte zur Sakristei zurückgehen, um den Schlüssel zu holen.
Als er das schmiedeiserne Gittertor geöffnet hatte, betraten wir das unterirdische Grabgewölbe mit den Sarkophagen längs den Wänden. Auf dem Boden lagen 2 Holzbalken mit Lampen für die Beleuchtung der Krypta. Während unsere Pilger Maria Magdalena verehrten, suchten wir Pilgerleiter trotzdem die Hl. Blutreliquie... und wir haben sie gefunden ... nicht nur eine Ampulle, sondern drei Ampullen mit dem Kostbaren Blute unseres Heilandes. Wir entdeckten sie unter dem goldenen Reliquien-Brustbild der hl. Maria Magdalena, gleichsam unter dem Herzen dieser Heiligen.
Kurz darauf begann das HEILIGE BLUT in den Ampullen flüssig zu werden, zum großen Erstaunen der zahlreichen Anwesenden, die sich vor der Nische, wo diese Hl. Blutreliquien sich befinden (hinter einem schmiedeisernen Gitter), drängten. Das Hl. Blut erhob sich aus der Erde und sammelte sich auf dem Boden in den Ampullen, so daß das Niveau dieses Hl. Blutes in den Ampullen aufstieg. Beim Flüssigwerden änderte sich die Farbe der Blutsubstanz von braunschwarz zu blutrot. Auch der Küster und eine Menge französische Touristen waren Zeugen dieses Geschehens. Da die Kirche um 12 Uhr geschlossen werden sollte, machte der Küster zuerst die Krypta zu. Das Hl. Blut war noch immer flüssig und in den 3 Ampullen ziemlich hoch gestiegen. Während unsere Pilger in kleinen Gruppen wieder zum Bus zurückgingen, blieb ich noch mit unserem Pilgerpater hinten in der Basilika zurück. Da kamen aus der Sakristei der Küster und zu seiner Seite der Priester mit dem rotblonden Haar in bürgerlicher Kleidung.
Ich ging dem Küster entgegen, um mich bei ihm zu bedanken. Aber der Küster blieb stehen und stellte mir nun den Priester vor, indem er sagte: «Dieser Priester ist der Pfarrer dieser Basilika.» Dieser schaute mich fest an und lächelte ein wenig dabei. Aber die Hand gab er mir nicht. Ich fragte ihn, ob er es war, mit dem ich vor etwa 3 Wochen telefonisch gesprochen habe und er bejahte dies. Ich mußte mich beherrschen, fragte ihn aber dann, ob er das Blutwunder in der Krypta gesehen habe. Mit einem Lächeln in den Augen sagte er so beiläufig: «Nein, die Ampulle ist doch gestohlen worden.»
So holte ich denn unseren Pater und den Küster als Zeugen herbei und sagte zu dem Pfarrer: «Ich spreche im Namen unserer Pilger, daß wir alle Zeugen von diesem Heiligen Blutwunder sind. Wie können Sie denn sagen, daß die Ampulle gestohlen ist? Außerdem sind es insgesamt 3 Ampullen mit dem Heiligen Blute Jesu Christi!»
Dann antwortete dieser Pfarrer wie triumphierend mit einem Lächeln in den Augen: «Jawohl! Da sind in der Tat drei Ampullen!» Ich sagte dann noch: «Sie sagen es nun selbst, Herr Pfarrer, aber wie kommen Sie dazu zu sagen, die Ampullen seien gestohlen worden?» Hierauf hatte dieser Priester keine Antwort und schwieg, da er es endlich eingestehen mußte.
Auf unsere Bitte, den Hl. Reliquien einen dauernden würdigen Platz oben in der Basilika zu geben, zur Verehrung durch die Gläubigen, antwortete der Pfarrer: «Dann würden die Reliquien bestimmt gestohlen.»
Mit dieser Antwort mußte er zum 2. Mal die Anwesenheit dieser Hl. Blutreliquien und sein Wissen darum eingestehen und daß sie sich tatsächlich in der Krypta von Saint Maximin befinden.
Ich machte ihn dann darauf aufmerksam, dass die Reliquien der hl. Martha (Schwester von Maria Magdalena) in Tarascon doch auch einen sicheren Platz in der Kirche hinter einem schmiedeisernen Gitter in einer besonderen Kapelle zur Verehrung der Gläubigen hätten. Beim Abschied überreichte ich ihm ein Bildnis von Anna Katharina Emmerich aus Dülmen, die schließlich nicht wegzudenken ist hinsichtlich der Wiederentdeckung des Hl. Blutes in Saint Maximin.
Unseres Wissens hatte der Pfarrer dieser Basilika von Saint Maximin jedenfalls das Wunder nicht gesehen, es sei denn eventuell noch kurz vor dem Schließen der Basilika.
Inzwischen wurde ein ausführlicher Bericht über unsere Erlebnisse in Saint Maximin mit einer Unterschriftenliste und den Adressen aller 30 Zeugen unserer Wallfahrtsgruppe an folgenden Persönlichkeiten gesandt: Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II., Kardinal und Erzbischof von Paris J. M. Lustiger, Erzbischof Mgr. B. Panafieu (Aix en Provence), an den Bischof von Saint Maximin und an den Erzbischof Mgr. A. J. Simonis von Holland.
Das am 10. September 1983 gegebene Wunder betrachten wir als Auftrag, dem Hl. Blut und dem Gebein der hl. Maria Magdalena wieder den Platz und die Ehre zu geben, die wir schuldig sind und wir rechnen dafür auf jedmögliche Mitwirkung!
Es muß die Frage aufkommen: «Wie soll das gut gehen mit der Kirche, wenn die Geistlichkeit sich so gleichgültig zeigt und so wenig Beweise gibt von Ehrfurcht und Hingabe dem Heiligen Blut unseres Erlösers Jesus Christus gegenüber?» So kann eine Besserung der Verhältnisse kaum von der Geistlichkeit her erwartet werden, aber das gläubige Volk hat die Aufgabe, zur Ehrenrettung und Rehabilitierung des Kostbaren Blutes und der Hl. Reliquien in der Kirche auf den Plan zu treten, bis das Ziel erreicht ist zur größeren Ehre Gottes und zum Segen für die Gläubigen. Wenn nicht eine große Anzahl frommer Pilger wieder zu den Heiligtümern zieht, wird von der Geistlichkeit her kaum mehr etwas zu erwarten sein.
Merken wir auf, daß das Heilige Blut im Laufe des Heiligen Jahres 1983 erstmals wieder flüssig geworden ist. Den Hl. Karfreitag 1984 haben wir vor uns. (Mittlerweile ist er bereits vergangen, während ich diesen Bericht schreibe, sind die betreffenden Pilger wieder unterwegs, gemeinsam mit einer Gruppe aus dem Saarland.)
Saint Maximin ist (mit Brügge in Belgien) vielleicht der einzige Platz der Welt, wo Christus auch in der Karwoche wirklich und wesentlich in ganz besonderer Weise sichtbar und fühlbar anwesend ist in seinem Heiligen Blut, womit er uns erlöst hat auf Golgata. So kann Saint Maximin (gleichwie Brügge) ein bevorzugtes Pilgerziel werden für alle, die an Christus glauben, wo alle gleich welchen christlichen Bekenntnisses eins sein können an Christi Erlösertod.
Das heilige Blutwunder von Saint Maximin beweist die Echtheit der Reliquien und stärkt uns im Gauben, der in unserer Zeit so schwach zu werden droht. Außerdem ist es eine Bestätigung der geschlichten echten Visionen der gottseligen A. K. Emmerich, deren Heiligsprechung noch aussteht. Ihre Hinweise können noch weitere wertvolle Reliquien zu Tage bringen helfen zur Verherrlichung des Erlösungswerkes Christi. Möge alles dazu beitragen, daß Anna Katharina Emmerich zu Ehren der Altäre erhoben wird, möge das Evangelium wieder lebendiger in die Seelen der Menschen eindringen, damit Gott besser gekannt und geliebt wird, zum Heil und Segen für die ganze Menschheit! (Anläßlich unserer Kerizinenreise im Herbst werden wir versuchen, mit einem der verantwortlichen Herren zwecks eines Diavortrags ein Treffen zu vereinbaren, evtl. kann dieses im Hotelbus selbst geschehen, ferner werden wir in Zukunft ganz dem Wunsche dieser liebenswürdigen Pilger gemäß das Heiligtum in Saint Maximin-de-la-Sainte-Baume noch mehr in den Mittelpunkt von Pilgerreisen in diese Gegend stellen.)

E. Tröndle

(Dieser Bericht wurde von Ernst Tröndle, Ave Maria-Pilgerreisen, Postfach 9, CH-8232 Merishausen, oder Buchenstrasse 3, D-7717 Immendingen 4, nach einem Manuskript der verantwortlichen Zeugen: Herrn R.C.F. van Ryk, Postfach 83, B-9000 Gent - 1/Belgien, und Herrn R.A. Kooymans, Wingerd 167, NL-2742 SH Waddinxveen/Holland, etwas angepaßt. Die letzteren Herren wären gegen angemessene Kostenerstattung bereit, authentische Dias von dem Blutwunder zu zeigen. Teilnehmer unserer Fatimareisen ist Saint Maximin bereits ein Begriff, jedoch besuchten wir bisher diesen Ort ohne Wissen dieser wunderbaren Tatsache. Nach Fertigstellung des neuen Hotelbus wird eine eingehende Reise in die Provence ins Auge gefaßt, gerade in diesem Teil Frankreichs gibt es noch viele unentdeckte und kaum bekannte Wallfahrtsorte von außerordentlicher Wichtigkeit. Wir werden gebührend auch Stätten wie Ars und Lourdes miteinbeziehen, ebenfalls La Salette und Le Laus.)
(«Das Zeichen Mariens», CH-9050 Appenzell, DZM 18/1, Mai 1984)

Mittwoch, Oktober 10, 2007

Bericht über die Muttergottes-Erscheinungen in DÜREN (Rhld.)

Vi Decreti SSimi Dni nostri Urbani VIII, et aliorum S. Romanae inquisitionis publicatorum annis 1625, 1631, 1637, non praetenditur, ut iis, quae in hoc libello de quibusdam particularibus Personis referentur major fides, quam que humana authoritate nititur, habeater, excepto illo, quod juxta tenorem dictorum Decretorum excipi debet.

Gertrud Fink, Düren, bei der Lourdesgrotte im Garten Engelbert Knipprath'sDüren, ein altes Städtchen im Rheinland, seit Jahrhunderten bekannt als Wallfahrtsort der hl. Mutter Anna, wurde am 16. November 1944 fast vollständig zerstört. Südlich der Stadt, vielleicht 10 Minuten entfernt, liegen an der Straße nach Stockheim zwei Kapellen. Die kleinere, ältere, längs der Straße, ist mit einer Ölbergsgruppe geziert; die neuere, viel größere, wurde im Kriege sehr stark mitgenommen und nur die Umfassungsmauern standen noch. Diese Kapelle barg früher ein schönes, altes Bild der "Consolata afflictorum", welches gerettet wurde und nun in der alten Kapelle aufgestellt wurde. (Eigenartig, daß dieses Bild fast vier Monate in der zerstörten Kapelle gelegen in Regen, Schnee und Schutt und dennoch unbeschädigt war)
Zuerst in der zerstörten, größeren und später in der alten Kapelle erschien seit dem 1. Mai 1949 die Mutter Gottes einer damals 44-jährigen Jungfrau, GERTRUD FINK, von Beruf Näherin. Sie berichtet wie folgt:

1.5.1949:
Neue Kapelle in Düren (Aufnahme P. Schenker, 1967)Am 1. Mai zog es mich mit einer fast übermenschlichen Gewalt nach dem Muttergotteshäuschen. Es war ja auch so Sitte, der lieben Gottesmutter im Monat Mai dort oftmals einen Besuch abzustatten. Morgens um halb sechs betrat ich die zerstörte Kapelle, um zu beten und um der Maienkönigin einen Morgengruß zu bringen. Auch bat ich um den Frieden für die Menschheit.
Da sah ich an der linken Seite plötzlich eine schöne Frau stehen. Mir war ganz eigenartig zu Mute. Es war keine Angst, war auch kein Druck. Ich hatte ein Gefühl, als wenn etwas Erbarmungsvolles auf mich zukam und mich ganz in Besitz nahm. Und diese Frau sprach zu mir: "KOMME AN NEUN PRIESTERSAMSTAGEN NACH HIER. BETE FÜR PRIESTER UND VOLK. ICH KOMME ZURÜCK." Nach diesen Worten war in mir ein Gefühl, das ich nicht beschreiben kann. Ich fühlte mich zu dieser Frau hingezogen.
Das Gefühl ließ mich nicht mehr los. Ich betete dann noch einige Ave, um wieder ganz zu mir zu kommen. Mit einem innigen Dankgebet ging ich dann nach Hause. Um acht Uhr besuchte ich die hl. Messe. Aber immer waren meine Gedanken bei der schönen Frau. Ihr langes, weißes Kleid, breiter goldener Gürtel, blauer Mantel, weißer Schleier, dieses Bild hatte ich immer vor Augen. Ich fühlte, daß ich zu ihr gehörte und immer ging ein tiefes Sehnen nach ihr durch mein Herz. Ich sehnte mich nach dem ersten Priestersamstag, an dem ich sie ja wiedersehen durfte. Sie war so jung, so voll Anmut, Reinheit und Liebe; ich kann es nicht genau schildern, wie meine Seele dies empfand.

7.5.1949:
Morgens um 6.00 Uhr ging ich wieder zur Kapelle, wie sie es gewünscht hatte. Ihre Worte bei der ersten Erscheinung waren mir dauernd durch die Seele gegangen. Ich wußte ja nicht, was sie eigentlich wollte. Still betete ich in der Kapelle. Ein leises Ahnen verspürte ich. Irgendetwas zog mich gewaltig an; keine Macht der Erde hätte mir dieses Ahnen nehmen können, selbst der Tod nicht. Plötzlich gewahrte ich an der linken Seite des Altares einen großen, hellen Schein. Dieser Schein ging auseinander und die schöne Frau stand da. Über ihr Gesicht ging ein feines Lächeln. Sie nickte mir zu und sagte: "SCHENK DU MIR DEN LOSKAUF DER PRIESTERSEELEN. KOMME MORGENS UND ABENDS NACH HIER ZUM GEBET. KOMME AM 12. MAI ABENDS NACH HIER, UND ICH SAGE DIR, WER ICH BIN." Ich kann nicht beschreiben, was nach diesen Worten in meiner Seele vorging. Ich fühlte in mir eine große Unwürdigkeit; ich fühlte das Sündhafte in mir, das armselige Nichts. Möge Gott mir doch seine Gnade schenken, damit ich alles tue, wie es von mir gewünscht wird. Eine eigenartige Gewalt durchzog meine Seele. Und diese Gewalt zwang mich, der schönen Frau mein ganzes Einverständnis zu geben. Wie ein Kind zur Mutter, so fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Ein eigenartiges Glücksgefühl durchströmte mich. Alles war von mir abgefallen. In mir lebte nur die Bitte: gib mir Kraft, deinen Wunsch treu zu erfüllen. Es war mir, als wenn sie mir etwas geschenkt hätte, ein gewisses Eigen, was ich verteidigen darf mit meinem ganzen Wesen.
Sonderbar war, daß die schöne Frau den Mantel vorne zuhielt, als wenn sie etwas Geheimnisvolles verbergen wolle. Beglückend war für mich, daß ich das tun darf, was sie von mir verlangt. Mit einem Lächeln, dem kein Mensch hätte widerstehen können, hob sie sich langsam in die Höhe; ein Grüßen, und sie war verschwunden. Die Wirklichkeit meiner Umgebung kam zurück und, ihrem Auftrage gemäß, betete ich für Priester und Volk.

12.5.1949:
Die Tage des stillen Betens gingen dahin, und wieder sehnte sich meine Seele nach der schönen Frau. Es kam der 12. Mai, der Tag, wo sie mich zu sich beschieden hatte. Jetzt sollte ich erfahren, wer sie sei. Es war abends um halb neun; niemand war in der Kapelle. Mit meiner Mutter, die von nichts eine Ahnung hatte, saß ich betend vor dem Gnadenbild. Und ganz plötzlich stand die schöne Frau wieder an der linken Altarseite, ca. einen halben Meter über der Erde; unter ihren Füßen eine weiße Wolke. Ich sah ihre nackten Füße. Ein langes weißes Kleid, welches mit einem breiten goldenen Gürtel gehalten wurde, floß bis zu den Füßen herab. Ein gewisses Etwas, eine eigene Lieblichkeit strömte von ihr aus. Mein Herz konnte es kaum fassen. Ich wollte beten; es gelang mir kaum; in mir war nur ein Schauen, ein Sichversenken. Sie erstrahlte mit einemmale in einem wunderbaren Lichte. Dann breitete sie ihren blauen Mantel aus; ihre Hände waren erdwärts gerichtet und sie sagte dann: "ECCE ANCILLA DOMINI". Nach diesen Worten überfiel mich eine tiefe Ehrfurcht; ich flüsterte diese Worte nach. Ich wußte nicht, was diese Worte bedeuteten. Dann neigte sie sich zu mir und sagte: "MEIN KIND, ES WIRD ETWAS FURCHTBARES ÜBER DIE VÖLKER KOMMEN; BETE, BETE, BETE." Und sie verschwand Meine Seele und mein ganzes Inneres ging in diesem Geschauten auf um grundlos mich hinab zu senken in den Glanz dieser Schönheit, welche mich nicht mehr verließ. Nichts Weltliches hatte mehr Raum in mir.

4.6.1949:
Beim Aveläuten, morgens um halb sechs, war ich in der Kapelle. Nach kurzem Gebet stand der helle Schein wieder vor mir (an der linken Altarseite). Der Schein zerteilte sich und SIE erschien, die "Ecce Ancilla Domini". Sie breitete den Mantel aus, und das weiße Kleid wurde sichtbar. Es hing langwallend bis zu den Füßen herab. Es fiel mir auf, daß ihr Gesicht einen sehr traurigen Zug hatte. Ich wagte nicht, nach der Ursache dieses traurigen Ausdruckes zu fragen. Denn ich fürchtete schon, etwas Falsches getan zu haben. Doch SIE erkannte meine Gedanken und sprach die Worte: "WENN DAS OSTLICHT DES VERDERBENS GEGEN DAS WESTLICHT GEHT IM HL. JAHR UND DAS VOLK SICH NICHT BESSERN WIRD, WIRD MEIN SOHN DAS ZEICHEN SETZEN; DIE SONNE WIRD SICH WENDEN. EIN STERN WIRD DEM ZEICHEN NACHSTELLEN. ABER DAS ZEICHEN WIRD DEN STERN SCHLAGEN. BITTE DIE PRIESTER, MAN MÖGE DIESE KAPELLE FERTIG BAUEN; ICH WÜNSCHE ES. ES SOLL EINE JOHANNESKAPELLE WERDEN. SIE SOLL DEM LIEBLINGSJÜNGER GEWEIHT WERDEN, DER MIT MIR UNTER DEM KREUZ STAND." Sie sah mich fragend an, ob ich auch wohl alles verstanden hätte. Ich bat SIE um die Gnade, daß ich doch alles recht behalten möge, was SIE mir gesagt hätte. Dann segnete SIE mich so recht liebevoll, und ich fühlte, daß ich SIE nie verlassen werde. Bei dem Segen waren ihre Züge wie ein himmlisches Lächeln, was aber dann wieder in Traurigkeit überging. Dann verschwand SIE.
Eine Weile betete ich noch für uns alle, besonders aber für die Priester, die unter der Verfolgung leiden müssen. Mit einem gedrückten Herzen schied ich von der Gnadenstätte, immer in stillem Gebet; aber fest entschlossen, immer für Christus und Maria mein Leben einzusetzen und nicht zu vergessen: DEN LOSKAUF DER PRIESTERSEELEN.

2.7.1949:
An diesem Priestersamstag war SIE nicht mehr so traurig, als SIE morgens um sechs Uhr in der Kapelle erschien. Zuerst war der helle Schein da; und in diesem erschien SIE dann in ihrer holden Lieblichkeit. Ein himmlisches Lächeln überströmte ihr Angesicht, wie in Unendlichkeit getaucht. Ihr Mantel war vorne offen, und ich sah das weiße Kleid, was mir so gut gefiel. SIE faltete die Hände, sah mich an und sprach: "VERSTÄRKE DEIN GEBET NOCH MEHR. SAGE DEN PRIESTERN, DASS SIE BETEN FÜR DIE GOTTENTFREMDENDE WELT." Ein Blick unsagbarer Milde und Güte tat sich mir kund; es war, als ob SIE alles an sich ziehen wollte mit ihrem Herzen der Liebe. Und ich versprach ihr, im Gebete auszuharren und alles zu beobachten, was ihrem Herzen Freude macht und so Jesus Christus jede Verherrlichung zu schenken. Dann entzog SIE sich meinen Blicken, und ich war wieder allein. Nur eine unstillbare Sehnsucht blieb in mir. Ich möchte sie nie verlieren, mag auch alles noch so schwer sein. Durch Maria zu Jesus.

6.8.1949:
Um sechs Uhr morgens war ich in der Kapelle. Die Erscheinung kam wie gewöhnlich. SIE breitete die Hände aus, und aus diesen floß ein Licht bis zur Erde. Es durchdrang meine ganze Seele bis ins Innerste. Es schien mir, als wenn SIE auf einer Brücke stand. Ein Geheimnis ward mir kund, und SIE bat mich, niemals und mit niemandem darüber zu sprechen; nur dann es der Kirche zu offenbaren, wenn der Priester mich auffordert; dann tue es im Gehorsam der hl. Kirche. Meinen Blicken bot sich eine Weltkugel dar, und SIE breitete die Hände nach dieser aus. Mit einer mütterlichen Liebe und ausgestreckten Armen fleht SIE um den Frieden, doch die Menschen wollen nicht. Ich stehe dem Ganzen machtlos gegenüber wie ein Kind, welches das alles nicht begreifen kann, was mit ihm geschieht. Das Licht, das ihren Händen entfloß, das Geheimnis für die Priester und ihr Flehen für die Welt, ich konnte es nicht verstehen. Meinem ganzen Angstgefühl und Bangen kam SIE entgegen, indem SIE mütterlich zu mir sagte: "ICH WILL DIR MÄNNER ZUR SEITE GEBEN, DIE MIT DIR DIE SACHE DURCHARBEITEN IN DIESER GLAUBENSLOSEN WELT. ICH MÖCHTE EIN LILIENHEER HABEN, WELCHES UNTER MEINEM BANNER KÄMPFT; EIN MARIENHEER, WELCHES STEHEN MUSS GEGEN DES UNTERLANDES GEWALT. UND DIESES UNTERLAND IST RUSSLAND, WELCHES SICH GEGEN KIRCHE, PAPST UND MENSCHHEIT STELLT." Ich bat Sie ganz still, mir zu helfen, alles zu tragen, da ich schwach und armselig sei. In ihrer ganzen Liebe sagte SIE: "HABE KEINE ANGST, ICH BIN IMMER BEI DIR; MEINE LIEBE VERLÄSST DICH NIE." Als ich diese Worte vernahm, war es mir so leicht, als hätte ich nie etwas getragen; als hätte ich nur etwas Herrliches geschaut, was nie weggeht und immer bleibt. SIE sagte noch: "BETE, BETE, BETE." Und mit einem lieblichen Lächeln verschwand SIE.
In tiefer Ergriffenheit kniete ich noch eine Zeit und betete. Die trauten Worte der lieben Gottesmutter gaben mir wieder solchen Mut, daß es für mich nichts anderes mehr gibt, als lieber sterben, als untreu werden.

3.9.1949:
Eine innere Sehnsucht trieb mich schon morgens um halb sechs Uhr zur Kapelle. Ich hatte ein sehr großes Verlangen zur Mutter; denn ich hatte ihr ja so Vieles zu sagen und ihr so viele Bitten vorzutragen für Priester und Volk. Oftmals hatte ich an den langen Abenden vorher, oft bis in die Nacht hinein, an der Stelle gekniet, wo SIE mir in ihrer ganzen Schönheit erschienen war und mir so Manches gesagt hatte. Mein ganzes Herz war voll Erwartung, und ein gewaltiges Sehnen stieg in mir hoch, als ob alles in mir zerspringen müßte.
Nach kurzem Aufstrahlen des hellen Scheins stand SIE dann auf einmal wieder vor mir in ihrer ganzen Lieblichkeit, ganz mir zugewandt. Ihre Stimme war ganz Milde und Güte, als SIE zu mir sprach: "WILLST DU JEDES KREUZ AUF DICH NEHMEN?" Was ich auch bejahte. Dann sagte SIE: "ICH BIN GEKOMMEN, DIE MENSCHEN ZU WARNEN. HÖRT AUF MEINE STIMME UND BETET, TUET BUSSE; BITTER IST DER VERLUST DER SEELEN, DIE OHNE GLAUBEN UND LIEBE SIND. HÖRT AUF DIE STIMME DER KIRCHE, DIE ZU EUCH SPRICHT DURCH EINGEBUNG DES HL. GEISTES. DANN WIRD DAS SCHWERSTE VERHÜTET WERDEN. DU WIRST NOCH VIELES LEIDEN MÜSSEN; WILLST DU DICH GANZ DEM LEIDEN ANBIETEN, UM SEELEN ZU RETTEN FÜR DIE EWIGKEIT?" Ich gab IHR mein Jawort. Alles will ich annehmen, trug ich doch schon so viel im Leben. Als SIE meine ganze Bereitwilligkeit sah, sagte SIE: "DU WIRST DER ANSTOSS DER MENSCHEN WERDEN; ABER VERZAGE NICHT; DAS ENDE IST SÜSS." Still betete ich kurz für die Bekehrung der Sünder, besonders dachte ich an unsere Priester, den Hl. Vater und die ganze Kirche. Dann sagte SIE weiter: "MEINE PRIESTER WERDEN DEN KAMPF BESTEHEN, ABER NUR DURCH OPFER FÜR CHRISTUS, DEN SIEGER. ES WERDEN VIELE PRIESTER VERFOLGT WERDEN; SIE WERDEN GEMARTERT UND GETÖTET. IHR BLUT WIRD EINEN ERDTEIL TRÄNKEN, WO DER STERN AUF ROM GERICHTET IST." Ich wußte nicht, was alle diese Worte bedeuteten. Sie sind mir tief ins Gemüt eingedrungen. Der vollen Tragweite aller Worte bin ich mir nicht bewußt. Tiefinnerlich gepackt, habe ich noch einige Zeit gebetet und bin dann nach Hause gegangen. Lange habe ich noch über diese Worte nachdenken müssen.

1.10.1949:
Der Rosenkranzmonat beginnt. DAS SCHÖNSTE UND ERBAULICHSTE GEBET, DAS EINE SEELE BETEN KANN, UM ALLES ZU ERLANGEN, IST JA DER ROSENKRANZ. Ich kniete in der Kapelle. Von weitem hörte ich ein Aveglöcklein läuten, still betete ich den Engelsgruß.
Das Kommen der Mutter ließ nicht lange auf sich warten. Ich fühlte ihre Liebe, die mir entgegenfloß; ich war der Welt entrückt. Dann zeigte SIE mir einen dunklen Weg, an dessen Ende ein strahlendes Kreuz stand. SIE sprach: "IN DIESER WELT WIRST DU KEINEN TROST MEHR HABEN, ERST IN DER ANDERN WELT. DEINES BLEIBENS WIRD HIER NICHT MEHR LANGE SEIN." Dann ließ SIE mich aus einer Schale etwas sehr Bitteres trinken. Danach fühlte ich ein fesselndes Etwas, was ich nicht beschreiben kann. SIE betete langsam das Ave Maria; in mir verschmolz das Gebet mit einem tiefen Schauen in IHR; ich verspürte, daß ich ihr gehörte mit Leib und Seele. Dann verschwand die liebliche Erscheinung.
Unerklärlich und unverständlich ist mir der bittere Trank. Etwas Eigenartiges war in meiner Seele; groß war der Wunsch in mir, SIE in ihrer Holdseligkeit immer zu schauen. Mit einem großen Sehnen nach IHR bin ich dann nach Hause gegangen.

5.11.1949:
Morgens um sechs Uhr durfte ich wieder meine himmlische Mutter in der Kapelle schauen. Als ich vor ihr kniete, kam mir im Gewissen die Frage, ob ich auch treu mein Versprechen gehalten habe, was ich der Mutter gegeben hatte; habe ich genug gebetet für die Bekehrung der Sünder; habe ich genug Buße getan? Meine Seele wurde hineingezogen in etwas, was weder Raum noch Spannung hat; meilenweit schien mir alles, weltenweit. Ich sah ja SIE in ihrer ganzen Schönheit. Ein Leuchten ging von ihr aus. Ihr Begehren drückte SIE in folgenden Worten aus: "AN MEINEM OPFERTAG GEHE ZUM PFARRHERRN UND SAGE IHM, DASS ES MEIN HEISSER WUNSCH SEI, DASS DIE KAPELLE HIER FERTIG GEBAUT WERDE." Ich versprach ihr, den Wunsch zu erfüllen. Ihr Gesicht schien mir wie verklärt; ein tiefes Begreifen durchzog meine Seele. Ihre Gestalt hob sich in die Höhe und verschwand. Im Auftrage der Muttergottes bin ich dann am Feste Maria Opferung zum hochwürdigen Oberpfarrer gegangen. Ihn kannte ich persönlich noch nicht. Ein gewisser Druck lastete auf mir, doch ich mußte gehen. Den Herrn Oberpfarrer bat ich dann, mich einige Minuten anzuhören, da ich ihm Wichtiges mitzuteilen hätte. Als ich gewahrte, mit welcher Liebe und Güte er mir entgegenkam, legte ich ihm alles dar, wie es sich zugetragen hatte. Er frug mich nach Persönlichem, nach Alter und Beruf und Wohnung. Ich gab ihm über alles eine klare Darstellung. Auch sagte ich ihm, daß ich arm sei und so gerne ins Kloster gehen möchte, was mir aber auf Grund meines körperlichen Leidens nicht möglich wäre. Alles hörte er sich geduldig an. Auf alle seine Fragen gab ich ihm bereitwillig und ganz offen Auskunft. Ich war ihm ja fremd, und so blieb er mir gegenüber auch ein wenig zurückhaltend. U.a. frug er mich, ob mein Beichtvater von allem Bescheid wüßte. Ich konnte dies bejahen, denn von Anfang an hatte ich meinem Beichtvater alles gesagt. Der hochwürdige Herr versprach mir, sich mit meinem Beichtvater in Verbindung zu setzen. Zum Abschied sagte er mir: "BETEN UND OPFERN SIE WEITER; SIE SEHEN JA, WELCHES GROSSE UND SCHWERE MEINER NOCH HARRT: DER AUFBAU DER ST. ANNA-KIRCHE. NEHMEN SIE MEINE SCHWERE ARBEIT MIT IN IHR OPFER." Dies versprach ich sehr gerne. Mit sehr freundlichen Worten entließ mich der Herr Oberpfarrer.
In meiner Seele fühlte ich ein Aufbrechen; ich fühlte eine große Verantwortung und ein Abgelöstsein von der Welt. Tränen brachten mir Erleichterung, die ich dem lieben Gott anbot für die Anliegen des hochwürdigen Herrn.

3.12.1949:
Auch an diesem Tage erschien die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich. In tiefer Ergriffenheit kniete ich vor ihr, harrend der Worte, die SIE mir zu sagen hätte. Und SIE sprach: "BETET, BETET, BETET, TUET BUSSE. DIE KIRCHE WIRD VERFOLGT WERDEN, SO HABE ICH DIR JA SCHON KUNDGETAN. VIELE WERDEN GEMARTERT WERDEN UM DES GLAUBENS WILLEN. WER DAS OSTLICHT DES VERDERBENS NICHT ERKENNT, WIRD DER FURCHTBARSTEN IRRLEHRE VERFALLEN, WELCHE DIE MENSCHHEIT SAH. MAN WIRD BRANDFACKELN WERFEN AUF DEN STELLVERTRETER CHRISTI. ER WIRD VIELES ZU LEIDEN HABEN. ICH BIN JA GEKOMMEN, UM DIE MENSCHHEIT ZU WARNEN VOR DEM UNTERLANDE. HÖRT AUF DIE STIMME EURER MUTTER. AM ENDE WIRD MEINE LIEBE DOCH SIEGEN UND DURCH EINEN GNADENSTROM WERDEN VIELE GERETTET WERDEN. DURCH DAS KOSTBARE BLUT MEINES SOHNES BITTE ICH INSTÄNDIG UM VERGEBUNG DER FREVELTATEN, UM DIE RETTUNG DER WELT. DARUM KOMME ICH ALS MAGD DES HERRN." Dann forderte SIE mich auf, am achten Dezember abends wieder nach hier zu kommen. Ihre Gestalt hob sich in die Höhe und verschwand. Still und innig betete ich noch einige Zeit und ließ mir alle Worte der lieben Gottesmutter nochmals durch den Kopf gehen. Aus allem verspürte ich ihre große Liebe zu den Menschen und wie SIE die Menschen noch in letzter Stunde retten will. Gedanken, wie ich armseliger Mensch der lieben Gottesmutter helfen könne, durchzogen meine Seele. Doch ich weiß, SIE steht mir zur Seite, und nichts kann mich erschüttern. IHR vertraue ich bedingungslos.

8.12.1949:
Es war ein nasser, regenreicher Tag. Am Abend sollte ich die liebe Gottesmutter wieder sehen. Den ganzen Tag war ich von einer spannenden Sehnsucht erfüllt. Mein Herz trieb mich nur zu IHR. Nach dem hl. Meßopfer in der St. Josefskirche strebte meine Seele nach der kleinen Kapelle, nach dem hl. Ort, wo ich SIE, die Himmelsmutter schauen durfte. Es überfiel mich dort ein Gefühl meiner großen Erbärmlichkeit, weil meine arme Seele doch über so manche Steine gefallen ist und ich dadurch dem lieben Heiland weh getan habe. Doch die Liebe des Herrn hat mich ja seine hl. Mutter schauen lassen. Abends nach acht Uhr begab ich mich zur Kapelle. Vor dem Bilde der lieben Gottesmutter brannten viele Kerzen; eine weihevolle Stille umgab die betenden Menschen; es wurde der Rosenkranz gebetet. Auf einmal stand das Bild in einem ganz hellen Schein. Und es gingen Strahlen von dem Bilde aus, seitlich und nach oben, nicht nach unten. Die Strahlen waren ca. einen halben Meter lang. Nach etlichen Minuten gingen die Strahlen zurück; der Schein verschwand, und es sah aus, als wenn das Bild verschwunden wäre. Und da stand SIE wieder an der linken Seite vor dem Altar. Ihr Gesicht hatte einen sehr traurigen Zug Mit dem Ruf "Maria" bin ich aus der Bank gegangen und kniete mich an der rechten Seite, das Gesicht IHR zugewandt. Ihre gefalteten Hände gingen auf einmal auseinander, und auf den ausgebreiteten Händen hielt SIE ein Kreuz (ca. 1 1/2 m gross und die Balken ca. vier Finger breit). SIE legte mir das Kreuz auf die linke Schulter und sagte: "NIMM DAS KREUZ UND FOLGE MEINEM SOHNE. DU WIRST VIEL ZU LEIDEN HABEN UND WIRST DER ANSTOSS VIELER MENSCHEN WERDEN. BETE VIEL FÜR DIE PRIESTER, FÜR DIE HL. KIRCHE UND FÜR DIE BEKEHRUNG DER SÜNDER. BEHALTE MUT; ICH BIN IMMER BEI DIR."
O, wie gerne will ich ihren Wunsch erfüllen. IHR kann ich ja nichts abschlagen. Wenn auch die Kanten des Kreuzes drücken, wenn auch grenzenlose Hilflosigkeit mich befällt; ich weiß, ihrer mütterlichen Hilfe bin ich sicher. SIE hilft ja immer, mag der Kampf auch noch so schwer sein. So nahm ich an diesem Abend alles an; es war eine unbekannte Welt, die auf mich zutrat; eine Welt voll Haß und Rohheit, voll Schimpf und Schande, voll Schmutz und Ekel gegen Gott und sein hl. Gebot. Ich fühlte eine Welt voll dämonischen Spottes, eine Welt des Zweifels, welche in satanischer Macht gegen mich losging. Ich wußte ja nun davon; denn ihre Worte: "Nimm das Kreuz und folge meinem Sohne", besagten mir ja alles. Dann forderte SIE mich auf, am 24. Dezember zur selben Stunde nach hier zu kommen. Auch gab SIE mir eine Botschaft an die Kirche (nur nach Befragung durch Priester zu offenbaren). Ausdrücklich ermahnte SIE mich noch, nur zur Kirche zu sprechen, nicht zur Welt; denn die Welt ist schmutzig. Dann verschwand SIE.
Mir hat SIE ja nun hinterlassen, den göttlichen Willen zu erfüllen; still und froh das "Ja" zu Allem zu sagen.
Bis jetzt war von den Erscheinungen in der Öffentlichkeit noch nichts bekannt geworden. Doch heute, als viele Beter hier waren und diese mein ihnen unerklärliches Benehmen gewahrten, sprach sich die Kunde rund, daß ich die Muttergottes gesehen habe. Man hat mich nachher viel gefragt; ich gab schlicht und einfach Antwort; aber die Welt war doch anders. Ein Hin- und Herziehen fing an und Manches mußte ich erdulden. Zum Trost blieb mir das Sehnen nach dem 24. Dezember, wo SIE ja das Licht der Welt uns schenkte.

24.12.1949:
Der letzte Tag vor Weihnachten. Und am Abend sollte ich die himmlische Mutter wieder sehen. Den ganzen Tag durchzog mich ein Sehnen nach IHR. Ich wünschte mir den Abend herbei. Als ich nun abends in die Kapelle kam, waren schon viele betende Menschen dort. Mein erster Gedanke war: Mutter, segne sie alle. Nachdem wir nun alle vielleicht eine Viertelstunde gebetet hatten, erschien an der linken Seite zuerst wieder der helle Schein. Dieser verschwand dann allmählich und SIE stand wieder da in ihrer ganzen Herrlichkeit und Lieblichkeit. Mit dem Ruf "Maria" bin ich an die rechte Seite gegangen und kniete mich vor IHR. IHR Blick war in die Ferne gerichtet. SIE sprach: "SO IST ES RECHT, MEIN KIND. LASS VIELE MENSCHEN KOMMEN, DAMIT ICH SIE HEILE, SEGNE UND STÄRKE NACH DEM MASS IHRES VERTRAUENS." O, wie freute mich diese Botschaft. Könnte ich doch recht viele Menschen hier heranrufen, damit sie der Mutter huldigen. Dies war mein inniger Wunsch in diesem Augenblick.
Ihr herrliches, faltenreiches Gewand, welches bis auf ihre Füße reichte, glänzte in einem ganz eigenartigen Lichte. Mein Gedanke war, ob doch alle Menschen glauben würden, wenn sie einmal dieses Herrliche schauen dürften. Ich bat die Mutter um die Erlaubnis, es doch sagen zu dürfen, damit doch viele Menschen Anteil nehmen an dem großen und schönen Geschehen. Darauf sagte SIE: "ES WIRD NOCH SCHWERE OPFER KOSTEN; ABER SCHENKE ALLES MEINEM MUTTERHERZEN; DER WEG IST NOCH WEIT." Dann breitete SIE die Arme aus und segnete alle Beter. SIE verschwand dann.
Als die Gläubigen nun mein Entspanntsein bemerkten, frugen sie mich nach allem. Und ich habe ihnen dann auch die Worte der Muttergottes gesagt. Und freudig beteten sie dann auch noch Dankgebete. Gewiß, wenn alle Menschen so wären! Durch das Bekanntwerden etliche Tage vorher waren auch Andersdenkende, die sich sehr Böses und Unschönes erlaubten, gekommen. Ich mag hier nicht davon reden: möge der liebe Gott ihnen alles verzeihen.

30.12.1949:
Obgleich ich nun immer meine ganzen Erlebnisse meinem Beichtvater erzählte, hielt ich es doch auch fair meine Pflicht, den Pfarrherrn der St. Josefskirche (dem aber das Muttergotteshäuschen nicht untersteht) auch über alles zu unterrichten. Und als ich mit meiner Mutter einmal mit dem Putzen der Kirche beschäftigt war, benutzte ich die Gelegenheit, den hochwürdigen Herrn Rektor um eine Unterredung zu bitten. Und er bestellte mich zu einem der folgenden Abende. Angst vor der Wahrheit hatte ich nicht, doch ein Bangen ging durch meine Seele. Wußte ich ja nicht, wie der hochwürdige Herr alles aufnehmen würde. Als ich ihm nun alles erzählt hatte, sprach er von Räubergeschichte usw. Sehr hart hat er mich angegangen und manches harte Wort zu mir gesagt. Doch, um der Wahrheit willen mußte ich alles ertragen, wenn es auch meinem Herzen sehr weh tat. Und mag auch noch manches Schwere kommen, ich gehe nicht davon ab. Denn die Erscheinungen sind wahr und echt; dafür will ich sterben.
Mit einer sehr großen Niedergeschlagenheit bin ich dann zur "Trösterin der Betrübten" gegangen und habe ihr meine Tränen aufgeopfert. Und auf einmal erschien SIE und sagte nur: "LEIDE STILL UND TRAGE DEIN KREUZ." Da wußte ich, daß alles so kommen mußte.

6.1.1950:
Wie es nun der Wunsch und Auftrag der Mutter war, bin ich in den Abendstunden wieder zur Kapelle gegangen. Diese war aber verschlossen. An der Tür der Kapelle hing ein Schild mit der Aufschrift: Vorübergehend geschlossen". Warum man dies getan hatte und wer es getan hat, ich weiß es nicht. Wollte man auch hier das Beten vor dem Gnadenbild verbieten?
Eine große Menschenmenge hatte sich auf dem freien Platz vor der Kapelle eingefunden. Es wurde der Rosenkranz gebetet. Habe mich dann durch die Menge gedrängt bis vor die Türe der Kapelle. Auf einmal kam von ostwärts ein heller Schein bis vor die Kapelle, und in diesem Schein stand dann SIE wieder, die herrliche Gottesmutter. Mit den Worten "Maria" fiel ich auf die Knie. Ihr Gesicht zeigte einen sehr traurigen Ausdruck; ihre Augen gingen über die Menge. SIE sagte dann: "BUSSE, BETET, HALTET DEN FRIEDEN, BETET FÜR DIE PRIESTER. HÖRT DIE STIMME DER KIRCHE, DER ALLES ANVERTRAUT IST." Und SIE segnete dann alle Anwesenden. Zu mir sagte SIE dann noch, dass sie an allen Festen ihres Namens wiederkommen würde. Dann hob sich ihre Gestalt langsam in die Höhe und verschwand. Von den Anwesenden wurde ich dann mit allerhand Fragen bestärmt. Und ich habe, soweit es mir möglich war, auch Auskunft gegeben. Wie gerne wäre ich in die Einsamkeit geflohen, um allein zu sein mit der Erinnerung an Maria, die himmlische Mutter. Und wenn ich auch aus der Menschenmenge manches unschöne Wort hören konnte, so will ich auch dies still und geduldig tragen und will die Gottesmutter bitten, dass all dies in ihren Händen eine Segensquelle für viele werden möge.

7.1.1950:
Und als ich an diesem Samstage zur Kapelle kam, war diese immer noch verschlossen. Einige gläubige Beter waren auch dort und beteten den Rosenkranz. Und auf einmal stand SIE wieder da in ihrer ganzen Herrlichkeit. Wie immer, einige Meter vor der Türe, ca. einen halben Meter über der Erde; ihre Füße halb von Wolken bedeckt. SIE sprach: "DIE KLEINE SCHAR, DIE BEI DIR IST, WILL ICH GANZ BESONDERS SEGNEN. SIE WERDEN VIELES TRAGEN MÜSSEN IM LAUFE DER ZEIT. WENN DIE EREIGNISSE SICH NÄHERN, WERDEN NOCH MEHR MIT DIR DEN WEG DES OPFERS UND DER VEREINSAMUNG GEHEN." Dann forderte SIE wieder zum Gebet auf Mit einem Blick großer Liebe schied SIE dann wieder von uns.
Wenn ich nun auch diese Worte der lieben Gottesmutter ihrem Sinne nach nicht alle verstehen kann, so glaube ich doch, daß einmal die Zeit kommen wird, wo das Volk um Hilfe von oben schreit.

26.1.1950:
Besuch beim hochwürdigen Herrn Dechant.
Viel hatte ich unter mancher Verspottung durch die Menschen zu leiden. Manches böse und gemeine Wort wurde mir nachgerufen; manchen Stein und manchen Schlag mußte ich erdulden. Doch, nichts kann mich irre machen an der Tatsache, daß die himmlische Mutter Maria mir erschienen ist. Mögen auch die Menschen denken, was sie wollen. Ich stehe fest für das Geschaute und sollte es mein Tod sein.
Als ein armseliger Mensch, der doch auch menschlichen Trostes bedarf, bin ich an diesem Tage einmal zum hochw. Herrn Dechant gegangen. Ich hoffte, bei ihm einige Trostworte zu bekommen. Und hatte mich auch nicht getäuscht. Habe ihm die bisherigen Erlebnisse erzählt, so wie ich sie in mich aufgenommen hatte. Alles hörte er sich geduldig an. Dann mußte ich ihm versprechen, der Kirche unbedingten Gehorsam zu leisten; außer dem Besuch der hl. Messe möglichst immer zu Hause zu bleiben und nicht viel unter Menschen zu gehen, um keine Sensationen zu entfachen. Aus den Worten des hochw. Herrn hörte ich ein feines Verstehen. Dann frug ich ihn noch, ob ich am Feste Maria Lichtmeß morgens um sechs Uhr an die Kapelle gehen dürfte. Um 6 1/4 Uhr war die Frühmesse in St. Josef, meiner Pfarrkirche. Er gebot mir, in die Frühmesse zu gehen und recht zur Gottesmutter zu beten. Mir war es nun doch etwas traurig zu Mute. Denn, wenn ich um sechs Uhr an der Kapelle sein sollte, dann konnte ich nicht rechtzeitig in der hl. Messe sein. Habe innig zur lieben Gottesmutter gebetet, damit SIE mir doch einen Ausweg sagen und zeigen möge.

31.1.1950:
Frühmorgens, es war noch sehr dunkel, hörte ich auf einmal eine Stimme: "KOMME ZUR KAPELLE". Bin sofort aufgestanden und ungeachtet der Dunkelheit und ohne Angst zur Kapelle gegangen. Nicht lange habe ich dort gebetet, und SIE erschien wieder wie gewöhnlich. SIE sprach: "KOMME AN MEINEM TAGE NICHT UM SECHS UHR, SONDERN UM HALB SECHS UHR NACH HIER. ICH MÖCHTE DAS OPFER MEINES SOHNES NICHT DURCHKREUZEN." Mit einem so lieblichen Lächeln verschwand SIE dann.

2.2.1950:
Wie freute ich mich auf ihr Kommen an diesem Morgen. Hatte ich IHR doch so vieles zu sagen. Es waren auch schon einige Beter in der Kapelle. Wir beteten zusammen den Rosenkranz. Nicht lange ließ die himmlische Mutter auf sich warten. In ihrer ganzen Schönheit stand SIE wie gewöhnlich an der linken Altarseite. Ihre liebliche Schönheit packte mich ganz gewaltig, und ich konnte mich nicht satt sehen an ihrer überirdischen Schönheit. Meine Seele war ganz hingerissen von ihrem Anblick. Die ganze Welt war für mich entschwunden. SIE sprach: "DIE WELT EILT DEM ABGRUND ENTGEGEN. DURCH EINE SCHAR GROSSMÜTIGER SEELEN, DIE UNTER MEINER LEITUNG KÄMPFEN, WIRD DIESER LAUF NOCH AUFGEHALTEN. WER GERETTET SEIN WILL, FLÜCHTE IN DAS HERZ MEINES SOHNES. DORT WIRD IHM DER STURM NICHTS ANHABEN; ER WIRD NICHT ERSCHÜTTERT WERDEN." Dann gab SIE mir ein Kreuz. Ganz hingerissen davon, bat ich SIE: "Mutter, ich kann nicht mehr; ich leide schwer; hilf mir, Mutter." Meine Armseligkeit zwang mich, ihr dies zu sagen. SIE aber lächelte. Ich bat weiter: "Mutter, zeige ein Wunder, damit alle Menschen doch glauben, daß du hier deine Gnadenströme ausgießen willst." Darauf sagte SIE: "BETE FÜR DIE SÜNDER. IN MEINEM MONAT WERDE ICH DIE MENSCHEN SEGNEN NACH IHREM VERTRAUEN." Dann segnete SIE alle Anwesenden und verschwand.
Mir war so eigenartig zu Mute. Kann es nicht beschreiben. Wußte ich doch ihre Worte nicht zu deuten. Doch das Eine wußte ich nun, daß ihre mütterliche Hilfe immer bei mir sein werde.

21.2.1950:
Ein Drängen zwang mich, schon früh zur Kapelle zu gehen. Nachdem ich einige Zeit gebetet hatte, erschien SIE wieder wie gewöhnlich. Seitlich der lieben Gottesmutter sah ich ein fließendes Etwas, wie ein Wolkengebilde, doch hell. Und aus diesem blickten zwei strenge Augen auf die Erdkugel, die ich unten neben der Gottesmutter sah. In der Erdkugel war eine große Spalte. SIE setzte ihren Fuß auf diese Spalte und sprach zu dem Unsichtbaren: "LASS MIR NOCH ETWAS ZEIT." Ich war wie gebannt; konnte mir dieses Bild nicht erklären. Wollte etwas sagen, doch ich konnte nicht. Meine Stimme war wie gelähmt. Dann öffnete die Gottesmutter ihre bisher gefalteten Hände, wie um etwas aufzunehmen. Und von der dunklen Erde wurden zwei Hände sichtbar, welche eine Patene hielten mit der Hl. Hostie. Was sollte dieses Bild sagen? Ich weiß es nicht. Nachdem ich nun das Bild so ganz in mich aufgenommen hatte, verschwand alles wieder.
Ganz gefangen war ich aber von dem Geschauten. Möge der liebe Gott es den Verantwortlichen deuten und möge ER durch seine Liebe und Güte alles so machen, dass noch recht viele Seelen gerettet werden.

25.3.1950:
Von meinem Beichtvater war mir verboten worden, am Feste Maria Verkündigung morgens zur Kapelle zu gehen. Dieses Verbot traf mich sehr schwer. Hatte ich doch ein Sehnen zu meiner himmlischen Mutter und wußte ich ja auch, daß SIE an diesem Morgen mir erscheinen würde. Aber der Gehorsam zur Kirche war nun auch strenge Pflicht, und dieser durfte ich mich nicht entziehen, obgleich es mir ja furchtbar schwer war. Die Tränen standen mir näher als alles andere. Aber ich mußte gehorchen. Der Wille der Kirche ist der Wille Gottes. Kaum konnte ich in der Nacht vorher beten. Meine Seele war dauernd auf das Wiedersehen mit der himmlischen Mutter gerichtet. Und auf einmal, mitten in der Nacht, erhellt sich das Zimmer und SIE stand da, in Haltung und Kleidung wie gewöhnlich. SIE lächelte und sagte dann: "MIR SIND KEINE SCHRANKEN GESETZT." Ich bat SIE dann, es dem Priester doch nicht anzurechnen, daß er das Verbot gegeben habe, nicht zur Kapelle zu gehen. SIE lächelte verständnisvoll und sagte dann: "VOM KYRIOS WIRD VIEL GESPROCHEN; ABER MAN LIEBT IHN NICHT." Dieses Wort hatte ich nun noch nie gehört und wußte nicht, was es bedeuten sollte. Doch, ich will mich in alles ergeben, was der liebe Gott und seine heilige Mutter von mir wollen, auch wenn ich etwas nicht verstehe. Dann sprach SIE weiter: "DIE TODESKRANKHEIT, WELCHE DU IN DIR TRÄGST, WIRD EIN ZEICHEN SEIN." Damit hatte die Himmelsmutter mir etwas gesagt, was mich ja eigentlich betrüben mußte. Doch im Gegenteil, ich fühlte etwas Freudiges in mir. Durfte ich doch Opfergabe sein, Opfergabe bis zur gänzlichen Vernichtung meines Seins. Ich fühlte, daß vor mir ein Berg liegt, durch den ich hindurch muß. Doch, in allem geschehe der Wille Gottes.

16.4.1950:
Nach Mitternacht dieser Nacht sah ich den Kardinal Mindszenty in vollem Bischofsornat in einem hellen Schein. Er sprach zu mir: "Ich leide für Ungarn; du aber leidest für Deutschland." Sein Aussehen war das eines Toten, so bleich und abgemagert. Nach diesen Worten verschwand die Erscheinung.

26.4.1950:
Nicht lange hat die Krankheit auf sich warten lassen. Furchtbare Schmerzen durchzogen meinen ganzen schwachen Körper, oft bis zur Bewußtlosigkeit. Ich war nicht imstande, auch nur ein wenig zu beten, überhaupt zu denken. Ergab mich ganz in den Willen des Herrn. Mochte ER mit mir nach seinem Willen handeln; ich will alles aus seiner Vaterhand annehmen. Am Gründonnerstag war mein Beichtvater bei mir und ich durfte meine arme Seele nochmals im hl. Bußsakrament reinigen. Danach frug mich der Beichtvater nochmals nach den Geschehnissen. Ich sagte ihm: "Herr Kaplan, ich darf dem Heiland meine Seele zurückgeben; ich habe Sie nie und in keinem Falle belogen; ich durfte meine himmlische Mutter sehen." Nachmittags hatte ich dann das hohe Glück, den göttlichen Heiland empfangen zu dürfen. O, wie wohl war mir nun; den ganzen Tag hatte ich mich nach dieser Glücksstunde gesehnt.
Am Feste Maria vom Guten Rat waren morgens um sechs Uhr in meinem Zimmer neun Personen anwesend. Wir beteten den Rosenkranz. Plötzlich stand die liebe Gottesmutter im Zimmer, von einem hellen Strahlenkranz umgeben. Ihre Augen waren mit einem wehmütigen Blick zum Himmel gerichtet; ihr Gesicht war sehr blass und wie in Schmerz verzerrt. Aus ihren Augen flossen Tränen. SIE sagte: "SAGE ES DER DURCH DIE SÜNDE GEBRANDMARKTEN WELT: BEKEHRET EUCH, BETET UND TUET BUSSE. DAS FURCHTBARSTE WIRD KOMMEN; ABER DAS ZEICHEN WIRD DEN STERN SCHLAGEN." Dann ließ SIE mich Bilder aus dem Osten sehen, die furchtbar waren. Dämonische Kräfte wüten mit aller Bosheit gegen Priester und Gläubige. Ich sah geschlossene und zerstörte Kirchen, gemeine Verunehrungen des Allerheiligsten Altarssakramentes, zerschlagene Kreuze, gemarterte und getötete Priester. Ich sah gewaltige Feuersäulen gegen den Westen ziehen. Zwei zogen direkt gegen den Westen und eine zog auf Rom zu, um den Hl. Vater auf dem Thron Petri zu vernichten. Dauernd flossen Tränen aus den Augen der lieben Gottesmutter. Dann sagte SIE noch: "DIE MENSCHHEIT SOLL AUF ROM UND DIE KIRCHE HÖREN. ICH KANN DAS STRAFGERICHT NICHT MEHR AUFHALTEN; ABER TROTZDEM WERDE ICH ES VERSUCHEN. MEINE SEGNUNGEN, HEILUNGEN UND STÄRKUNGEN WERDE ICH DEM VOLKE NICHT ENTZIEHEN. AUCH WERDE ICH MEIN ERSCHEINEN NICHT EINSTELLEN UND AN MEINEM FESTE WIEDERKOMMEN." Alle Anliegen, die ich IHR vortrug, reichte SIE mit ausgebreiteten Händen nach oben.
Dann lehrte SIE mich noch folgendes Gebet:
O GEIST DER WAHRHEIT, LEITE UNSER VOLK AB VON ALLEM IRRTUM DES GLAUBENS.
O GEIST DER WAHRHEIT, REINIGE UNSER VOLK VON ALLER SÜNDE UND HILF UNS GEGEN DIE NACHSTELLUNGEN DES SATANS.
O GEIST DER WAHRHEIT, SCHENKE UNSEREM VOLKE EINE TIEFE LIEBE ZU DEINEM GÖTTLICHEN SOHNE.
IN VEREINIGUNG MIT MARIA, UNSERER GNADENVERMITTLERIN, RETTE UND BEWAHRE UNS VOR DEM ABGRUND DER HÖLLE.
Dann segnete SIE alle Anwesenden und verschwand.

12.5.1950:
Es war gegen ein Uhr nachts. Da ich nicht schlafen konnte, betete ich so still für mich. Auf einmal war das Zimmer hell erleuchtet und SIE stand neben meinem Bette. SIE nahm mich bei der Hand und sagte:
"VON NUN AN WIRST DU DEN KYRIOS IN DER KIRCHE EMPFANGEN ZUR SÜHNE FÜR DIE PRIESTER. MEIN REICH WIRD SICH WEITEN." Dann verschwand SIE.

31.5.1950:
Schon sehr früh (gegen fünf Uhr morgens) hatten sich viele Pilger an der Kapelle eingefunden. Es wurde der Rosenkranz gebetet und Marienlieder gesungen. Bis gegen sechs Uhr waren ca. 500 Pilger anwesend, davon die meisten von auswärts. (Düsseldorf, Krefeld, Mönchen-Gladbach und Rheydt) Ausserhalb der Kapelle (vor der Tür der alten Kapelle) war ein schöner Altar aufgestellt worden, an dem um sechs Uhr der hochw. Herr Rektor das hl. Meßopfer darbrachte. Bei der Opferung sah ich die liebe Gottesmutter an der Seite des Priesters, wie SIE mit aufgehobenen Händen gleichsam mitopferte. SIE blieb dauernd an der Seite des Priesters. Bei der hl. Wandlung stand SIE mit gefalteten Händen wie verklärt. Es schien mir, als wenn die liebe Gottesmutter dem Priester etwas sagte. Bei der hl. Kommunion hielt SIE die Hände leicht ausgestreckt, die Handflächen nach unten. Von dem hochw. Herrn Rektor und dem hochw. Herrn Kaplan wurden mehr als 250 hl. Kommunionen an die im Gras knieenden Pilger ausgeteilt. Zu mir sagte SIE dann: "WENN IMMER SO GEBETET WIRD, DANN IST ES GUT." Am Schluß der hl. Messe segnete SIE dann mit dem Priester und verschwand dann.

2.7.1950:
An diesem schönen Muttergottesfeste war ich schon früh an der Kapelle. Morgens um sechs Uhr. Die Türe war noch verschlossen. Ich betete und trug der lieben Gottesmutter alle Anliegen vor, die man mir aufgetragen hatte. Plötzlich wieder das helle Licht, und in diesem stand SIE, die Herrliche, in Haltung und Kleid wie gewöhnlich. SIE lächelte und sagte dann: "HABE KEINE ANGST; ICH BIN BEI DIR." Nachdem SIE mich gesegnet hatte, verschwand SIE.

15.8.1950:
Kurz vor vier Uhr morgens wurde ich durch eine innere Stimme geweckt und aufgefordert, sofort zur Kapelle zu kommen. Diese war noch verschlossen. Nach einem kurzen Gebet stand SIE plötzlich wieder da (drei Schritte vor der Kapelle). Die Hände hielt SIE gefaltet; ihr Blick war zum Himmel gerichtet. SIE sprach: "ERFÜLLE DEN BEFEHL UND WILLEN DES HERRN; MEHR BRAUCHST DU NICHT." Dann ging SIE zur neuen, durch den Krieg zerstörten Kapelle. Auf den Stufen vor dem Eingang stehend, segnete Sie und sagte: "ICH WERDE SEHR VIELE BETER HIER SEHEN; MEIN WUNSCH WIRD IN ERFÜLLUNG GEHEN." (siehe 24.12.1949) Dann wandte SIE sich zur Stadt mit weit ausgebreiteten Armen. Die Handflächen waren nach unten gerichtet. Mit einem ganz milden und feinen Ausdruck segnete SIE dann die Stadt. Ganz deutlich sah ich ein Wolkengebilde, auf dem SIE stand. SIE gab mir dann noch einen Auftrag für den geistlichen Herrn, dem diese Stelle hier unterstellt ist. (Oberpfarrer). Mit den Worten: "ICH SEGNE ALLE, DIE AN DEM OPFER MEINES SOHNES TEILNEHMEN" verschwand SIE dann.
Um acht Uhr wurde vor der alten Kapelle wieder das heilige Meßopfer dargebracht, bei dem einige Hundert Gläubige zugegen waren. Viele hl. Kommunionen wurden dabei ausgeteilt.
Eigenartig ist auch, daß die liebe Gottesmutter immer vor der alten Kapelle an die Stelle steht, wo nachher der Altar steht.

7.10.1950:
Gegen vier Uhr morgens wurde ich durch einen inneren Antrieb wieder geweckt und fühlte einen heftigen Drang, zur Kapelle zu gehen. Kurz nach fünf Uhr war ich dort; die Türe war noch verschlossen. Nachdem ich wieder kurze Zeit gebetet hatte, stand SIE wieder vor mir, ca. einen Meter über der Erde und Wolken unter ihren Füßen. Ihr Gesicht war sehr jugendlich; um ihr Haupt war eine Krone von zwölf Sternen (heute sah ich dies zum ersten Mal). Die ganze Gestalt war von einem Lichterglanz umgeben, den unzählige Engel umschwebten.
Ich bat SIE um ein Zeichen, damit die Menschen hier doch mehr glauben sollten. Darauf sagte SIE: "NICHT BLUMEN UND QUELLEN WERDE ICH HIER ENTSPRIESSEN LASSEN; ICH WERDE DIE STÄTTE UND DIE MENSCHEN SEGNEN UND STÄRKEN, DIE MEIN ANTLITZ HIER GESEHEN." Dann segnete SIE die Stelle, wo SIE stand und sagte: "TERRA SANCTA MARIA". Dabei hielt SIE die Handflächen nach unten. Alle mir empfohlenen Anliegen gab ich IHR hin. SIE nahm mir dieselben gleichsam aus der Hand, und mit zum Himmel erhobenen Augen und Händen reichte SIE diese nach oben.
Auf meine Frage, ob Heroldsbach echt sei, sagte SIE: "JA, MEIN KIND." (Diese Frage war mir von einem ausländischen Geistlichen aufgetragen worden.)
Nachdem SIE dann in Richtung der Stadt gesegnet hatte, verschwand SIE, gleichsam wie von Wolken getragen.

8.12.1950:
In dieser Nacht (der Nacht des Gebetes, wie sie der Hl. Vater gewünscht hatte) beteten wir in meinem Zimmer zu mehreren Gleichgesinnten den Rosenkranz. Plötzlich, es war so gegen vier Uhr, stand die liebe Gottesmutter wieder bei mir am Bett. Ihre Füße waren durch Wolken verdeckt; die Hände hielt SIE gefaltet; ihr Gesicht schien mir traurig. SIE sprach nur die Worte: "MEIN SOHN KOMMT BALD." Dann verschwand SIE.
Bei der hl. Messe nachher in der St. Josefskirche vor der Opferung sah ich zuerst einen hellen Schein und dann in diesem die himmlische Mutter. SIE opferte mit dem Priester und blieb während des hl. Messopfers dauernd am Altare. Am Schluß der hl. Messe segnete SIE mit dem Priester die Gläubigen. Dann sagte SIE: "MEINE MÜTTERLICHE LIEBE WIRD EUCH NIE VERLASSEN. BETET NUR, BETET GUT, BESTÜRMT DEN HIMMEL; DENN DIE ZEIT IST DA." Dann legte SIE ihr Gesicht in ihre Hände und weinte bitterlich. Nach kurzer Zeit erhob SIE ihr Gesicht und weinte nicht mehr. Dann verschwand SIE. Meine Seele wußte um all die Dinge, die da kommen sollen und ich konnte die Tränen der lieben Gottesmutter wohl verstehen.

17.12.1950:
Morgens während der hl. Messe in der St. Josefskirche. Kurz vor der hl. Kommunion sah ich an der Evangelienseite den göttlichen Heiland in seiner Leidensgestalt stehen. Den roten Mantel umhängend, in der Hand ein langes Rohr und auf seinem Haupte die Dornenkrone. Die Gesichtszüge waren furchtbar leidverzerrt. Ich war kaum im Stande, die hl. Kommunion zu empfangen. Nach der hl. Kommunion war die Erscheinung verschwunden.
Diese Erscheinung hatte mich furchtbar gepackt, und ich konnte nur mit Hilfe Anderer an meinen Platz gelangen. (Was diese Erscheinung bedeuten sollte, ich weiß es nicht. Vielleicht waren Unwürdige an der Kommunionbank.)

24.12.1950:
Kurz nach Mittag ging ich mit einer Bekannten (welche lange nicht mehr zu den hl. Sakramenten gegangen war) in das Eucharistinerkloster in Düren zu einer kurzen Anbetung. Mein innigster Wunsch war, daß diese liebe Bekannte (ein Mädchen von 24 Jahren) doch wieder mit dem lieben Gott ausgesöhnt würde. Göttliche Fügung führte mir auch einen Pater zu, dem ich dieses Anliegen und die Bitte, hier doch zu helfen, vortrug. Ein Strahl Gottes muß es wohl vom Tabernakel her getroffen haben. Während das Mädchen nun im Beichtstuhl kniete, sah ich plötzlich an der Evangelienseite neben den Stufen des Altares die liebe Gottesmutter auf Wolken stehen. Die Hände gefaltet, den Blick auf mich gerichtet, sagte SIE: "DU HAST MIR HEUTE EINE GROSSE FREUDE BEREITET; EINE KLOSTERFRAU KEHRT ZUM HERZEN GOTTES ZURÜCK UND NIE MEHR WIRD SIE VON IHM GEHEN. BETET, BETET, BETET FÜR DIE BEKEHRUNG DER SÜNDER IN DIESER GNADENZEIT. VIELE SEELEN GEHEN VERLOREN; BETET, BETET UND BEKEHRT EUCH ZU GOTT." Dann verschwand SIE. Als das Mädchen nachher mit einem überglücklichen Gesicht aus dem Beichtstuhl kam, wußte ich die Worte der lieben Gottesmutter wohl zu deuten.

25.12.1950:
In der Mette um 5.30 Uhr in der St. Josefskirche. Bei der Krippenfeier zog die hochw. Geistlichkeit mit den Meßdienern voran durch den Mittelgang zur Krippe. Vor der Geistlichkeit sah ich die liebe Gottesmutter gehen. SIE hatte die Unterarme übereinander geschlagen, und es schien mir, als wenn SIE etwas auf ihren Armen getragen hätte. Hände und Arme waren verdeckt durch den darüber geschlagenen Mantel. Der Blick war gesenkt. SIE ging mit bis zur Krippe. Dann sah ich nichts mehr.
Bei dem nun folgenden Meßopfer stand nach dem Credo auf einmal die himmlische Mutter an der Evangelienseite neben den Stufen desAltars. Als der Priester die Patene erhob, fiel der bisher vorne zusammengehaltene Mantel zurück. Auf den Armen der Gottesmutter lag das Jesuskind; der Kopf des Kindes auf dem etwas erhöhten linken Arm. Das Jesuskind hielt die Ärmchen etwas auseinander. Der Blick des Kindes war auf die Gläubigen gerichtet. Das Gesicht war so lieblich, daß ich es nicht beschreiben kann. In dieser Haltung mit dem Kinde auf dem Arm blieb SIE stehen bis zur Kommunion des Priesters. Dann hob SIE das Kind ein wenig in die Höhe und sagte: "DAS IST DER LOSKAUF DER PRIESTERSEELEN."
Als ich nachher an der Kommunionbank kniete, sagte mir eine innere Stimme (es war die Stimme eines Kindes) folgendes: "GEHE DU DEN WEG DER KLEINSTEN, DIE NICHTS MEHR WOLLEN, ALS NUR DAS "JA" ZU ALLEM. WENN MENSCHEN DICH LIEBLOS BEHANDELN, SAGE EIN VOLLES "JA" DAZU. ICH WÜNSCHE EINEN GEBETSSTURM IN DER NEUJAHRSNACHT FÜR DEN FRIEDEN, DER MIT EINEM HL. MESSOPFER VERBUNDEN IST. ICH HABE ES BEREITS MEINEM STELLVERTRETER KUNDGETAN. ES SOLL EINE AUSSERGEWÖHNLICHE GEBETS- UND STURMNACHT SEIN. JUBEL UND TRUBEL SOLL IN DIESER NACHT SCHWEIGEN. HOFFENTLICH WERDEN DIE STAATSMÄNNER ES ERKENNEN, WIE UND WODURCH DER FRIEDE ERFLEHT WERDEN KANN."
Von dem Geschauten und Gehörten war ich so gepackt, daß ich nicht weiß, wie ich an meinen Platz zurückgekommen bin.

31.12.1950:
In der Neujahrsnacht war um 24 Uhr in dem Eucharistinerkloster in Düren eine hl. Messe, an der ich auch teilnahm. Während des Credos bei den Worten: Ich glaube an eine heilige, katholische Kirche" erschien die himmlische Mutter. SIE stand, wie immer, an der Evangelienseite neben den Altarstufen. Als der Priester zur Opferung die Patene erhob, hielt die liebe Gottesmutter auch ihre nach oben geöffneten Hände ebenfalls in die Höhe (bis ungefähr in Schulterhöhe). Ich hatte ihr vorher alle Anliegen, die man mir aufgetragen hatte, gesagt. Ihr Blick war dauernd auf den Altar gerichtet. SIE sagte: "ICH WERDE DIE ANLIEGEN MEINES VOLKES MIT REICHEN GNADEN SEGNEN." Dann wandte SIE sich den Gläubigen zu und blieb mit gefalteten Händen, das Haupt ein wenig geneigt, in dieser Haltung bis zur Wandlung stehen. Vor der Präfation sagte SIE: "BETET DEN HL. ROSENKRANZ, BETET IHN GUT. IN KURZER ZEIT WERDE ICH DER MENSCHHEIT MEINE MÜTTERLICHE LIEBE ZEIGEN. BLEIBT IN MEINER LIEBE. ICH BIN JA DIE MUTTER DES HERRN." Bei der hl. Wandlung stand SIE mit gefalteten, erhobenen Händen zum Altare hin; ihre Augen waren auf die hl. Handlung des Priesters gerichtet. Um SIE herum war ein Lichtkranz in den Regenbogenfarben. Nach der hl. Wandlung verschwand dieser Lichtkranz und SIE stand wieder in der gewöhnlichen Haltung. Ihr Blick blieb auf den Altar gerichtet. Vor dem Paternoster wandte SIE sich den Gläubigen zu und sagte: "DAS REICH MEINES SOHNES WIRD BALD KOMMEN. ICH WERDE DIE STÄTTE AN MICH ZIEHEN, DIE ICH GESEGNET HABE." Während der Priester den Gläubigen die hl. Kommunion reichte, war ihr Blick auf jeden einzelnen gerichtet. Zu mir sagte SIE: "BETET, BETET, BETET; ES WERDEN VIELE SEELEN GERETTET WERDEN, DIE SONST VERLOREN GINGEN." Als ich an meinem Platz kniete sagte SIE: "MEIN MARIANISCHES REICH WIRD SICH BALD AUSBREITEN. DER HL. VATER WIRD NOCH VIEL ZU LEIDEN HABEN. IHR VÖLKER HÖRT AUF IHN, UND DER FRIEDE IST EUCH." Nach der Kommunion der Gläubigen wandte SIE sich wieder dem Altare zu, die Hände gefaltet. In dieser Haltung blieb SIE stehen bis zum Segen mit dem Allerheiligsten. Bevor der Priester das Allerheiligste zum Segen erhob, kniete auch SIE nieder. SIE wandte den Blick kurz zu mir und sagte: "ICH BIN JA DIE MUTTER DES HERRN." Ihr Gesicht hatte dabei einen ganz eigenartigen, mütterlichen, liebumfassenden Ausdruck. Als der Priester nun das Allerheiligste zum Segen erhob, sah ich in der hl. Hostie das Jesuskind, sitzend, in einem schneeweißen Kleide, die rechte Hand (drei Finger) zum Segen erhoben. Genau wie der Priester mit dem Allerheiligsten segnete, so segnete auch das Jesuskind. Als nun der Priester sich mit dem Allerheiligsten wieder dem Altare zuwandte, war das Jesuskind verschwunden. Zugleich erhob sich auch die liebe Gottesmutter aus der knieenden Stellung und verschwand auch.

6.1.1951:
Morgens beim hl. Messopfer in der St. Josefskirche um acht Uhr (feierliches Hochamt) beim Gloria erschien die liebe Gottesmutter wieder an der gewöhnlichen Stelle (Evangelienseite, über den Stufen schwebend). SIE segnete zuerst die drei Priester, dann die Gläubigen. Bei der Opferung sagte Sie: "DU WIRST EIN SCHAUSPIEL WERDEN; ABER IN MEINEM SOHNE. HABE KEINE ANGST; ICH WILL DIR HELFEN, ALLES ZU TRAGEN. LEGE DEINE FEHLER AB; DER HEILAND WILL ES SO, UND TUE SEINEN HL. WILLEN. DIES IST DAS ERLÖSUNGSWERK MEINES SOHNES. HILF MIR, DAMIT SEELEN RETTEN." Dann sprach SIE etwas vom Kostbaren Blute, was ich aber nicht recht verstanden habe. Während des hl. Meßopfers blieb SIE in einer demütigen Haltung stehen. Nach dem letzten Segen verschwand SIE dann.

2.2.1951:
Durch eine bekannte Familie, deren Pflegesohn an diesem Tage im Kölner Dom zum Priester geweiht wurde, hatte ich Gelegenheit erhalten, dieser Feier beizuwohnen. Eine solche Feier hatte ich noch nie erlebt, und es war mir eine sehr große Freude, auch einmal einer solchen Feier beizuwohnen. Als nun bei der hl. Weihehandlung die Neupriester in Demut zu den Füßen des Altares lagen, sah ich auf einmal die liebe Gottesmutter an der Evangelienseite neben den Stufen des Hochaltares stehen. SIE hielt ihren blauen Mantel weit ausgebreitet, als wenn Sie damit die Neupriester decken wollte. SIE sprach: "DIESE PRIESTER HABE ICH MIR ERWÄHLT FÜR MEIN MARIANISCHES REICH, WELCHES DEM REICH MEINES SOHNES ÜBERGEBEN WIRD." Ich sah über den jungen Priestern sehr viel Licht. Dies sollte sie stark machen in allem. Wie armselig und klein kam ich mir vor, als ich diese überirdische Helle sah. Als nun der hochw. Herr Erzbischof mit den Neupriestern die Opfergaben darbrachte, sah ich einen roten Strahl aus der Höhe, der auf Hostie und Kelch niederging. Die Gottesmutter wandte sich wieder den Neupriestern zu. In ihren Händen hielt sie den Kelch, aus dem rote Tropfen auf das Haupt eines jeden Neupriesters fielen. Darauf wandte SIE sich wieder zum Altare bis zur hl. Wandlung. Kurz vor der hl. Wandlung sprach SIE: "SO WIE DIESE WORTE GEBUNDEN SIND IM HIMMEL UND AUF ERDEN, SO BINDET MEIN SOHN DAS PRIESTERTUM AN SEIN ERLÖSUNGSWERK, AN DAS EWIGE WORT DES VATERS." Dann sagte SIE noch einige Worte, die ich wie folgt verstanden habe: "ET REVELASTI PARVULIS". (Was diese Worte bedeuten, ich weiß es nicht.) Bei der hl. Wandlung hob SIE ihre gefalteten Hände in die Höhe. Als kurz vor der hl. Kommunion die Neupriester in die Hände des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs den Treueschwur ablegten, legte auch die liebe Gottesmutter ihre Hände auf das Haupt eines jeden Neupriesters. Dadurch wollte SIE wohl ihre tiefe Liebe zum Priestertum zeigen. Beim letzten Segen strahlte nochmals ihre ganze Gestalt, und SIE segnete mit dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof die neuen Priester und das ganze Volk. Dann verschwand SIE. Wie diese herrliche Feier meine Seele gepackt hat, ich kann es nicht beschreiben.

25.3.1951:
Ostermorgen. Beim hl. Meßopfer erschien während des Glorias die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich an der Evangelienseite neben den Stufen des Altares. SIE sprach die bedeutungsvollen Worte: "UNTER DIESEM PONTIFIKAT DES HL. VATERS WIRD DER WELT EIN DRITTES DOGMA VERKÜNDET WERDEN, VERMITTLERIN ALLER GNADEN." Weiter sagte SIE dann: "ICH KOMME, UM DEN FRIEDEN IN DEN MENSCHENHERZEN ZU ERBITTEN. HÖRT AUF DIE STIMME DER KIRCHE; VERSCHLIESST EUCH NICHT. SCHART EUCH UM DAS HL. OPFER, DAMIT DURCH DAS KOSTBARE BLUT MEINES SOHNES NOCH VIELE SEELEN GERETTET WERDEN. TUET BUSSE; DER HIMMEL IST EUCH NAHE. BETET UND TUET BUSSE." Während des hl. Meßopfers blieb SIE in der anbetenden Haltung, den Blick auf das Tabernakel gerichtet, stehen. Beim letzten Segen segnete SIE mit dem Priester. Dann verschwand SIE.

1.4.1951:
Bei der hl. Messe erschien die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich. SIE bat mich, alle Leiden auf mich zu nehmen, die ihr göttlicher Sohn mir schicken würde. Weiter sagte SIE: "NIMM TEIL AN DEN PFARRPROZESSIONEN. ICH SELBST WERDE MEINEN EUCHARISTISCHEN SOHN BEGLEITEN. HIMMEL UND ERDE WERDEN SINGEN." Beim letzten Segen segnete SIE mit dem Priester und verschwand.

26.4.1951:
Beim hl. Meßopfer erschien die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich. Zu mir sagte SIE: "BLEIBE STARK IN ALLEN ÄUSSEREN LEIDEN UND PRÜFUNGEN. VIELE WERDEN KOMMEN. TRAGE ALLES IN GEDULD; NIMM ALLES SCHWERE AUF DICH. LIEBE MEINEN SOHN. IN MEINEM MONAT WERDE ICH VIELE GNADEN AUSTEILEN; JEDEN TAG WERDE ICH KOMMEN. ERFÜLLE DEN WILLEN UND BEFEHL DES HERRN." Während des hl. Meßopfers blieb SIE, wie immer, in anbetender Haltung stehen. Beim Segen des Priesters segnete auch SIE mit und verschwand dann.

1.5.1951:
Morgens kurz vor sechs Uhr war ich in der Kapelle. Nachdem ich ein kurzes Gebet verrichtet, stand SIE auf einmal wieder da, an der linken Seite. Im weißen Kleid mit goldenem Gürtel, ohne Schleier, die Hände gefaltet und den Blick nach oben gerichtet. Dann wandte SIE sich mir zu, lächelte und sagte: "JEDEN TAG IN DIESEM MONAT WERDE ICH BEIM HL. MESSOPFER KOMMEN UND WERDE DORT REICHE GNADEN AUSTEILEN ZUR ERLÖSUNG DER MENSCHHEIT. BEI ALLEN PROZESSIONEN GEHE AUCH DU MIT. ICH WERDE EUCH BEGLEITEN. BETET UND TUET BUSSE FÜR DIE GESUNKENE MENSCHHEIT." Dann verschwand SIE.

2.5.1951:
Bei der hl. Messe erschien SIE wieder beim Credo. SIE opferte mit dem Priester, indem SIE ihre Hände unter Patene und Kelch hielt. Bei der hl. Wandlung stand SIE wie verklärt mit gefalteten Händen neben dem Priester. SIE blieb in dieser Haltung bis zur hl. Kommunion. Bei den Absolutionsworten des Priesters wandte SIE sich zum Volke und segnete. Als der Priester die Worte sagte "Ecce Agnus Dei", sah ich um die heilige Hostie sieben goldene Ringe, einer immer größer als der andere. Zwei kleine Engel schritten mit dem Priester zur Kommunionbank. Die liebe Gottesmutter blieb am Altare stehen und segnete jeden, der die hl. Kommunion empfing. Die beiden Engel blieben neben dem Priester, bis er wieder am Altare stand. Dann verschwanden sie. Beim letzten Segen des Priesters segnete die liebe Gottesmutter mit und verschwand dann.

3.5.1951:
Morgens um sechs Uhr waren schon viele Beter in der Kapelle. Um acht Uhr ging ich zur hl. Messe. Beim Credo erschien wieder die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich. In ihren Händen hielt SIE ein Band, auf dem die Worte standen: "GLAUBET AN EINEN GOTT, UND DER FRIEDE IST EUCH." Zu mir sagte SIE dann: "BETET UND KEHRET UM." Bei der hl. Opferung opferte SIE wieder mit dem Priester. Als der Priester sich zum Volke wandte mit den Worten: "Orate, Fratres", sagte SIE: "SCHENK DU MIR DEN LOSKAUF DER PRIESTERSEELEN." Bei der hl. Wandlung stand SIE, wie auch sonst, mit gefaltenen Händen neben dem Priester. Um ihre Hände legten sich zwei schöne, weiße Hände. Diese beiden Hände sah ich, bis der Priester das "Pater noster" sprach. Dann lösten sich diese Hände und wurden zu einer Opferschale (nebeneinander, nach oben geöffnet). Auf einmal waren diese Hände dann verschwunden. Bei der hl. Kommunion gingen wieder zwei Engel mit dem Priester zur Kommunionbank. Und genau so, wie am Tage vorher, gingen die beiden Engel mit von einem zum andern. Die liebe Muttergottes segnete wieder jeden einzelnen. Beim letzten Segen des Priesters segnete auch SIE wieder mit und war dann verschwunden.

4. und 5.5.1951:
An diesen beiden Tagen sah ich wieder die Engel, die mit dem Priester zur Kommunionbank gingen. Die liebe Gottesmutter erschien erst kurz vor dem letzten Segen. SIE sagte heute nichts, segnete mit dem Priester und verschwand.

6.5.1951:
(Pfarrprozession) Beim Auszug der Prozession, als das Allerheiligste vom Altare getragen wurde, erschien die liebe Gottesmutter. SIE schwebte vor dem Allerheiligsten (ca. 1/2 m über der Erde). Das weiße Kleid reichte bis auf die Füße, die auf einer kleinen Wolke standen; ein breiter, goldener Gürtel umschloß das Kleid; auf ihrem Haupte sah ich eine zwölfzackige Krone, diademähnlich, auf jedem Zacken einen kleinen Stern; ihr langes, volles Haar hing bis in Kniehöhe herab. In den gefaltenen Händen hielt SIE einen Rosenkranz. In dieser Haltung blieb SIE bis zum ersten Altar. Beim Segen hielt SIE mit dem Priester die Monstranz (der Rosenkranz hing in ihrem rechten Arm). Nach dem Segen ging SIE in der vorbeschriebenen Haltung wieder mit bis zum zweiten Altar. Auch dort segnete SIE wieder mit dem Priester. Nach dem Segen sagte SIE: "BETET FÜR PRIESTER UND VOLK. MEIN SOHN WIRD KOMMEN, UM DIE MENSCHHEIT ZU RICHTEN. HABT VERTRAUEN; ICH BIN EURE FÜRSPRECHERIN." Auch am dritten Altar gab SIE wieder mit dem Priester den Segen. Beim letzten Segen in der St. Josefskirche sah ich eine große Schar Engel und Heilige um die Gottesmutter schweben. Unter diesen Heiligen erkannte ich die hl. Agnes, die hl. Lucia und den sel. Hermann Josef. Um SIE selbst sah ich einen sehr hellen, großen Strahlenkranz. SIE segnete wieder mit dem Priester. Nach dem Segen sagte SIE: "AM PFINGSTFESTE BRINGE ICH DEN HL. JOSEF MIT." Der Strahlenkranz verschwand langsam und mit diesem SIE dann auch.

7.5. bis 12.5.1951:
In dieser Woche war die liebe Muttergottes bei jeder hl. Messe zugegen. SIE erschien immer beim Credo und blieb bis zum Schluß. Mit dem Priester gab SIE dann auch den Segen und verschwand dann. Auch waren bei der Austeilung der hl. Kommunion immer wieder die beiden Engel bei dem Priester.

13.5.1951:
In der Frühmesse, bei der ich die hl. Kommunion empfing, war keine Erscheinung der Gottesmutter. Aber beim Festhochamt, um halb elf kurz vor dem Credo, erschien SIE wieder, wie gewöhnlich an der Evangelienseite, im weißen Kleide, die Hände gefalten, den Blick zum Altare gerichtet. Bei Beginn des Credos erschien an der Epistelseite der hl. Josef Er stand in gleicher Höhe wie die liebe Gottesmutter, trug ein langes, braunes Gewand, mit einem derben Strick umgürtet; Sandalen an den Füßen, einen kurzen Bart. Die Hände hielt er ineinander geschlungen; seine Augen waren auf den Altar gerichtet. Sein Alter schien mir 30 – 35 Jahre. In halber Höhe der Kirche sah ich eine weiße Taube, die ein Band im Schnabel trug, welches glatt herunter hing. Auf diesem Band standen die Worte: "ICH GLAUBE AN GOTT DEN VATER." Dann trat die liebe Gottesmutter und der hl. Josef in die Mitte des Altars vor der untersten Stufe zusammen. Sie legten beide ihre rechte Hand zusammen. Dann las ich auf dem Band die Worte: "SIE WIRD EINEN SOHN GEBÄREN UND WIRD BLEIBEN DIE MAKELLOSE." Nach dem Credo lösten sich ihre Hände und beide gingen wieder an ihren Platz zurück. Bei der hl. Opferung trat der hl. Josef ein wenig zur Seite neben den Altar, den Kopf gesenkt, in Anbetung versunken. Die liebe Gottesmutter stand mit gefaltenen Händen, den Blick auf die hl. Handlung gerichtet. Bei der hl. Wandlung trat SIE neben den Priester und hielt mit ihm die hl. Hostie und den Kelch in die Höhe. Der hl. Josef kniete währenddem, das rechte Knie auf der Erde und die Hände über das linke Knie verschlungen. Nach der hl. Wandlung sagte die liebe Gottesmutter zu mir: "DIESE GEMEINDE WILL ICH HEILIGEN, WENN DAS VOLK NUR GUTEN WILLEN ZEIGT." Vor dem Paternoster segnete SIE zuerst die drei Priester (jeden einzeln) und dann die Gläubigen. Bei dem Friedenskuss legte SIE jedesmal beide Arme um die Priester. Bei der hl. Kommunion (es waren nur wenige) gingen wieder die beiden Engel mit dem Priester zur Kommunionbank. Beim letzten Segen segnete auch SIE wieder mit dem Priester und verschwand dann. Zugleich war auch der hl. Josef nicht mehr zu sehen.
Niemals werde ich dieses wunderbare Miterleben der Vermählung der lieben Gottesmutter mit dem hl. Josef vergessen. Immer schweben mir diese beiden heiligen Gestalten vor Augen. Etwas so Rührendes, Heiliges ging ja von ihnen aus.

14.5.1951:
Pfingstmontag. Während des Hochamtes um halb elf Uhr beim Credo erschien wieder die liebe Gottesmutter. SIE stand wie gewöhnlich an der Evangelienseite. Heute hatte SIE einen blauen Mantel umgehängt; vorne war aber das weiße Kleid sichtbar. Die Hände hielt SIE gefalten; ihr Blick war immer auf den Altar gerichtet. Bei Opferung des Brotes sagte SIE: "DU MUSST NOCH VIEL FÜR DEN HL. VATER BETEN UND OPFERN. VIELES WIRD AN IHN HERANTRETEN. DURCH EINE SCHWERE KRANKHEIT WIRD ER SICH EINIGE ZEIT ZURÜCKZIEHEN. ABER ER WIRD WIEDERKOMMEN IN GROSSER FRISCHE. DENN NOCH VIELES WIRD VON IHM VERLANGT." Bei der hl. Wandlung sah ich, wie die liebe Gottesmutter an Stelle des Priesters stand (den Priester sah ich nicht mehr). SIE hielt die hl. Hostie und den Kelch in die Höhe. Aus dem Kelch sah ich sieben rote Ströme fließen (am Kelchesrand kaum fingerdick, nach unten sich verbreitend bis zurHandbreite). Nachdem SIE den Kelch wieder auf den Altar gestellt hatte, trat SIE wieder zurück an die gewöhnliche Stelle. Dann sah ich auch den Priester wieder. Zu mir sagte SIE dann: "DAS IST DER KELCH DES NEUEN BUNDES, DER NOCH FÜR VIELE PRIESTER FLIESSEN MUSS." Bei der Absolution vor der hl. Kommunion segnete auch SIE mit dem Priester. Mit dem Priester gingen auch wieder zwei Engel mit an die Kommunionbank. SIE blieb währenddem mit gefaltenen Händen stehen, in Andacht versunken. Beim letzten Segen segnete auch SIE wieder mit dem Priester und sagte: "BETET UND TUET BUSSE, DAS STRAFGERICHT STEHT VOR DER TÜRE." Dann verschwand SIE.

15.5. bis 23.5.1951:
In diesen Tagen erschien die liebe Gottesmutter jeden Tag bei der hl. Messe wie gewöhnlich und zwar immer beim Credo. SIE hatte auch immer einen blauen Mantel umhängen, aus dem aber vorne das weiße Kleid zu sehen war. Beim letzten Segen segnete SIE auch immer mit dem Priester und verschwand dann. Gesagt hat SIE in diesen Tagen nichts.

24.5.1951:
Fronleichnamsfest. Bei der hl. Messe um neun Uhr in der Marienkirche erschien SIE wieder wie gewöhnlich. Gesagt hat SIE während der hl. Messe nichts. Beim Auszug der Prozession (als das Allerheiligste aus der Kirche getragen wurde) sah ich vor dem Allerheiligsten die liebe Gottesmutter schweben (ca. einen halben Meter über der Erde und unter ihren Füßen Wolken). SIE war von vielen Engeln umgeben. SIE segnete und schwebte dann durch das Volk bis an die Spitze der Prozession, immer segnend, dann wieder zurück bis vor das Allerheiligste. Dort blieb SIE dann bis zum ersten Altar. Beim Segen dort sah ich nicht den Priester, sondern sah, wie die liebe Gottesmutter mit dem Allerheiligsten segnete. Und als SIE das Allerheiligste wieder auf den Altar gestellt hatte, sah ich den Priester wieder. Auf dem Wege zum zweiten Altar schwebte SIE auch wieder vor dem Allerheiligsten. Immerfort segnete SIE. Am zweiten Altar (Eucharistinerkloster) sagte SIE vor dem Segen: "DIESE STÄTTE WIRD EINMAL DIE STÄTTE DES GROSSEN GEBETES WERDEN." SIE segnete auch wieder mit dem Priester. Auf dem Wege zum dritten Altar schwebte SIE dann wieder vor dem Allerheiligsten. Vor dem Segen sagte SIE: "DIESE WEGE WERDE ICH SEGNEN, DIE ZU MEINEM HEILIGTUME FÜHREN." Auch hier segnete SIE wieder mit dem Priester. Vor dem vierten Altar (Alte St. Annakirche) sagte SIE: "ICH WERDE DIE BITTEN DES VOLKES ERHÖREN, WENN DAS VOLK BETET UND BUSSE TUT." Auch hier segnete SIE wieder mit dem Priester die Gläubigen. Als beim Weitergang der Prozession das Allerheiligste in die St. Anna-Notkirche getragen wurde, sagte SIE: "ICH HABE DIE STÄTTE GESEGNET, DIE MEIN ANTLITZ GESEHEN." Dann sah ich, wie die liebe Gottesmutter, gleichsam von Wolken getragen, in die Höhe gehoben wurde und verschwand.

25.5. bis 30.5.1951:
In diesen Tagen erschien die liebe Gottesmutter wieder bei jeder hl. Messe wie in den Tagen vom 15.5. bis 23.5. Gesagt hat SIE aber nichts.

31.5.1951:
Bei der hl. Messe, während des Credos, erschien die liebe Gottesmutter wieder, wie gewöhnlich an der Evangelienseite, im weißen Kleide, aber ohne Mantel. Ihre Hände hielt SIE in Brusthohe, die Handflächen nach unten. Aus den Händen gingen hellleuchtende Strahlen nach unten zur Erde, sich nach unten verbreitend. Bei der Opferung sagte SIE: "ICH MÖCHTE DER WELT VIELE GNADEN SPENDEN; ABER MAN LEHNT SIE AB. WER SIE ANNIMMT, DEM WERDE ICH MIT MEINER MÜTTERLICHEN LIEBE ZUR SEITE STEHEN." Die Strahlen verschwanden; SIE faltete die Hände. Darauf sagte SIE: "MEIN MUTTERHERZ IST GROSS FÜR ALLE BEDRÄNGTEN. BETE, MEIN KIND, DASS VIELE DIE ZUFLUCHT DAZU NEHMEN." Anbetend blieb SIE dann bis zum Schluß der hl. Messe stehen. Beim letzten Segen segnete SIE auch wieder mit dem Priester und verschwand dann.

3.6.1951:
Bei der hl. Messe erschien die liebe Gottesmutter wieder wie gewöhnlich. Auch segnete SIE wieder zum Schluß mit dem Priester und verschwand dann. Gesagt hat SIE nichts.

2.7.1951:
Am Abend des 1. Juli hatte ich beim Abendgebet der lieben Gottesmutter ein besonderes Anliegen von jungen, gutkatholischen, ringenden Menschen empfohlen. In der Nacht nun, so gegen zwei Uhr, steht auf einmal SIE, die himmlische Mutter, vor meinem Bett und sagte: "ICH WERDE DAS OPFER DER BEIDEN ANNEHMEN. AUCH WERDE ICH BEI DEM OPFER MEINES SOHNES WIEDERKOMMEN."Als der Priester um acht Uhr das hl. Meßopfer begann, stand SIE gleich zu Anfang schon an der Evangelienseite. SIE hielt die Hände gefalten. SIE sagte zu mir: "FEIERE MIT MIR DAS HL. OPFER." Dann wandte SIE sich zum Tabernakel; ihr Blick war wie verklärt. SIE war ganz von Strahlen umgeben, die von ihr ausgingen. Vor der hl. Opferung sagte SIE: "NACH DEM OKTOBER WERDEN SICH DIE GEISTER SCHEIDEN. DER HL. VATER WIRD DEN SIEG DAVON TRAGEN, ABER UNTER SCHWEREN VERLUSTEN. DIE KIRCHE WIRD NOCH MEHR VERFOLGT WERDEN. DAS RHEINLAND WERDE ICH AN MEIN HERZ ZIEHEN, WIE ICH DIR SCHON EINMAL GESAGT HABE. RUSSLAND WIRD MIR DIE TREUE SCHWÖREN." Bei der hl. Opferung hielt SIE ihre Hände unter die Hände des Priesters und reichte mit diesem die Opfergabe in die Höhe. Dann wandte SIE sich den Gläubigen zu und segnete.
Bei der hl. Wandlung sah ich die hl. Hostie mit einem goldenen Schein umgeben. Bei Aufhebung des Kelches sah ich, wie aus diesem sieben Ströme Blut herausflossen.
Nach der hl. Wandlung sagte SIE: "BETET, BETET, BETET; DIE WELT GEHT DEM ENDE ENTGEGEN." Und beim Paternoster sagte SIE mir nochmals (wie SIE mir auch schon am 1.5.1949 gesagt hatte): "SCHENK MIR DEN LOSKAUF DER PRIESTERSEELEN. HALTET TREU ZUR KIRCHE. DIE PFORTEN DER HÖLLE WERDEN SIE NICHT ÜBERWÄLTIGEN." Bei Austeilung der hl. Kommunion segnete SIE die Gläubigen. Auch sagte SIE: "BIS ZUM ANGELUSLÄUTEN BLEIBE ICH BEI DIR." Als der Priester den letzten Segen erteilte, segnete SIE auch wieder mit und war dann verschwunden.
Als ich nach der hl. Messe mit dem Putzen des Altares begann, stand auf einmal die liebe Gottesmutter wieder an der Evangelienseite, den Blick auf den Altar gerichtet. Die Hände hielt SIE einmal gefalten, dann auch mal über der Brust gekreuzt. Ab und zu war SIE mal für kurze Augenblicke verschwunden; dann stand SIE auch wieder da. Die ganze Erscheinung und ihr mehrmaliges Verschwinden schien mir am besten mit dem Gang zu Elisabeth zu vergleichen zu sein. Kurz vor dem Angelusläuten segnete SIE mich und sagte: "WO DU HEUTE EINKEHRST, WILL ICH MEINEN MUTTERSEGEN HINTERLASSEN." Mit den Worten: "AM PRIESTERSAMSTAG KOMME ICH WIEDER" verschwand SIE dann.
Wenn auch dieser Tag in gewisser Hinsicht für mich ein schwerer Tag war, so war er doch auch ein ganz herrlicher. Durfte ich doch die gütige Himmelsmutter so oft schauen.

7.7.1951:
Priestersamstag. Morgens um sieben Uhr zu Beginn der hl. Messe, als der Priester zum Altare ging, erschien auch schon die liebe Gottesmutter. SIE stand, wie immer, an der Evangelienseite, den Blick auf das Tabernakel gerichtet. Diesmal stand SIE nur im weißen Kleide, umgürtet mit einem breiten, goldenen Gürtel.
Während des Gloria segnete SIE die Gläubigen und sagte: "ICH SEGNE ALLE, DIE UNTER DEM MANTEL MEINER LIEBE STEHEN." Beim Evangelium sagte SIE: "ICH SEGNE DIE MÄNNER, DIE MIT DIR DAS WERK VERBREITEN. AUCH FREUE ICH MICH ÜBER DIE HL. KOMMUNIONEN, DAS GEBET DER KINDER UND DER GLÄUBIGEN FÜR DIE PRIESTER." Bei der hl. Opferung hielt SIE ihre Hände unter die Hände des Priesters und sagte: "ICH OPFERE ALLES AUF, WAS DIE MENSCHEN AN NÖTEN UND WIRRNISSEN IN SICH TRAGEN." Nach der Händewaschung trat SIE an die rechte Seite des Priesters. SIE hielt die Hände gefalten, ihr Blick war auf das Tabernakel gerichtet. Vor der hl. Kommunion sagte SIE: "DIE WALLFAHRT NACH AACHEN UND DÜREN WIRD EINE SEGENSQUELLE FÜR VIELE SEIN. DORT WERDE ICH VIELE ERLEUCHTEN, UND ICH WERDE ALLES IN MEINEN SEGEN UND MEIN OPFER NEHMEN. BETET WEITER FÜR PRIESTER UND VOLK." Nach Austeilung der hl. Kommunion segnete SIE die Gläubigen und verschwand dann.

15.8.1951:
Morgens um acht Uhr war Hochamt zu Ehren der Muttergottes. Zu Anfang des Gloria erschien die liebe Gottesmutter neben den Altarstufen an der Evangelienseite; nur in weißem Kleide mit handbreitem goldenen Gürtel. Ihre Haare hingen aufgelöst bis in Hüfthöhe; die Hände hielt SIE gefalten. Unter ihren Füßen sah ich ein nebeliges Gebilde, welches seitlich fast bis in Kniehöhe reichte. Der rechte Fuß war sichtbar. Nach dem Gloria kniete SIE auf die unterste Stufe des Altares. Dann sah ich, wie zwei Hände, die eine goldene Krone hielten, aus dem Tabernakel wie aus einer Wolke kommend, sich der lieben Gottesmutter näherten und ihr die Krone auf das Haupt legten. Die Krone war diademähnlich, vorne höher wie seitlich; mit Zacken. Auf der vordersten Zacke war ein Stern. Dann verschwanden die Hände. Die Gottesmutter erhob sich dann und trat wieder zurück neben den Altar. Während des Evangeliums sagte SIE: "ICH WILL DIE MENSCHEN SEGNEN", und dabei segnete SIE. "ALL IHRE ANLIEGEN NEHME ICH IN MEINE MUTTERHÄNDE, DAMIT SIE IM HEILIGEN OPFER GEHEILIGT WERDEN. ICH SEGNE DIE KRANKEN UND STERBENDEN. ICH SEGNE AUCH ALLE, DIE WEITAB VOM HEILIGEN OPFER STEHEN, DAMIT SIE GESTÄRKT WERDEN UND ZURÜCKKEHREN. BETET, BETET, BETET." Bei der hl. Opferung, als der Priester Brot und Wein opferte, sagte SIE: "ICH SEGNE DEN (LP), DER DIR ZUR SEITE STEHT, DAMIT ER GESTÄRKT BLEIBT, UM DAS WERK ZU ENDE ZU FÜHREN. ER WIRD TIEF ERLEUCHTET WERDEN DURCH DIESE SACHE. ICH SEGNE IHN MIT MEINEM MUTTERSEGEN, DAMIT ER DEN WEG DES HEROLDS GEHT." Bei den Worten "Ich segne" segnete SIE auch jedesmal. Bei der hl. Wandlung sah ich SIE wie verklärt dem Tabernakel zugewandt. Nach der hl. Wandlung sagte SIE: "ER (LP) WIRD VIEL ZU LEIDEN HABEN; ABER ICH BIN BEI IHM MIT MEINER MUTTERLIEBE; DER BÖSE FEIND WIRD IHM NICHT SCHADEN." Bei Austeilung der hl. Kommunion sagte SIE: "BETE, MEIN KIND, FÜR DIE PRIESTER, FÜR DIE LAIENPRIESTER UND FÜR DAS VOLK; DENN ES WIRD ETWAS FURCHTBARES KOMMEN. BETET, DAMIT IHR ZUSAMMENBLEIBT." Dann sagte SIE mir ein Geheimnis, welches ich aber später nur auf Befragen der Geistlichkeit mitteilen darf. Beim letzten Segen des Priesters segnete SIE mit und verschwand dann.

5.9.1951:
Pfarrjugendmesse um 6 1/4 Uhr. Vor der Opferung brachte ich dem Herrn drei verschiedene Anliegen vor. Dann sah ich den göttlichen Heiland an der Evangelienseite auf der zweiten Altarstufe stehen. Sein Alter schien mir 30 Jahre. Er trug ein langes, weißes Kleid, von einem strickähnlichen Gürtel gehalten. Ein roter mantelähnlicher Umhang umschloß ihn: der rechte Arm und die linke Hand waren frei. Der Mantel hing fast bis auf die Füße. Er stand in Wolken, die fast bis in Kniehöhe reichten. Bei der Opferung sah ich, wie der göttliche Heiland die Opfergaben selbst in die Höhe reichte. Den Priester sah ich nicht mehr. Und ich habe diesen auch nicht mehr gesehen bis nach dem letzten Segen. Nach diesem Segen blieb ER noch einen Augenblick in der Mitte des Altares stehen. Dann wurde ER von den Wolken in die Höhe getragen, und in Höhe des Tabernakels verschwand ER.
Nach der hl. Messe betete ich noch eine stille Danksagung. Als die Gläubigen fast alle die Kirche verlassen hatten, sah ich den göttlichen Heiland wieder in der vorher beschriebenen Gestalt im Mittelgang der Kirche, ca. vier Meter von mir entfernt. ER sagte zu mir: "DEINE OPFERUNG HABE ICH ANGENOMMEN. MEINEN SICHTBAREN STELLVERTRETER WERDE ICH DURCH DIE WIRRNISSE DES JAHRES HINDURCHFÜHREN. DEN BR. J. WERDE ICH IN KURZER ZEIT NACH ROM FÜHREN. DAS KOSTBARE BLUT MUSS NOCH MEHR VEREHRT WERDEN. MEIN ENGELGLEICHER BR. J. IST DURCH MEINE VORSEHUNG IN DER OFFENBARUNG VORHER BESTIMMT. OPFERE DICH FÜR DIE PRIESTER, DIE UM HEROLDSBACH SICH STREITEN. IN KURZER ZEIT WIRD DER KAMPF ZU ENDE SEIN, UND EIN TRIUMPH WIRD SEIN DURCH DAS HERZ MEINER MUTTER. ICH KANN IHRER BITTE NICHT WIDERSTEHEN. BETE UND SÜHNE FÜR ALLES. DER SIEG WIRD GROSS SEIN, UND DEUTSCHLAND IST GERETTET. ICH SEGNE ALLE, DIE MIT AN MEINEM WERK TÄTIG SIND." Dann verschwand ER.

16.9.1951:
Einkehrtag des Dritten Ordens vom hl. Franziskus im Kloster in Niederau. Bei der hl. Messe nach der Opferung erschien die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich an der Evangelienseite im weißen Kleide mit goldenem Gürtel; die Hände hielt SIE gefalten, ihr Blick war auf den Altar gerichtet. In dieser Haltung blieb SIE bis nach der Wandlung. Dann wandte SIE sich den Gläubigen zu und sagte: "ICH SEGNE ALLE, DIE HIER ANWESEND SIND. DEM PRIESTER WERDE ICH DIE RECHTEN WORTE IN DEN MUND LEGEN, UM DIE HERZEN ZU EREIFERN. ICH WILL DIESEN ORDEN ZU MEINEM WERKZEUG MACHEN, UND DURCH IHN WIRD SICH MEIN MARIENHEER VERGRÖSSERN." Dann segnete SIE die Anwesenden und verschwand.

24.9.1951:
Kurz nach Beginn der hl. Messe sah ich, wie aus dem großen Kreuz hinter dem Altar ein sehr heller Lichtstrahl auf den Altar floß. Dann erschien an der Evangelienseite wieder die liebe Gottesmutter, diesmal in einem hellblauen Kleide mit einem handbreiten, roten Gürtel. Ihre Hände waren ineinander verkrampft. Um dieselben war eine Kette geschlungen, deren Enden fast bis auf die Füße hingen. An dem einen Ende sah ich drei Kugeln. Nach dem Evangelium sagte SIE: "ICH WERDE DIE KETTEN LÖSEN, WODURCH DIE GEFANGENEN DER WAHRHEIT GEHALTEN WERDEN, AUF ERDEN UND IM FEGEFEUER. AN MEINEN ERSCHEINUNGSORTEN WERDE ICH ALLES ZUM SIEGE FÜHREN. BETET NUR FLEISSIG DEN ROSENKRANZ FÜR PRIESTER UND VOLK." Während der hl. Wandlung fielen die Ketten ab und SIE faltete die Hände. Nach der hl. Kommunion verschwand SIE, wie von Wolken getragen.

7.10.1951:
Rosenkranzfest. Hl. Messe um acht Uhr. Nach der Händewaschung des Priesters sah ich vor den Stufen des Altares weiße Gestalten im Halbkreis stehen; dahinter viele Gestalten in roten Gewändern, fast bis an die Kommunionbank. Der Mittelgang war offen. Während der Präfation erschien die liebe Gottesmutter an der Evangelienseite. Um die gefaltenen Hände war ein Rosenkranz geschlungen. Nach der hl. Wandlung sagte SIE: "ICH WERDE EUCH DEN HIMMEL SENDEN IN DIESER SCHWEREN ZEIT. HABT KEINE ANGST; ICH BIN BEI EUCH. BETET DEN ROSENKRANZ." Dann erschienen zwei kleine Engel hinter dem Priester. Dann sah ich LP an der rechten Altarseite knieen. Die liebe Gottesmutter segnete dreimal mit den Worten: "ICH SEGNE MEINE PRIESTER." Dann segnete SIE auch die Gläubigen. Als der Priester mit dem Allerheiligsten zur Kommunionbank ging, segnete SIE den rechts knieenden LP noch besonders. Während der Austeilung der hl. Kommunion stand SIE mit gefaltenen Händen, den Blick auf die Gläubigen gerichtet. Beim letzten Segen verschwanden die Gestalten. Dann wurde SIE bis in Tabernakelhöhe gehoben und verschwand dann auch.

27.10.1951:
Allgemeine Mission in allen Pfarreien der Stadt. Bei uns in der St. Josefskirche war in der Mitte des Chores vor dem Altar eine Muttergottesstatue in einem Blumen- und Kerzenmeer aufgestellt. Der hochwürdige Herr Pfarrer nahm die Weihe der Pfarre an die Muttergottes vor. Während dieser Weihe erschien die liebe Gottesmutter wie gewöhnlich an der Evangelienseite des Altares. SIE stand mit den Füßen in einer Wolkenschicht, im weißen Kleide, umgürtet mit einem goldenen Gürtel. Um ihr Haupt war eine Krone von zwölf Sternen; die Hände hielt SIE gefalten. Zuerst segnete SIE die Priester; dann auch die Gläubigen. Und als der Pfarrer in dem Weihegebet die Bitte aussprach, auch unsere Heimatstadt zu segnen, segnete SIE weitausladend die Stadt. Während nun bei dem Segen über Priester und Gläubige ihr Gesicht sehr lieblich schien, war es bei dem Segen über die Stadt sehr ernst. Dies ist mir besonders aufgefallen. SIE sagte dann: "BETET, BETET, BETET. TUET BUSSE. IHR HABT NUN DEN SCHRITT ZUR BESSERUNG GETAN, BEKEHRET EUCH." Dann verschwand SIE.

28.10.1951:
Christ-Königs-Fest. Letzter Missionssonntag. In der hl. Messe um acht Uhr sah ich, wie vom Tabernakel aus zwei Hände (es schienen mir Männerhände zu sein) in einer kleinen Wolke den Mittelgang herunter schwebten (in Mannshöhe) bis zum Taufstein. An dem Taufstein stand die liebe Gottesmutter (ich hatte mich herum gedreht, um alles gut sehen zu können). Sie stand, den Blick gesenkt, die Hände gefalten, wie in stiller Erwartung. Die Gottesmutter nahm mit ihrer linken Hand die rechte Männerhand; die andere sah ich nicht mehr. Und es schienen mir die Hände nun wie ein rotglühendes, goldenes Wolkenmeer zu sein. Und der Widerschein dieses scheinbaren Feuers spiegelte sich in der ganzen Gestalt der lieben Gottesmutter wieder.
Dann schwebte SIE durch den Mittelgang zum Altar. Auf ihrer linken Hand lag noch immer die rechte Männerhand. Mit ihrer rechten Hand segnete SIE dauernd. Als SIE bis an die Kommunionbank kam, verschwand die Männerhand. Dann trat SIE an die Evangelienseite und hielt ihre Hände gefalten. Nach der Opferung wandte SIE sich den Gläubigen zu und sagte: "IHR SEID JETZT GEWEIHT, UM ZEUGNIS ABZULEGEN FÜR MEINEN SOHN. SEID STARK UND BETET FÜR MEINE PRIESTERLICHEN SÖHNE. BETET UND TUET BUSSE." Zu mir gewandt, sagte SIE dann noch: "DU ABER SCHENKE MIR WEITER DEIN KINDERHERZ, DAMIT ICH MEIN WERK ZU ENDE FÜHRE. BETE AUCH FÜR DEN HL. VATER; ICH SEGNE IHN." Dabei segnete SIE auch. Sie blieb dann mit gefaltenen Händen bis zur Austeilung der hl. Kommunion stehen. Jeden an der Kommunionbank segnete SIE. Beim letzten Segen segnete SIE wieder mit dem Priester und verschwand dann.

1.11.1951:
Allerheiligen. In der hl. Messe um acht Uhr beim Gloria erschienen dieselben Gestalten wie am Rosenkranzfest (7.10.1951). Zugleich erschien auch die liebe Gottesmutter an der gewohnten Stelle. Nach dem Gloria sagte SIE: "ICH SEGNE ALLE, DIE IN DIESER KIRCHE ZUGEGEN SIND. ICH SEGNE DAS OBERHAUPT DER KATH. KIRCHE; ICH SEGNE BISCHÖFE UND PRIESTER. ICH SEGNE ABER AUCH DIEJENIGEN, DIE WEITAB VON MEINEM SOHNE STEHEN. BETET FÜR SIE." Während des hl. Opfers blieb SIE mit gefaltenen Händen stehen, dauernd den Blick auf das Tabernakel gerichtet. Beim letzten Segen des Priesters segnete SIE dreimal. Dann verschwand SIE und zugleich auch alle Gestalten.

21.11.1951:
Um 6 1/4 Uhr Pfarrjugendmesse in St. Josef.
Kurz vor der Opferung stand auf einmal die liebe Gottesmutter im weißen Kleide an der gewöhnlichen Stelle (Evangelienseite). Bei der Opferung opfert SIE mit dem Priester. Dann wandte SIE sich zu mir und sagte: "BETET. BETET, BETET, TUET BUSSE. ICH KANN NICHT MEHR. MEIN WEITERES ERSCHEINEN WERDE ICH DEM HIMMEL ÜBERLASSEN." Dann segnete SIE den Priester und die Gläubigen und sagte dabei: "ICH SEGNE PRIESTER UND LAIENPRIESTER; ICH SEGNE DAS VOLK, WELCHES MEINEN SOHN NICHT MEHR EMPFANGEN WILL UND DAS AM RANDE STEHT. KOMME IM LETZTEN OPFER WIEDER NACH HIER." SIE blieb dann in anbetender Haltung bis zum Schluß der hl. Messe. Mit dem Priester segnete auch SIE und verschwand dann.
Hl. Messe um neun Uhr.
Auch in dieser hl. Messe erschien die liebe Gottesmutter zu Beginn der Opferhandlung an der gewöhnlichen Stelle im weißen Kleide. SIE blieb während des ganzen Opfers in anbetender Haltung stehen. Bei dem letzten Segen des Priesters segnete auch SIE wieder mit. Dann wandte SIE den Blick nach oben, und ihr Gesicht verzog sich wie bittend. Ihre Gestalt hob sich dann bis in Tabernakelhöhe, von Wolken getragen. Es erschien rechts und links von ihr je ein Engel. Diese griffen mit ihren Händen unter die Arme der lieben Gottesmutter und hoben SIE gleichsam nach oben. Dann verschwand die ganze Erscheinung.

8.12.1951:
An diesem hohen Festtage der lieben Gottesmutter hatte ich wieder das große Glück, SIE schauen zu dürfen. In der hl. Messe um sieben Uhr erschien SIE zu Anfang des Credo an der Evangelienseite in einem weißen Kleide. Nach dem Credo sprach SIE: "DU MUSST NOCH VIEL OPFERN UND BETEN IN DER GROSSEN HEILIGEN LIEBE; ES SIND NOCH NICHT ALLE PRIESTER CHRISTUSÄHNLICH. AUCH SOLLEN SIE NICHT HALB DAS HEILIGE MESSOPFER DARBRINGEN, SONDERN GANZ. SIE MÖGEN GANZ IN DER ANBETUNG BEIM HL. MESSOPFER SEIN, DAMIT SIE CHRISTUS GLEICHEN UND DIE WELT SIE ERKENNT SO WIE DER STELLVERTRETER AUF ERDEN ERKANNT IST. BETE VIEL FÜR IHN UND SEINE SCHWERE BÜRDE. ICH BIN IMMER BEI EUCH ALLEN, WENN JETZT BALD DIE SCHWERE ENTSCHEIDUNG KOMMT. DIE HÖLLE TOBT. BETET, DAMIT DAS SÜNDIGEN AUFHÖRT." Dann blieb SIE in anbetender Haltung stehen bis zur Kommunion des Priesters. Bei Austeilung der hl. Kommunion an die Gläubigen segnete SIE auch wieder mit dem Priester. Zu mir sagte SIE dann noch: "MEIN WEITERES ERSCHEINEN WERDE ICH DIR DREI TAGE VORHER DURCH DEN HERRN ANKÜNDIGEN." Dann verschwand SIE, von Wolken getragen.

25. 12. 1951:
In der Christmette um 6.00 erschien SIE wieder an der Evangelienseite im weißen Kleide mit goldenem Gürtel. Nach dem Gloria sagte SIE zu mir: "EIN ÜBERMASS VON VERHERRLICHUNG SOLLST DU MIR BEREITEN, DAMIT ICH MICH IN IHR BEGRÜNDE." Dann gab SIE mir einen Auftrag für meinen Beichtvater. Bis zur Opferung blieb SIE in anbetender Haltung stehen. Als der Priester die Patene erhob, segnete SIE zu den Gläubigen gewandt. Dann sagte SIE: "ICH SEGNE STADT UND LAND UND SCHÜTZE SIE VOR DER UNHEIMLICH DROHENDEN GEFAHR." Bis zur Wandlung stand SIE wieder anbetend. Nach der Wandlung sagte SIE: "IN ALLEN HL. MESSEN WERDE ICH HEUTE SEGNEN. BETET UND TUET BUSSE." Beim letzten Segen segnete SIE dann wieder mit dem Priester und verschwand.
In den hl. Messen um 7.00 und 8.00 und um 10.00 war SIE wieder anwesend. Gesagt hat SIE nichts. In den beiden erstgenannten hl. Messen segnete SIE während der hl. Wandlung die Gläubigen. Im Hochamt um 10 Uhr segnete SIE mehrmals und zwar beim Gloria, Evangelium, Opferung, Wandlung und bei der hl. Kommunion. Beim Credo bei den Worten: "Und das Wort ist Fleisch geworden" kniete SIE mit dem Priester. Nach dem letzten Segen verschwand SIE, von Wolken getragen und eingehüllt.

1. 1. 1952:
8.00 hl. Messe. SIE erschien zu Anfang des Gloria und blieb während der ganzen hl. Messe in anbetender Haltung stehen. Beim Schlußsegen segnete SIE mit und verschwand dann.

6.1.1952:
8.00 hl. Messe. Dieselbe Erscheinung, Haltung und Segen wie am 1.1.52.


***

Gertrud Fink, Düren, vor dem Hause des Herrn Engelbert Knipprath (vorne Mitte)Weitere Aufschreibungen konnten nicht mehr gemacht werden, da ihr von ihrem Beichtvater die Bekanntgabe untersagt wurde.
Als eigenartig muß noch bemerkt werden, daß die letzte Erscheinung am selben Tage, zur selben Stunde und mit denselben Worten stattfand, wie in Heroldsbach. (31. Oktober 1952, nachts 24.00 Uhr)
Die Seherin, Gertrud Fink, mußte wegen einer schweren Magenerkrankung ins Krankenhaus Düren und wurde dort am 3.9. operiert. In der Nacht nach der Operation trat eine Herzschwäche ein, und sie starb am 4. September 1958 morgens ganz still und ruhig.
Die nachtwachende Krankenschwester Lucia berichtet über ihre letzten Augenblicke wie folgt: "Gegen halb fünf morgens hatte ich das Gefühl, dringend nach der Gertrud zu sehen. Ich fand sie sehr schwach und ohne Bewußtsein. Der sofort herbeigerufene Arzt gab ihr eine Spritze, und kurze Zeit darauf öffnete sie die Augen und erkannte mich. Einer plötzlichen Eingebung folgend sagte ich zu ihr: "Traudchen, du weißt, wie es um dich steht, und ich frage dich angesichts des Todes: Hast du die Muttergottes wirklich gesehen?" Ganz deutlich sagte sie: "Ja, ja, ja, ich habe sie gesehen." Dies war ihr letztes Wort, und kurze Augenblicke später war sie tot."
Diese letzten Worte einer Sterbenden zeugen für die Glaubwürdigkeit der ganzen Erscheinungsgeschichte.
Der Schreiber dieser Aufzeichnungen, Engelbert Knipprath, war in diesen Tagen in Frankreich. Durch ein Telegramm seiner Frau wurde er von dem Tode der Gertrud verständigt. Auf der Rückfahrt besuchte er nun im Saargebiet eine blinde Bergmannsfrau, die schon seit 1935 viele Schauungen hatte. Im Laufe des Gesprächs hat er sie um ein Gebet für die verstorbene Gertrud gebeten, was sie auch sofort zusagte. Auf einmal sah sie mit ihren blinden Augen nach oben und sagte dann: "Der göttliche Heiland sagt Ihnen: Sie ist bei mir." Tief hat uns dies erschüttert; aber auch zugleich getröstet.
Nachtrag: Der göttliche Heiland, welcher der Seherin auch mehrmals erschienen ist, lehrte sie einmal folgendes Gebet:
"O ALLERHEILIGSTE DREIFALTIGKEIT, DREIEINIGER GOTT, DEN ICH ANBETE, SEGNE UNS MIT DEINER GANZEN MACHT."
Und es soll dieses Gebetchen viel verbreitet werden.

Engelbert Knipprath
(DZM 3. Jahrg., Nr. 1, 24. Mai 1969)


KURZE NOTIZEN ÜBER DAS LEBEN DER GERTRUD FINK

Gertrud Fink, Düren, auf dem Sterbebett im Spital kurz nach ihrem TodAm 1. Februar 1905 wurde der Familie Johann Fink und seiner Ehefrau Sibilla in Düren das sechste Kind geboren. In der hl. Taufe erhielt das Kind den Namen Gertrud. Von Anfang an sehr schwächlich und kränklich, bedurfte es der aufopfernden Pflege der Mutter, um es am Leben zu erhalten. In dem christlichen Elternhause wuchs sie zu einem sittsamen, braven Mädchen heran. Immer aber blieb sie schwächlich, besonders nach einer spinalen Kinderlähmung und einem bösen Ausschlag. Sie besuchte die Volksschule und war als Kind schon immer aufgeschlossen für alles Schöne. Nach Entlassung aus der Volksschule ging sie jahrelang zu den Ursulinerinnen, um sich dort im Nähen und Sticken auszubilden.
Als sie 20 Jahre alt war, starb ihre Mutter. Mehrere ihrer Geschwister waren schon vorher gestorben. Später hat der Vater dann wieder geheiratet.
Als im Jahre 1944 die Front immer näher rückte und schon vielmals Bomben auf Düren fielen, erlitt der Vater bei einem solchen Angriff auf seiner Arbeitsstelle einen leichten Schlaganfall. Er wurde dann mit der ersten Evakuierung rückwärts bis nach Thüringen in ein Krankenhaus gebracht. Am 16. November 1944 wurde die Stadt Düren nun vollends zerstört. Gertrud wurde in einem Keller verschüttet; wurde aber geborgen und hatte sehr schwere Verbrennungen erlitten. Sie kam dann auch nach Thüringen in ein Krankenhaus, wo sie wieder so weit gesund gepflegt wurde. Später kam sie auch wieder mit ihrem Vater zusammen.
Nach Rückkehr aus der Evakuierung wurde die Familie in einem großen Zimmer der Kaserne untergebracht. (Die ganze Kaserne war mit Evakuierten belegt, weil ja in der Stadt alle Wohnungen zerstört waren.) 1946 starb der Vater, und sie blieb mit der Stiefmutter allein. Als im Jahre 1949 die Erscheinungen anfingen und dies so langsam bekannt wurde, hatte sie sehr Vieles zu erleiden. Man hat sie auf der Straße verspottet, geschlagen, getreten und mit Steinen beworfen. Schweres hat sie in dieser Zeit durchgemacht. Hätte sie nicht die Kraft von oben und die Hilfe einiger Gutgesinnter gehabt, sie wäre verzweifelt. Einige Beispiele: Eine fanatische Frau hatte vor dem Fenster ihrer Wohnung einen Reisighaufen, auf dem eine kleine Muttergottesstatue stand, angezündet, tanzte um dieses Feuer mit aufgehobenem Rock und sang frivole Lieder. Kurze Zeit später verunglückte der Mann dieser Frau im Walde tödlich. Es dauerte nicht lange, da kam diese Frau zu Gertrud und bat sie um Verzeihung, und sie hat sich dann auch vollends bekehrt. Bei der Fronleichnamsprozession sagte ein außenstehender Mann zu ihr: "Bald kommt die Zeit, wo an diesen Bäumen die Schwarzen aufgehängt werden und du auch dabei." Solcher Beispiele könnten noch mehr aufgeführt werden.
Später wurde dann den in den Kasernen wohnenden Familien neue Wohnungen in Siedlungshäusern zugewiesen. Und so bekamen Gertrud und ihre Stiefmutter auch zwei schöne Zimmer in einem solchen Hause. Viel Schönes hat sie dort verlebt mit ihren Besuchern, die an ihre Sendung glaubten. Sehr vieles hat sie aber auch körperlich leiden müssen, so daß die sehr vornehme Ärztin (protestantisch) oft nicht begreifen konnte, wie ihr schwacher Körper dies alles aushalten konnte.
Auch hatte sie des öftern unter persönlichen Angriffen des Satans zu leiden. Er wollte ihr die Finger zerbrechen, hat sie mehrmals aus dem Bette gegen die Wand geworfen, usw. Einmal wollte sie schnell nach dem Weihwasser greifen, da sagte er zu ihr: "Mit solchen Kinkerlitzchen brauchst zu mir nicht zu kommen."
Eine schwere Magenerkrankung, sie konnte oft kaum und dann auch nur Flüssiges genießen, zwang sie zu einer Magenoperation. Diese erfolgte am 3. September 1958, und am folgenden Morgen starb sie.
Die Erscheinungen der Muttergottes waren teilweise in der neuen und in der alten Kapelle, auch mehrmals in der Wohnung, auch in der St. Josefskirche, in der Kirche des Eucharistinerklosters und einmal während einer Priesterweihe im Kölner Dom.
Etwas ganz Besonderes verdient noch Erwähnung. In der Küche hing an einer Seite ein Muttergottesbild, ca. 25 x 35 groß. Ein Kopfbild (nach Maria Bordoni). Hinter diesem Bild war auf der getünchten Wand ganz deutlich ein Kelch zu sehen, fast in der Größe des Bildes, aber ohne Fuß. An der andern Seite hing ein ebenso großes Bild des hl. Hauptes Jesu. Und es war dieses hl. Haupt ebenso deutlich auf der Wand zu sehen. Sehr viele, auch Geistliche, haben dies gesehen und bestätigt.
Alles in allem war diese Gertrud eine tieffromme Seele. Wenn sie eben konnte, war sie jeden Morgen in der hl. Messe und an der Kommunionbank. Außer ihren täglichen Arbeiten war ihre Lieblingsbeschäftigung das Mithelfen beim Reinigen in der Kirche und beim Schmücken des Altares.
Engelbert Knipprath


ERGÄNZUNGEN ZU DEN AUFZEICHNUNGEN ÜBER
DIE ERSCHEINUNGEN DER LIEBEN GOTTESMUTTER IN DÜREN (Rhld.)

Zum 5.11.1949:
Die St. Annakirche in Düren war bei dem Bombenangriff am 16.11.1944 vollständig zerstört worden. Der nunmehrige Oberpfarrer Köttgen wollte sie mit aller Gewalt baldmöglichst wieder aufbauen. Es war die Hauptkirche der Stadt. Aber immer stellten sich Schwierigkeiten ein, es klappte an keiner Stelle.
Im Auftrag der Gertrud war ich bei ihm, um ihn nochmals zu bitten, - das Muttergotteshäuschen (es gehörte zu seiner Pfarrei) doch zuerst aufbauen zu lassen. Er lehnte dies aber ab mit der Bemerkung, daß die St. Annakirche Vorrang hätte. Darauf konnte ich ihm nur sagen: "Herr Oberpfarrer, bauen Sie doch der Muttergottes zuerst die Kapelle, und dann wird SIE schon dafür sorgen, daß ihrer Mutter, der hl. Anna, auch der Dom wieder gebaut wird." Er staunte, sagte aber nichts darauf. Eines Tages brachte ich ihm vier Adressen von Handwerkern, die nach Lieferung des Materials unentgeltlich den Aufbau machen wollten. Einmal brachte ich ihm den Standort eines neuen Klaviers, dessen Erlös auch zum Aufbau der Kapelle dienen sollte. Da ließ er sich bereden, und die Kapelle war in Kürze fertig. Und dann ging es auch mit dem Bau der St. Annakirche flüssig weiter.

Zum 31.5.1950:
Im Monat Mai wurde jede Woche an der Kapelle einmal frühmorgens die hl. Messe gelesen. Für diesen Tag hatte ich nun zeitlich früh viele Gleichgesinnte aus den genannten Städten eingeladen, und es waren auch sehr viele gekommen.
Nachher ließ mich der Oberpfarrer zu sich rufen und bat mich, solche Einladungen für die Folge doch zu unterlassen, bis der ganze Finkenrummel vorbei sei. (Der Familienname der Gertrud war "Fink")

Zum 7.10.1950, Absatz 5:
Näheres hierzu nur mündlich.

Zum 2.7.1951, Absatz 4:
Wie oben. Vorletzter Absatz: Unser Haus.

Zum 15.8.1951:
Der Betreffende ist mir bekannt. Einzelheiten aber nur mündlich.

Zum 5.9.1951:
Br. J. ist mir gut bekannt. Er war ein heiligmäßiger Priester. Schon gestorben. Einzelheiten nur mündlich.

Zu den Ausführungen am Schluß des Erscheinungsberichtes ist noch folgendes zu bemerken:
Ihr Beichtvater wußte, daß ich alle Aufzeichnungen gemacht hatte. Eines Tages bat ich nun doch die Gertrud, ob sie mir nicht einen Hinweis geben könnte, um was es sich handelte. Ihre Antwort war: "Ich höre nur harte Worte für die Priester."
Einmal hat sie auch folgende Worte gehört: "GEBE ES AN MEINE PRIESTER WEITER: ES WIRD VON MOSKAU EIN DRUCK NACH ROM GEHEN. DAS KOLLEGIUM DES PAPSTES WIRD IHN ZUR FLUCHT DRÄNGEN. SATANS PAROLE IST: WEG MIT DEN PRIESTERN. DU ABER SCHENKE MIR DEN LOSKAUF."
"DER PAPST WIRD IM HOHEN DOME ZU KÖLN DAS HL. MESSOPFER FEIERN UND DAS TE DEUM ANSTIMMEN. DU, MEIN KIND, BETE FÜR DIE PRIESTER UND OPFERE DICH GANZ FÜR SIE."

Zu dem Ganzen möchte ich nun noch folgendes bemerken:
Kaplan R. E. [Robert Ernst] war des öftern hier bei uns im Hause, um die Gertrud zu hören und zu prüfen. Die Gertrud wurde aber noch weiter hier im Hause geprüft von Pfarrer Petrus M. Weihmann, dem Schöpfer und Förderer der "Eucharistischen Missionswochen", weiter durch Professor Dr. Hümpfner, 32 Jahre in der Ritenkongregation in Rom, weiter durch Pater Odo Staudinger aus Salzburg. Ich nehme an, daß diese Namen allen bekannt sind.
Unabhängig von einander, sie waren ja einzeln hier, erklärten sie einstimmig: "Nur keine Zweifel, die Sache hier ist echt."
Auch habe ich diese Aufzeichnungen, ohne diese Ergänzungen hier, dem Rektor Jenniches zugestellt, der ja schon durch die Gertrud über alles im Bilde war. Ob er nun etwas in der ganzen Angelegenheit beim Bischof unternommen hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Engelbert Knipprath, Wallstrasse 9, 5161 Merzenich

LEGENDE:
Bild Nr. 1 zeigt die neue Kapelle in Düren (Aufnahme P. Schenker, 1967);
Bild Nr. 2 zeigt Gertrud Fink vor dem Hause des Herrn Engelbert Knipprath (vorne Mitte);
Bild Nr. 3 zeigt Gertrud Fink bei der Lourdesgrotte im Garten Engelbert Knipprath's;
Bild Nr. 4 zeigt Gertrud Fink auf dem Sterbebett im Spital kurz nach ihrem Tod. (Fotos E. Knipprath, Merzenich)

DAS ZEICHEN MARIENS - Monatsblatt. Umfang 16 - 32 Seiten. - Redaktion und Satz: Paul O. Schenker - IMMACULATA-Verlag und Versandbuchhandlung, CH-6015 Reussbühl/Luzern. Gedruckt in der Schweiz. Alle Rechte vorbehalten.

Donnerstag, August 16, 2007

Mutter Maria Rafols, Gründerin der Töchter der Nächstenliebe der hl. Anna, Heldin der Stadt Saragossa

Im Nachgang zu unserer Veröffentlichung im letzten Heft DZM vom Februar 1991, Seiten 7654 und 7655, ist Näheres im Zusammenhang mit der hochbegnadeten spanischen Mystikerin und Ordensgründerin der Schwesternschaft von der hl. Anna MARIA RAFOLS anzufügen.

Selige Mutter Maria RafolsMutter Maria Rafols ist am 5. November 1781 in Villafranca del Panadés (Provinz Barcelona) geboren und am 30. August 1853 in Saragossa gestorben. Sehr vieles von dem, was der Himmel ihr geoffenbart hat, gilt ganz besonders auch für unsere jetzige Zeit.

Unter anderem gab der göttliche Heiland der ehrw. M. Maria Rafols Mittel und Wege an, den Sieg über den höllischen Feind zu erringen. Er sagte ihr, eines der mächtigsten Mittel, seinem himmlischen Vater Sühne zu leisten, sei, Maria, die Patronin und Beschützerin Spaniens unter dem Titel "Unsere Liebe Frau del Pilar" ([U.L.F. von der Säule] von Saragossa) anzurufen. Ferner wies er sie darauf hin, daß in diesen Zeiten der Not eine Gebetsweise der allerseligsten Jungfrau besonders angenehm sei, nämlich das betrachtende und mündliche Gebet der fünf schmerzhaften Geheimnisse des Rosenkranzes. Man solle denselben nicht nur in der Kirche, sondern auch zu Hause in den Familien beten. Der Sieg über den höllischen Feind sei dann unfehlbar. Weiter sagt der göttliche Heiland: "Das große Übel dieser Zeiten und der noch schlimmeren, die kommen werden, ist, daß man den Geschmack am übernatürlichen Leben verloren hat, daß man nur mehr für die Dinge dieser Welt, nur mehr für die Sünde lebe." Auch gibt der göttliche Heiland der ehrw. M. Maria Rafols die Versicherung, daß er große Wunder für Spanien wirken werde, die die ganze Welt anerkennen müsse, denn diese, von seiner Mutter so sehr geliebte Nation, werde er retten. Maria selbst werde sagen, was zu tun sei, um seinen ewigen Vater zu versöhnen. Schließlich sagt der göttliche Heiland: "Sage den Spaniern, sie sollen sich nicht fürchten. Ich bin mit ihnen. Nach all diesem werden Tage des Ruhmes für mich kommen. Sie sollen die 'geistige Kindheit' eifrig üben. Sie sollen sich meinen Armen überlassen. Es wird ein Triumph kommen, wie man ihn nie zu ahnen gewagt hätte."

Dieser Triumph, die Rettung Spaniens vor dem atheistischen Bolschewismus und Kommunismus, ist denn auch in dem blutigen Bürgerkrieg der Dreißigerjahre mit dem standfest katholischen und frommen, gottesfürchtigen, marianischen General Franco als Führer und Sieger zustandegekommen. Inzwischen aber ist erneut, und viel schlimmer denn je, der Verfall des Glaubens, der moralischen Stärke und damit der Lebenskraft der spanischen Nation (wie praktisch aller übrigen katholischen Nationen der Welt) eingetreten. Aber die Verheißungen Gottes gelten immer noch, und jetzt erst recht. Doch wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, daß der Wille zur Erfüllung der göttlichen Gebote und Wünsche schon jetzt oder morgen schon wieder gegeben wäre. Es wird vorher eines schrecklichsten "gaballten" Gottesgerichtes bedürfen. Erst aus den Ruinenfeldern wird neues Leben erblühen. Aber für die wenigen Gutwilligen, die sich ganz auf Gott Stützenden, bleibt alles stets wahr, was der Heiland in früheren Zeiten in analogen Nöten durch seine Begnadeten an himmlischer Führung kundgab. Wir tun deshalb gut daran, es stets getreulich zu beachten und durch unser Tun zu beobachten.

Vernehmen wir nun also die hauptsächlichen Offenbarungen aus den nach 100jähriger Verschollenheit in den Jahren 1931 und 1932 wunderbarerweise (wie haarscharf prophezeit) wiederentdeckten nachgelassenen Schriften der Mutter Maria Rafols:



Schriftstück aufgefunden am ersten Freitag im Oktober (2. Oktober) 1931
Jesus Maria Josef!


Villafranca del Panades, den 19. April 1815
Mein gütiger Jesus befiehlt mir, schriftlich einige außerordentliche Gunstbezeigungen aufzuzeichnen, die ich von Ihm erhielt und fortwährend noch erhalte in diesen Tagen, da ich durch göttliche Eingebung in dem Hause (die Mühle von En Rovira, ihr Vaterhaus, wohin die göttliche Vorsehung sie im Jahre 1815 erneut geführt hatte) verweile, das so voller Erinnerungen für meine arme Seele ist. Trotz des großen Widerstrebens, das ich empfinde, kann ich mich nicht länger weigern, die Befehle auszuführen, die mir mein göttlicher Meister Jesus Christus seit einigen Tagen mit Beharrlichkeit erteilt. Er macht mir Vorwürfe und tadelt mich mit mildem Ernste.

Mein göttlicher Meister lehrt mich in all diesen Tagen, das betrachtende Gebet in einer Haltung zu verrichten, die ich bis dahin nie eingenommen habe. Meine größte Freude ist stets das Gebet gewesen, und da ich tagsüber zahlreiche Beschäftigungen habe, so drängt es mich, diesen Wunsch des nachts zu befriedigen, wenn mich niemand sieht.

Deshalb also sagte ich, daß ich die erste Nacht nach meiner Ankunft in diesem mir so teuren Hause im Gebet verbrachte. Und gegen elf Uhr hörte ich die Stimme meines göttlichen Meisters, der folgende Worte an mich richtete:

"Hier ist der Ort, o Meine vielgeliebte Tochter, der für Deine Ruhe und für Meine Freude bestimmt ist. Ich habe Dich an diesen heiligen Ort geführt, an den Ort, von dem Ich seit Deiner Geburt wie von Deinem ganzen Wesen Besitz ergriffen habe, um Dich so für große Unternehmungen zu erwählen. Siehe, deshalb trage Ich für Dich eine ganz besondere Sorge, denn Ich selbst bin Dein Herr und Führer unter Mithilfe Meiner heiligen Mutter. — Groß sind die Gnaden, die Du in dieser armen Behausung empfangen wirst. Zunächst wünsche Ich Dich zu unterrichten, Meine Tochter: So oft Du zu vorgerückter Nachtstunde unter Meiner Eingebung beten wirst, und wenn kein Geschöpf Dich sieht, — wirf Dich zur Erde, das Gesicht zu Boden geneigt und rufe Mich an; Mich, ohne jemals zu vergessen, daß Du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehren wirst. Du wirst diese Haltung solange einnehmen, bis Du Meines Besuches ganz gewiß bist."

In dem Augenblick, da mein gütiger Jesus mir diesen Befehl gab, warf ich mich mit zu Boden geneigtem Antlitz nieder und betete in dieser Stellung zum ersten Male. Aber ich war so sehr beeindruckt, daß es mir unmöglich war, meine Gefühle anders als durch tiefes Schweigen kundzutun, dazu begleitet von einem Strome von Tränen, die den Boden benetzten. — Die Gnaden, die meine arme Seele in dieser Nacht des Glückes empfing, kann allein das heiligste Herz Jesu verstehen. Da meine arme Seele sonst so selten gegebene Gunstbezeigungen erhielt, wurde meine Seele in reiner, göttlicher Liebe entflammt und brannte so sehr, daß ich in diesen Augenblicken vor Liebe zu sterben glaubte.

Ungefähr gegen Mitternacht vernahm ich die Stimme meines gütigen Jesus von neuem. Ich elendes Geschöpf fühle mich unfähig, ihre Lieblichkeit und Milde begreiflich zu machen. Gleichwohl will mein Jesus, daß ich es niederschreibe und ich tue dies, so gut ich kann, nur um Ihm zu gefallen. Aber ach, es ist so schwer, die göttlichen Dinge in die menschliche Sprache zu übersetzen, so daß ich mich dabei nicht zu benehmen weiß, weil sie in nichts den Dingen dieser Erde gleichen.

Plötzlich sah ich mich von so glänzender Helligkeit, von so verschiedenen und schönen Farben gänzlich erleuchtet, daß ich in diesen Augenblicken nicht wußte, ob ich mich auf der Erde oder im Himmel befand. Und ich konnte in diesen Momenten himmlischen Glückes nichts anderes sagen als: "O Herr, wie majestätisch sind Deine Wohnungen! Erbarmen, Herr, Erbarmen für die armen Sünder! Beraube sie, o Herr, nicht Deiner Herrschaft! Sie sind blind; rechne ihnen nicht an, was sie Dir tun. O Herr, sie lieben Dich nicht, weil sie Dich nicht kennen." — Währenddessen sah ich mich von allen Seiten von soviel Licht umgeben, und mein Elend und mein Nichts waren so groß, daß mein ganzes Wesen das Aussehen eines kleinen, im unendlichen Meere verlorenen Sandkornes hatte. Ich blieb vernichtet und versunken in dieser Fülle des Lichtes, ohne irgendwo meinen Jesus unterscheiden zu können.

Inmitten dieser himmlischen Klarheit erschien plötzlich eine größere Helligkeit unter der Form einer glänzenden Wolke. Sie zerteilte sich schnell und ließ mich Jesus sehen, wie Er aus ihr hervorging. Er zeigte mir seine kostbaren Wunden; Fluten der Klarheit strömten aus ihnen in funkelnden und leuchtenden, auf mich gerichteten Strahlen. Ich war beschämt über eine so große Barmherzigkeit. In einem Augenblick verwandelte sich die demütige Wohnung in ein unermeßliches und wahrhaftiges Paradies.

O, wie groß ist Deine Barmherzigkeit, o Herr, für mich niedriges Geschöpf! Und wie groß ist das Herz Jesu! Wieviel Erbarmen hat es mit uns! Wie sehr liebt es uns und bettelt um unsere Liebe, nur um uns mit seinen kostbarsten Gaben zu bereichern! Dieses göttliche Herz ist die Quelle, dem alle Gnaden entströmen zur Reinigung unseres Elendes und unserer Unwürdigkeit. Und je mehr Gnaden er uns gibt, desto reicher bleibt es. Es ist eine unversiegbare Quelle, aus der alle wahren Wonnen fließen. Und wie sehr wird es verzehrt von dem unendlichen Durst nach dem Heil der Seelen! ... Deshalb besonders begehrt sein liebendes und erbarmendes Herz, sich uns zu offenbaren und über uns seine unendlichen Gnaden auszugießen, um unsere Not zu bereichern! Wie sehr bringen Ihn unsere Kälte, unsere Undankbarkeit, unser Mißtrauen gegen sein erbarmendes Herz zum Leiden!

Aus diesen Gründen verlangt Es von mir soviel Beharrlichkeit, die Dinge schriftlich aufzuzeichnen, die Er mich sehen und fühlen läßt. Damit die armen Sünder, wenn sie diese Aufzeichnungen in den kommenden Zeiten lesen, die so sehr seiner Barmherzigkeit bedürfen wegen der Undankbarkeit seiner zahlreichen Kinder, die Ihn vergessen und Ihn aus Ihrem Gedächtnis und Seinen gebenedeiten Namen aus dieser Welt auslöschen wollen, — damit diese Sünder, wie verhärtet sie auch sind, aus ihrem tiefen Schlaf und aus ihrer Verblendung erwachen, um ohne jegliche Furcht zu seinem väterlichen und erbarmungsvollen Herzen zu eilen.

So will ich Euch mit Hilfe der göttlichen Gnade in aller Demut und nach besten Kräften, wie es mir in meiner tiefen Unwissenheit möglich ist, alles sagen, was der unendlich erbarmungsvolle Herr mir zu verstehen gab in dieser ersten Nacht, die ich hier verbrachte und die mir stets in lebendiger Erinnerung bleibt.

Während ich mich also wie außerhalb dieser elenden Welt befand, hörte ich zum zweiten Mal die so milde Stimme meines Herrn und Meisters, der mit gewohnter Lieblichkeit mir befahl, mich auf die Knie zu werfen. Ich tat es und nahm meine gewohnte Stellung ein, die Arme gekreuzt und gegen mein heiliges Kreuz gestützt. Er sagte mir mit vieler Majestät:

"Meine Tochter, Du weißt bereits, daß Ich Dich in dieses Haus führte, um Deine Seele zu stärken und zu erfreuen."

"Ich will, daß Du in der Losschälung lebst und daß Dein Herz nichts Irdischem anhange. Auch ist Mein Wille, daß Du dieses Kruzifix, das Du so hochschätzest und das nicht zu der von Dir gelobten Armut paßt, in diese Wohnung, wo Du bleibst, annagelst. Ich werde bewirken, daß es hier dauernd verbleibt, ohne daß jemand es herausreißen kann, bis Deine Töchter eines Tages in künftiger Zeit es wiedererkennen und zum ersten Male dieses durch Meine geweihte Gegenwart heilige Haus verehren werden. Wenn sie diese Wohnung besuchen werden, werde Ich bewirken, daß eine von ihnen beim Anblick des Kruzifixes es als das Deinige erkennt. Angetrieben von Meiner Eingebung, wird sie ohne irgendwelche Anstrengung und ohne geringste menschliche Rücksicht seine Nägel losmachen und es mit Rührung von dem zeitlichen Herrn dieses Hauses verlangen." (Dies geschah tasächlich alles im Jahre 1924.)

Während das Herz Jesu diese letzten Worte an mich richtete, ließ es mich mit größter Klarheit die großen Pläne verstehen, die es mit diesem Hause und seiner Umgebung vorhatte. Ich erwähne sie nicht alle, weil ich Widerstreben und Scham empfinde, über diese so grandiosen Dinge zu sprechen, die das Herz Jesu in diesem Hause zu verwirklichen wünscht ... (in der Erwägung, daß ich so unwürdig bin, so außerordentliche Gnaden zu erhalten). — Es gab mir zu verstehen, daß das heilige Kreuz im Mutterhause zu Saragossa aufbewahrt und verehrt werden sollte, bis meine Schwestern die unscheinbare Wohnung, wo ich bin, bewohnen werden; und sodann wünscht mein gütiger Jesus die Verehrung des Kreuzes in dieser Wohnung selbst. Um solche Unternehmen in so schweren Zeiten zum Guten zu führen, wird Er Dinge und Tatsachen von so überraschender Art geschehen lassen, daß diese ein Anreiz für die Begeisterung der Menge sein werden. Und dank der Wunder, die das Herz Jesu an diesem Orte wirken wird, werden viele Sünder ihr verderbtes Leben aufgeben und hierher in das Haus des Herzens Jesu kommen, um ihr Gewissen zu reinigen. Es werden solche Dinge geschehen, daß dieser Ort die Bewunderung der christlichen Welt bilden wird.

Die Familie eines Jesuitenpaters hatte dieses von mir so hochgeschätzte Kreuz eigens für mich anfertigen lassen. Sie wußte nicht, wie sie sich erkenntlich zeigen sollte für alles, was wir für ihre Rettung während der Schrecken der Belagerungen (von Saragossa) getan hatten. Dieser Pater segnete es und verband eine Anzahl Ablässe mit ihm. Dann bot er es selbst mir an, damit ich es in meinem Kämmerchen verwahrte. Daher hielt ich viel auf es, weil es mir von einer so heiligmäßigen, dem Kreuze so ergebenen und in der Buße so strengen Person kam, so daß die bloße Erinnerung an dieselbe meiner Seele eine große Wohltat ist. Deshalb trug ich das Kreuz immer bei mir. In der Nacht legte ich es an mein Herz und behielt es so mit gekreuzten Armen (wie die allerseligste Jungfrau es mir in zartester Kindheit befohlen hatte).

Beim Erwachen verehrte ich es sehr zärtlich und bat es um Verzeihung und Erbarmen für die armen, armen Sünder, die es in dieser Stunde beleidigten. Es gab gleichfalls viele Seelen, die sich dank dieses Kreuzes bekehrten und mir sagten, daß sie einen großen Trost bei der Verehrung desselben empfänden. Einmal bekehrt, baten sie mich selbst, sie zur Buße und Beweinung ihrer schweren Fehler an irgendeinen stillen, zurückgezogenen Ort zu führen.

Auch die kleinen Kinder der Bewahranstalt liebten es sehr; mit welcher Herzlichkeit umarmten sie es, wenn ich ihnen sagte: "Schaut, meine lieben Kleinen, dieser ist Euer Vater; liebt Ihn und er wird Euch niemals verlassen." — Und ich sprach ihnen auch oft von der allerseligsten Jungfrau und empfahl ihnen, sie sehr zu lieben, weil sie die Mutter für alle sei. Die armen Kleinen drängten sich voll Offenherzigkeit und Zärtlichkeit um mich und sagten weinend zu mir: "Du, Du bist unsere Mutter!" – Arme Kindlein, wie sehr denke ich an Euch und wie oft bringen sie mich zum Weinen, diese kleinen Engel, wenn ich die Zuneigung sehe, die sie mir entgegenbringen; schon größer geworden, erinnern sie sich immer an mich und suchen mich eilends auf, um mir ihre kleinen Sorgen zu erzählen und mich um Rat zu fragen.

Auch empfahl ich allen meinen Schwestern, daß, wenn sie aus Gehorsam Sorge für diese armen Kinder zu tragen hätten, sie kein Opfer scheuen, nein, daß sie sie lieben und nach besten Kräften pflegen sollen, da sie keine andere Mütter mehr auf dieser Erde hätten als uns.

Was das heilige Kreuz betrifft, von dem ich schon gesprochen habe, so verlangt das heiligste Herz Jesu dieses: Von dem Tage an, wo die Schwester, die von Ihm für die Auffindung alles dessen, was ich auf seinen Befehl geschrieben habe, bestimmt wurde, es in demselben Zimmer und an derselben Stelle, von wo sie es vorher entfernte, angebracht hat, – soll es "der heilige Christus der Reinheit und des Trostes" ("El Santo Cristo de la Pureza y del Consuelo") heißen, weil viele Seelen sich bei seiner Anrufung bekehrt haben; so schwarz und unrein sie waren, so weiß und rein sind sie geworden, da sie von Ihm große Tröstungen zugleich mit der Hoffnung auf das ewige Heil erhielten. – Und wenn meine zukünftigen Töchter, die noch im Noviziate sind, in der "Escolonia" oder dem Vorbereitungshause sein werden, wird die Schwester an ihrer Spitze sie veranlassen, alle Freitage dieses heilige Bildnis zu besuchen. Sie werden von Ihm mit aller Glaubensglut bitten, ihnen auf immer Reinheit des Körpers und der Seele, Demut, Milde, Nächstenliebe und einen großen Schrecken vor jeder Sünde und jedem Laster zu verleihen, um Gott auch nicht mit dem Schatten der Sünde zu beleidigen.

In derselben Nacht ließ mich mein gütiger Jesus unter süßen Wonnen mit offenbarer Klarheit sehen, daß, sobald diese meine Schriften gefunden werden, große Gebäude in dieser Gegend zum Wohle der Seelen und der Menschheit errichtet werden und zwar ohne andere menschliche Mittel als den Glauben und ein blindes Vertrauen in sein göttliches Herz. – Dank der göttlichen Eingebung werden diese Werke erstehen, deren hauptsächlichstes Werkzeug im höchsten Grade dem heiligsten Herzen Jesu angenehm ist; sie werden zum guten Ende geführt durch den Bischof, der in den betreffenden Jahren die Diözese von Barcelona leiten wird. Er hat mir auch auf klare Weise zu verstehen gegeben, daß diese Werke ungefähr zwischen 1931 und 1940 ausgeführt werden und daß das heiligste Herz Jesu selbst diese heiligen Werke lenken wird, dadurch, daß es sein treues Werkzeug (den Bischof) zum Handeln bringt; Es wird durch übernatürliche Stimme die Herzen vieler edelmütiger Personen dieses und vieler anderer Orte zu rühren verstehen, damit die grandiosen Pläne seines göttlichen Herzens, wenn diese Werke einmal begonnen worden sind, tatsächlich und ohne Verzögerung verwirklicht werden.

In einer anderen Nacht, da ich damit beschäftigt war, meinen Leib zu kasteien, um die göttliche Gerechtigkeit zu entwaffnen und meinen so gütigen Jesus zu trösten wegen all der Sünden, die in dieser ganzen Gegend begangen werden, erschien mir Unser Herr Jesus Christus und sagte zu mir:

Selige Mutter Maria Rafols"Fahre fort, Meine Tochter, fahre fort, Deinen Leib zu kasteien, damit Mein ewiger Vater Genugtuung erhält wegen der zahlreichen Entheiligungen, die man Mich in letzter Zeit hat leiden lassen. - Ich will, Meine Tochter, daß Du die schrecklichen Entweihungen niederschreibst, die in den letzten Kriegen mehrere Bösewichte Meinem Bilde ganz in der Nähe dieses Ortes angetan haben. Der Unglücklichen waren es drei. Und die Beleidigungen, die Ich erhielt, als sie Mich entweihten, waren diese: Beim Zerschlagen des Kreuzes rissen sie mir den linken Arm heraus. Da sie sahen, daß er nicht aus Gold war, wie sie meinten, als sie das Kreuz aus dem Dominikanerkloster stahlen, suchten sie Schilfrohr und andere Äste dürren Holzes (von jenen, die Dein Bruder zum Brotkochen aufbewahrte) und zündeten hinter diesem Hause ein großes Feuer an, um das Kreuz mit Meinem Bilde zu verbrennen. Aber wie sehr sie sich auch anstrengten, es gelang ihnen nicht und nur das Kreuz wurde verbrannt (d. h. das Holz des Kreuzes) - Als die Kohlenglut sehr glühend war, warfen sie Mein Bild hinein; und in dem Augenblick, wo es hineinfiel, erloschen plötzlich die Flammen. Vergebens bemühten sie sich, es wieder anzufachen, es gelang ihnen nicht, obwohl das Holz sehr trocken war. Ich wirkte dieses Wunder, um zu sehen, ob Meine undankbaren Söhne die Augen der Seele öffnen und sich bekehren würden. Aber ihre Verblendung war derart, daß dieses Wunder sie nur verhärtete. - Da sie sich in ihrer Erwartung getäuscht sahen, erfanden sie ein anderes Mittel, Mein Bild zum Verschwinden zu bringen. Sie rafften es voll Wut zusammen und warfen es in den Weiher, der das Wasser aufnimmt, um die Mühle in Gang zu setzen. Sie meinten, daß es dort im Schlamm vernichtet würde. Da machte Ich sie zu Zeugen eines neuen Wunders, um zu sehen, ob sie sich von der Macht Meines ewigen Vaters überzeugen würden; aber alles war ganz umsonst. Gleichwohl blieb Mein Bild nicht im Schlamme stecken, wie sie geglaubt hatten; im Gegenteil, es folgte dem Lauf des Wassers und schwamm wie ein Strohhalm, strahlend in funkelnder Klarheit, die die Umgebung erleuchtete. - Einer der Schächer wurde erschreckt angesichts dieses neuen Wunders, das im Laufe dieser an Wundern so reichen Nacht plötzlich geschah (es war am Morgen des 14. September 1809, dem Feste der Kreuzerhöhung. Der Übersetzer). Er rief Meine hochheilige Mutter unter dem Namen U.L. Frau del Pilar an, wie dies in Spanien Sitte ist, und sagte mit lauter Stimme: "Verzeihe uns, was wir Deinem Sohne getan habe, Herrin! Und gelobt und gebenedeit sei die Stunde, da die hl. Jungfrau del Pilar in ihrem sterblichen Fleisch nach Saragossa gekommen ist." Da seine Gefährten diese Lobpreisungen hörten, ergriffen sie ihn wütend und warfen ihn auch in den Weiher. Aber anstatt zu ertrinken, konnte er sich mit der größten Leichtigkeit des Bildes bemächtigen; er umarmte es mit Liebe und Verehrung, verbarg es an seiner Brust und ging ganz allein aus dem Weiher. - Da entrissen es die beiden andern dem guten Schächer, um ihm eine neue Entweihung anzutun: Sie wollten ihm einen großen Nagel in den Kopf schlagen; aber trotz der Versuche, die sie an verschiedenen Stellen machten, gelang es ihnen nicht. Da sie sich nochmals in ihren Plänen getäuscht sahen, versuchten sie, die Dornen der Krone in Meinen Kopf zu treiben; aber sie brachen eher ab, als daß sie eindrangen. In höchster Wut spien sie Mich an und traten Mich mit solcher Bosheit mit Füßen, daß sie Mich in dieser Nacht von neuem alle Qualen Meiner bitteren Passion erdulden ließen. Und dann wollte Mein erbarmungsvolles Herz ein neues und vorzügliches Wunder wirken, um zu sehen, ob die beiden anderen Schächer die Augen der Seele öffnen würden. Ich machte zu Fürsprechern bei Meinem ewigen Vater Meine hochheilige Mutter und den guten Schächer, der sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, um Mein Bild aus dem Weiher zu ziehen und in Gegenwart von allen dreien bewirkte Ich sodann, daß Mein Bild sich mit reichlichem Blutschweiß bedeckte, damit sie sähen, daß Mein väterliches Herz bereit sei zum Verzeihen und von neuem sein Blut zur Rettung der armen Sünder zu vergießen. Aber ihre Verhärtung und ihre Verblendung waren derart, daß sie sich, mit Ausnahme des ersten Schächers, nicht bekehrten, obwohl sie mit eigenen Augen das Wunder der Liebe sahen. - Die beiden anderen verboten ihm unter Todesstrafe, etwas von dem Gesehenen zu sagen und gruben unverzüglich ein Loch in die Erde, um Mein Bild darin zu verstecken. Mein erbarmungsvolles Herz wünschte, daß die drei, ehe sie Mich hineinwürfen, Meine Stimme hörten und so sagte Ich ihnen mit Mitleid einflößendem Herzen: "O Meine Söhne, selbst beim Anblick solcher Wunder glaubt Ihr nicht? Was habe Ich Euch Böses getan, daß Ihr Mich so behandelt? Undankbare Söhne ... Ich versichere Euch, daß in kommenden Zeiten andere Arbeiter Mich aus dieser Grube herausziehen werden. Ihr, die Ihr blind und verhärtet seid, seid zu zweien, aber es werden vier oder fünf (eine Ungenauigkeit, die aus dem Gedächtnismangel der Mutter Rafols herrührt, die diese Tatsachen erst einige Zeit nach ihrer Offenbarung notierte) sein, die Zeuge Meiner wunderbaren Entdeckung sein werden, einer von einem außergewöhnlichen Wunder begleiteten Entdeckung, die die ganze christliche Welt mit Erstaunen erfüllen wird. Da Ihr nicht durch diese Wunder Meiner barmherzigen Liebe gerührt werdet, und da Ihr Mein kostbares Blut, das vor Euren Augen ist, so wenig zu schätzen wißt, und Ihr Euch weigert, es heute zu verehren, verkündige und versichere Ich Euch, daß das Weltall und die Erde es anbeten und in Ehren halten werden: Es wird frisch und rot bleiben bis zum 15. November des Jahres 1929. Dann werde Ich in Meiner Barmherzigkeit einen neuen Beweis Meiner Liebe geben dadurch, daß Ich andere Menschen herbeiführe, die ehrenvoll an diesem selben Orte arbeiten werden. Dank Meinem Eingreifen wird es einer von ihnen zu seinem großen Erstaunen finden und wird es mit einem "blinden Glauben" ohne menschliche Rücksicht mit Rührung seinen anderen Gefährten zeigen. Und dieses kostbare Blut, das Ihr entweiht, wird unter seinen gesegneten Händen vergehen.

(Alles hier Gesagte ist tatsächlich eingetroffen. Im Monat November 1929 warfen mehrere Arbeiter einige Gräben aus, um den Zaun zu errichten, der das Besitztum umschließen sollte, auf dem in der Nähe von Villafranca del Panadés das Landarbeiterheim steht, das unter dem Namen Ca'n Rovira bekannt ist. Dieses bescheidene Heim war ehedem eine Mühle gewesen. Daselbst wurde nach glaubwürdiger Überlieferung die nachmalige Mutter Maria Rafols, die Gründerin der Kongregation der "Barmherzigen Schwestern von der heiligen Anna" geboren. Das Mutterhaus der Kongregation befindet sich im Spital Santa Maria de Gracia in Saragossa. Es war am 15. des genannten Monats. Einer der Arbeiter entdeckte beim Graben im Erdreich einen Christuskörper aus Bronze, von etwa 15 Zentimeter Länge. Es fehlte das Kreuz und der linke Arm, der, wie leicht festzustellen war, weggebrochen war. Der rechte Arm war gewaltsam beschädigt. Als der Arbeiter den Christuskörper vom Boden aufhob, hatte er die Hände voll frischen Blutes. Erschrocken rief er den nächststehenden Arbeitskollegen und noch einen weiteren herbei. Zu fünft konnten sie das Vorhandensein des Blutes feststellen, das verschwand, als der Finder des Christuskörpers sich die Hände an seinen Kleidern abwischte. Es war kein Zweifel: Das Blut kam nicht etwa von einer Wunde, die der Mann sich beigebracht hätte. Die Fünf waren einstimmig der Meinung, es komme das Blut vom Christuskörper selber. So erzählten sie es auch den Leuten, mit denen sie zusammentrafen. Da sie für die Schwestern der Kongregation der heiligen Anna arbeiteten, so wurde der aufgefundene Christuskörper an sie übersandt. Diese Ordensschwestern hatten in Villafranca keine Niederlassung und daher wurde das Christusbild im Noviziat der Kongregation in Saragossa verwahrt. Monate vergingen. Am 2. Januar 1931 fand man im Kreiskrankenhaus in Saragossa ein Manuskript in Heftform von etwa 40 Blättern, die mit Bindfaden aneinandergereiht waren. Der Umschlag war aus Pergament. Die Schrift erkannte man als die der Mutter Rafols. Das ergab sich aus anderen Schriften der gleichen Hand, die in Aktenbündeln gesammelt waren. Einige davon gehörten zur Sammlung der offiziellen Urkunden des Krankenhauses. Aus dem Inhalt dieses Manuskriptes erfuhr man, daß der vor etwas mehr als 13 Monaten aufgefundene, verstümmelte Santo Cristo das Kruzifix sein mußte, das gemäß einer der Mutter Rafols eines Nachts in der Mühle Ca'n Rovira zuteil gewordenen Offenbarung des göttlichen Heilandes aus der Dominikanerkirche San Raimundo del Panadés gestohlen und von den Verbrechern, die es aus dem Heiligtum entwendet und zuletzt in der Nähe der Mühle verscharrten, entweiht und geschändet worden war ... Unter dem Namen "El Santo Cristo Desamparado" wurde das Christusbild Gegenstand einer feierlichen dreitägigen Sühneandacht in der Basilika Santa Maria in Villafranca del Panades. Später, am 14. September 1931 wurde es in der bischöflichen Hauskapelle in Barcelona ausgestellt, wo es von Tausenden verehrt wurde. Schließlich wurde es nach Saragossa gebracht, wo in einer Kapelle der Kirche des Noviziates der hl. Anna täglich ununterbrochen zahlreiche Gläubige davor beteten. Gruppen von Anbetern lösten sich alle halbe Stunde im Turnus ab, und jeden Abend nach der feierlichen Einsetzung des Allerheiligsten, das täglich von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends ausgesezt war, betete man öffentlich den von der Mutter Rafols für die Zeit verfaßten und bestimmten Sühnerosenkranz, wo der Santo Cristo Desamparado (der hl. "verlassene Christus") der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt sein werde.")

Voll Verwunderung für dieses außergewöhnliche Wunder, werden sie ohne Unterlaß die tatsächliche Wahrheit aufrichtig und mit blindem Glauben feierlich bekannt machen. Von diesem Wunder angelockt, werden die Gläubigen von allen Seiten hierherkommen und werden unter Anrufung dieses Bildes die körperliche Gesundheit und die Rettung ihrer Seele erlangen. Ich werde es so bewirken, daß sich in der ganzen Umgegend, wo Ich entweiht worden bin, ein Thron der Liebe für Mich erhebt, vor dem alle Sünder, die Mich gläubig anrufen, Verzeihung erlangen werden. Und eine Schar reiner und keuscher Seelen wird Mir Genugtuung leisten dadurch, daß sie allerseits die Nächstenliebe üben."

"Ich habe einen brennenden Durst, von den Menschen geliebt zu werden und wie wenige sind es, Meine Tochter, die sie Mir wahrhaft erzeigen."

"Alles dies hörten Meine undankbaren Söhne mit Schrecken; aber ihr Herz war von so hartem Stein, und der höllische Feind verblendete sie so sehr, daß fortan alles umsonst war. Mit satanischer Wut warfen sie das Bild in das Loch unter schrecklichen Lästerungen, deckten es wieder zu und trampelten heftig auf den Boden, damit kein frommer Gläubige es wiedererlangen könne. - Auf solche Weise, Meine Tochter, behandelten Mich diese undankbaren Söhne und alle schonende Liebe Meines erbarmenden Herzens fiel auf ihre Seelen wie die Strahlen einer glühenden Sonne, die mehr und mehr ihre Sünderherzen verhärtete."

"Der gute Schächer konnte sich nicht entschließen, den Ort, wo sie Mein Bild versteckt hatten, zu verlassen; aber die anderen verjagten und mißhandelten ihn und drohten ihm mit dem Tode, falls er etwas von dem sagen würde, was sie getan hatten. Da Ich sah, wie sehr er Mich liebte und wie er, von aufrichtiger Reue ergriffen, mit Weinen nicht aufhörte, belohnte Ich seine große Zerknirschung und rief ihn am selben Tage, mit Mir die Freuden Meines Reiches zu verkosten."

Die Enthüllung all dieser Tatsachen verursachte mir soviel Kummer, daß ich von diesem Augenblick an nur mehr weinen und Jesus mit all meinen Kräften lieben konnte statt jener, die ihn verabscheuten und sein liebendes Herz beleidigten. Ich verdoppelte meine Buße und betete von diesem Tage ab an all diesen Orten mit meinen beiden größeren Neffen den Rosenkranz der Genugtuung, der unten folgt. Ich wünsche, daß die vorliegende Schrift, wenn man sie findet, einer gebildeten Person von heiligmäßigem Leben anvertraut werde, damit man mit diesem Gedanken, den ich in meiner Unwissenheit weitergebe, einen vollständigeren Akt der Wiedergutmachung leiste. Man leiste ihn wenigstens jährlich öffentlich an dem Tage, wo ähnliche Entweihungen an diesen Orten begangen werden:



Rosenkranz oder Akt der Genugtuung vor dem Bilde des heiligen verlassenen Christus


Man betet fünf Zehner mit folgenden Lobsprüchen:

Conocido, alabado, querido y reverenciado sea de toto el mundo el Santo Cristo Desamparado. Respuesta: Amen.

A todos nos perdone con su amor misericordioso y en su amor todos vivamos abrazados. Amen.

Bekannt, gelobt, geliebt und verehrt sei von der ganzen Welt der heilige verlassene Christus. – Antwort: Amen.

Er verzeihe uns durch seine erbarmungsvolle Liebe; laßt uns leben von seiner Liebe entzündet. – Amen.

Bei jedem Zehner sagt man:

1. Otravez has padecidotan al vivo tu Pasión, que Sangre tu cuerpo ha sudadoy hasta la tierra ha llegadolo copioso del sudor.
Respuesta: Por tu Pasión, Jesús mio, misericordia y perdón.

1. Aufs neu hast Du gelitten lebendig Deine Leiden, Dein Leib, aufs Blut verletzet, Die Erde hat benetzet mit Schweiß im Übermaß.
Resp.: Durch Deine Leiden, Jesu mein, wolle gnädig und barmherzig sein.

2. Con penetrantes espinas coronaron de nuevo tu cabeza y apretándolas con fuerza rompen tus sienes divinas, abriéndose asi tus minas del oro de más valor.
Respuesta: Por tu Pasión, Jesús mio, abrasadme en vuestro amor.

2. Aufs neu mit scharfen Dornen bekränzen sie Dein Haupt, die in die heiligen Schläfen hinein gewaltsam dringen, kostbare Gnad' sie bringen aus Deiner Leiden Schatz.
Resp.: Durch Deine Leiden, Jesu mein, hüll' in Deine Lieb' mich ein.

3. El cuerpo Ilevas machado, y las mejillas hermosas con salivas asquerosas, tus hijos te han ensuciado, y en la hoguera te han echadoy tu rostro denegrido ha quedado.
Respuesta: Por tu Pasión, Jesús mio, misericordia y perdón.

3. Dein Leib ist ganz besudelt, und Deine schönen Wangen von Speichel sind entstellt; beschmutzt von Deinen Söhnen, im Feuer Dich zu höhnen, ist schwarz Dein Angesicht.
Resp.: Durch Deine Leiden, Jesu mein, wolle gnädig und barmherzig sein.

4. Y lo han tirado al estanque con rigor fiero e inhumano, y en vez de hundirse en el cieno, se cubrió de resplandores para convertir ladrones; pero para dos fué en vano.
Respuesta: Por tu Pasión, Jesús mio, misericordia y perdon.


4. Und in den Teich Dich werfen unmenschlich sie und grausam, doch statt im Schlamm zu sinken, Goldstrahlen Dich verklären, die Sünder zu bekehren, doch war's für zwei umsonst.
Resp.: Durch Deine Leiden, Jesu mein, wolle gnädig und barmherzig sein.

5. Y haced, mi Jesús amado, que mis ojos hechos fuentes lloren lágrimas ardientes de lo mucho que he pecado, y pues tanto te ha costado, y sois liberal dador.
Respuesta: Perdónanos, Jesús mio, y abrásanos en tu amor.

5. Bewirke, lieber Jesu mein, daß meine Augen wie Fontänen, vergießen heiße Tränen ob meiner vielen Sünden, die in Dir Sühne finden: Sei mild und edelmütig!
Resp.: Verzeihe uns, o Jesu mein, hüll' uns in Deine Liebe ein!

Um meinem gütigen Jesus für die zahlreichen Entweihungen Genugtuung zu leisten, die er an diesem Orte erduldet hatte, betete ich alle Tage, die ich in Villafranca verbrachte, den Kreuzweg mit bloßen Füßen bis zum Kalvarienberg; und auf dem Rückweg betete ich den Rosenkranz der Genugtuung, den ich Euch so sehr empfehle. An diesen Tagen bezeichnete ich für alle meine Bußen dasselbe Ziel: Ich bat Ihn um Verzeihung mit der Rettung dieser undankbaren und unglücklichen Söhne, soweit sie noch leben. Darauf antwortete mein gütiger Jesus:

"Ja, Meine Tochter, sie leben noch voller Gewissensbisse, aber es gelingt der Gnade nicht zu triumphieren. Meine erbarmungsvolle Liebe nährt die Hoffnung, daß Du mehr Buße für sie tun wirst, und daß sie sich bekehren werden."

Während Er diese so tröstlichen Worte an mich richtete, gab Er mir klar zu verstehen (wenn ich in diesem Augenblick ein gutes Gedächtnis habe), daß diese armen Unglücklichen Söhne Katalaniens waren und daß, seitdem sie diesen von schrecklichen Entweihungen begleiteten Diebstahl begangen hatten, sie nirgends Ruhe fanden; denn sie konnten das entweihte Blut nicht vergessen; sie hörten unaufhörlich die Worte, die Unser Herr an sie richtete, bevor sie Sein Bild in das Loch warfen. Als Beute des Schreckens irrten sie umher und wußten nicht, wo sie sich verbergen sollten. Daher waren sie nur noch ein Schatten ihrer selbst und im Begriff, ihrem Leben hienieden ein Ende zu machen.

Zwei Tage, nachdem Unser Herr mich all dies hatte vernehmen lassen, während ich unaufhörlich betete und Buße tat für diese beiden unglücklichen Sünder, zeigte sich mir Jesus Christus ganz getröstet und sagte zu mir:

"Halte ein, Meine Tochter, halte ein! Die beiden Seelen, die Ich Dir empfohlen habe, sind gerettet. Ich lasse Dich wissen, Meine vielgeliebte Tochter, daß sie reuevoll gestorben sind und Mich mit lauter Stimme um Verzeihung baten und Meinen Namen und Mein erbarmungsvolles Herz priesen. Bei dem Anblick ihres so heiligmäßigen Todes, haben einige ihrer Gefährten, die mit ihnen befreundet und die auf dem Wege des Bösen waren, Reue erweckt über die schlechten Taten ihres Lebens, brachen ohne menschliche Rücksicht in Klagen aus und legten öffentlich Beichte ab über alle ihre Sünden. Jetzt leben sie in Meiner Gnade."

Den Trost, den meine arme Seele über diese heilsamen Nachrichten empfand, kann allein das Herz Jesu, das in mein Gewissen schaut, begreifen.

Mein gütiger Jesus gab mir zu verstehen, daß die Bekehrung dieser beiden Seelen sehr fruchtbar sein und dazu dienen werde, den Glauben vieler seiner Söhne wiederzuerwecken, die (wenn man diese Schrift auffindet) in der ganzen Welt umhergehen, eingehüllt in eine Woge des Schmutzes und geführt von dem höllischen Geist; sie entweihen und zerstören die Tempel, zerschlagen die Bilder und wollen besonders seinen tausendmal gebenedeiten Namen in allen Winkeln und Zufluchtsstätten der Erde austilgen. (Diese Stellen und auch andere beziehen sich auf die ganze Welt und zeigen, daß der Angriff auf die Religion allgemein sein wird.)

Da ich solche Dinge vernahm, verharrte ich in peinvollem Eindruck, der sich noch verstärkte, als das Herz Jesu und die allerseligste Jungfrau, in Trübsal getaucht, mich mit noch größerer Klarheit sehen und begreifen ließen, daß sich der Geist des Bösen bis in ihr vielgeliebtes Spanien entfesseln und hier mit größerer Wucht als bei anderen Nationen ohne Unterlass daran arbeiten werde, den christlichen Glauben aus den Herzen all seiner Einwohner zu reißen. — ."Man wird besonders darauf erpicht sein, Sein Bild zu entfernen und man wird es aus den Blicken Seiner Kinder verbannen, der ganz kleinen, die so sehr von Seinem Herzen geliebt werden; man wird auch verbieten, daß ihnen Seine "göttliche Lehre" gelehrt wird, all das in der teuflischen Absicht, Ihn nicht zu erkennen!" (Vgl das Kruzifixverbot in öffentlichen Primarschulen, z.B. neulich durch das Schweizerische Bundesgericht!)

Ich empfand soviel Kummer, liebe Schwestern, daß ich nur mehr weinen konnte. In aller Demut und mit größter Liebe opferte ich meinem gütigen Jesus mein eigenes Leben auf, um solches Verhängnis von unserem geliebten Spanien abzuwenden. Darauf antwortete mir Jesus voll Liebe und Milde:

"Fürchte nichts: Welches auch immer die Mittel und Umtriebe sein werden, die Meine unglücklichen Söhne erfinden, um den Glauben in Spanien abzuschaffen, es wird ihnen keineswegs gelingen, Ich gebe Dir zu Deinem Troste und zu Deiner Beruhigung die Versicherung, daß Ich aus Liebe zu den gerechten, reinen und keuschen Seelen, die es immer in Spanien geben wird, über sie in besonderer Weise bis ans Ende der Zeiten herrschen werde und daß Mein Bild auf den Straßen und Plätzen verehrt wird."

Selige Mutter Maria RafolsMein gütiger Jesus hat mir auch zu verstehen gegeben, daß, wenn diese so verwirrten und unheilvollen Zeiten kommen werden, "das mächtigste Mittel zur Leistung öffentlicher Abbitte bei Seinem ewigen Vater die Anrufung Seiner hochheiligen Mutter unter dem Titel U.L. Frau del Pilar sein wird; sie ist die Patronin und Beschützerin unseres vielgeliebten Spanien. Und die gediegendste und der allerseligsten Jungfrau del Pilar wohlgefälligste Andacht zwecks ihrer Anrufung in dieser Zeit des Krieges, der Krankheiten und der Verfolgungen, die sich gegen unsere heilige Religion richten werden (sehr klare Ankündigung einer Periode namenlosen Verhängnisses und Unheiles) wird das betrachtende und mündliche Gebet mit der Betrachtung der fünf schmerzhaften Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes sein." — Man bete dieses Gebet nicht nur in den Kirchen, sondern auch zu Hause, da gewöhnlich die Zerrüttung des Familienherdes stets am Anfang der öffentlichen Not und des Zusammenbruches des christlichen Glaubens stand; denn was unser gemeinsamer Feind mit größter Hartnäckigkeit verfolgt, ist die Entchristlichung der Familie. Ist einmal das gelungen, so ist der Sieg des höllischen Feindes sicher. Es ist das große Übel der gegenwärtigen Zeiten und wird es stets anderer, schlimmerer, kommender Zeiten sein, das übernatürliche Leben aus dem Gesichtskreis zu verlieren und ihm nicht mehr anzuhängen dadurch, daß man sich begnügt, für die irdischen Dinge, die zur Sünde führen, zu leben. Und wie wahr sind die Worte des Evangeliums: "Die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichtes!" Deshalb ist das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der Freimaurerei, die so große Ausdehnung annimmt, die Familie christlicher zu machen dadurch, daß man das Haus und die Familie von Nazareth zum Vorbild nimmt. Gewiß, meine Schwestern, ist es sehr beklagenswert und entsetzlich anzusehen, wie die Häuser, die Tempel, die Statuen und die Klöster einstürzen ... und dennoch, wieviel schwerer ist das Übel, das der Feind verursacht, wenn er den sittlichen Zerfall der christlichen Familie vollendet. Deshalb muß vom häuslichen Herd die Wiedergeburt und das Wohlergehen der Völker ausgehen. Die Familie ist die wahre Schule des Kindes und wenn die Kinder in der elterlichen Schule vergiftet werden, wird die Nation verloren sein.

Ich bitte Euch also alle und in besonderer Weise meine Ordensschwestern, zu beten, zu opfern, mit all Euren Kräften zu arbeiten, daß in all den Familien, denen Ihr in Euren Werken der Nächstenliebe beisteht, der Rosenkranz gebetet und das heiligste Herz Jesu angerufen werde. Man kennt Es so wenig, dieses Herz voll Liebe! Man kennt Es deshalb so wenig, weil es unmöglich ist, Es gut zu kennen und Es nicht zu lieben.

Ich empfehle Euch auch, sämtliche Verfolgungen schweigend zu erdulden, ohne Rücksicht auf das Widerstreben, das unsere schwache Natur dabei empfinden kann. Indem wir uns der Vorsehung des heiligsten Herzens Jesu überlassen, lassen wir uns von Ihm in allem leiten. Niemand liebt uns so, wie dieses. Es zeigte seine Liebe auf dem Kalvarienberg und Es wird große Sorge tragen, uns all das zu verschaffen, was für unsere zeitlichen und ewigen Bedürfnisse notwendig ist. — Wir haben vor uns ein großes Vorbild: Der Herr duldete alles schweigend, und niemand wurde gedemütigt wie Er; Er erduldete alle Art Leiden aus Liebe zu uns; deshalb laßt uns, die wir Sünder sind, mit Milde die Verfolgungen erdulden, die der Herr uns schicken will, weil mit dieser Münze der Himmel erkauft wird; und wenn man uns verfolgt, so öffnen wir nur den Mund, um für diejenigen zu beten, die uns bedrängen. So tat Unser Herr Jesus Christus.Ich will keineswegs damit sagen, daß Ihr Euch einschüchtern lassen, noch als wahre Christen mit Beten aufhören sollet; im Gegenteil, die wahren Gotteskinder dürfen keine menschliche Rücksicht haben, wenn sie Gutes tun; selbst wenn die öffentlichen Bedrängnisse größer werden und der Glaube in Gefahr wäre, verloren zu gehen, müssen wir sogar auf der Straße den Rosenkranz beten. Dank dieser so mächtigen Waffe wird die Zahl der wahren Christen zunehmen und der Glaube an das Übernatürliche wird in vielen kleinmütigen Seelen, die für immer zu Grunde zu gehen drohten, gefestigt werden.

Ich war sehr betrübt, da ich alle diese Dinge vernahm, die mein gütiger Jesus mir begreiflich machte; es widerstrebte mir sehr, sie aufzuschreiben, als ich plötzlich die Stimme des Herrn hörte, der mir sagte:

"Meine Tochter, fürchte Dich nicht, Meine Befehle auszuführen. Was Du jetzt schreibst, wirst Du nicht im Ganzen verstehen; aber diese Schriften werden dazu dienen, sehr viele Seelen durch Stärkung der Geister zu bekehren; sie werden die an Meinem erbarmungsvollen Herzen zweifelnden Seelen beleben und nähren. Ich will auch, daß Du es aufzeichnest zum Troste der Kinder dieser von Meiner hochheiligen Mutter so sehr geliebten Nation, daß, wenn es zu ihrer Rettung aus den höllischen Umtrieben nötig ist, Ich sie retten und Mich dabei bedeutender Wunder bedienen werde, die zahlreiche klar mit eigenen Augen sehen werden. Und Meine hochheilige Mutter wird ihnen dann mitteilen, was sie zu tun haben, um Meinen ewigen Vater zu besänftigen und Ihm öffentliche Abbitte zu leisten."

Ich weiß nicht, - da ich mit soviel Widerstreben handle und da es für mich eine so große Qual ist, diese Dinge aufzuschreiben, - ich weiß nicht, ob ich in all diesen Schriften, die ich Euch hinterlasse, die Befehle und Wünsche des heiligen Herzens Jesu habe gut wiedergeben können; nur für Es tue ich alles dies.

Da ich diese Zeilen zu Ende schrieb, hörte ich von neuem die so süße Stimme des Herzens Jesu, das mir ungefähr folgende Worte sagte:

"Die Pläne, die Ich mit Dir vorhabe, zählen zu den größten. Du weißt wohl, daß Ich Dir seit Deiner Wiege beträchtliche Gnaden gewährt und um Dich besondere Sorge getragen habe, da Ich selbst Dein Meister bin."

Da mir meine ganze Zeit zur völligen Hingabe an das Gebet zur Verfügung steht, so empfange ich während meines hiesigen Aufenthaltes unaufhörlich reichliche übernatürliche Gnaden.

Und da ich die glühende Liebe, die ich für Unseren Herrn Jesus Christus empfinde, nicht zurückhalten kann, so bemühe ich mich, sie meinen Brüdern und meinen jungen Neffen mitzuteilen und verwandle so diese niedrige Wohnung in einen wahrhaften Schmelzofen göttlicher Liebe.

Zuerst veröffentlicht in: «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 11, März 1991, Seiten 7672-7680

Siehe auch: Neue große Offenbarung... Ver también: "Madre Maria Rafols - una vida nacida para el heroismo"

Die Erscheinung der Gottesmutter noch zu ihren Lebzeiten in Saragossa, Spanien

an den hl. Apostel Jakobus den Älteren, Sohn des galiläischen Fischers Zebedäus und der Salome, einer Verwandten der Gottesmutter. (Sein Bruder war der hl. Evangelist Johannes.)

Bekanntlich führt man in Spanien die Gründung der ersten christlichen Gemeinden auf den hl. Apostel Jakobus zurück. Insbesondere ist es die Stadt Saragossa (spanisch: Zaragoza, von lateinisch: Caesaraugusta = "Stadt des Kaisers Augustus"), welche sich dieses Vorzugs rühmt. Hier habe der Heilige auf seiner Missionsreise durch Spanien gepredigt und eine christliche Gemeinde um sich versammelt. Doch die ersten Erfolge des hl. Apostels müssen sehr gering gewesen sein. Die Überlieferung berichtet von nur ganz wenigen Personen, die das Christentum angenommen hätten. Neun Jahre war er bereits in Spanien, scheute keine Mühe, aber das Netz, das er ausgeworfen, blieb meistens leer. Da kam über ihn eines Tages ob all der Mißerfolge eine große Mutlosigkeit und Zaghaftigkeit. Bitter beklagte er sich bei seinen Gefährten, als sie am Ufer des Ebro ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Da erschien ihm, wie es heißt, die hl. Jungfrau auf einem Pfeiler von Jaspis und tröstete ihn. Sie gab ihm gleichzeitig die Versicherung, daß durch seine Nachfolger erreicht würde, was er selbst nicht habe bewirken können, sie habe dieses Reich in ihren Schutz genommen und werde es beweisen. Sie gab ihm weiter den Auftrag, an dieser Stelle eine Kirche oder einen Tempel zu errichten. Jakobus tat es, und seit dieser Zeit wird diese Kirche zur hl. Jungfrau von der Säule oder "N.S. del Pilar", genannt.

Die Stadt Saragossa, die dieses Heiligtum birgt, ist eine der größten Wallfahrtsstätten Spaniens. Immer und immer wieder ist im Laufe der Geschichte wahr geworden, wie Maria ihr Heiligtum behütet hat. Darum ist auch der Glaube und die Überzeugung der Kirche in Spanien für diese Begebenheit so stark gewesen, daß der in hohem Ansehen stehende spanische Gelehrte Martin del Rio erklärte, der dürfe für keinen Gläubigen angesehen werden, der diese Erscheinung Mariens vor dem hl. Jakobus entweder leugnet oder nicht glaubt (Martinus del Rio, disquisitionum Magicarum libri sex etc., libro II quaest XXVI Col. Agripp. 1720). Im Jahre 1723 ist dem Erzbistum Saragossa von der hl. Kongregation die Erlaubnis erteilt worden, in den Lektionen der II. Nokturn dieser frommen und alten Überlieferung (pia et antiqua traditio) zu gedenken. Diese Nachricht löste in ganz Spanien ungeheuren Jubel aus und wurde festlich begangen. Es stand ja lange fest, daß die historischen Zeugnisse für die Kirche von Saragossa schon beim hl. Cyprian, und in den Martyrerakten des hl. Vinzentius und bei Aurelius Prudentius zu finden waren. Die Kirche von Saragossa soll zu jenen gehört haben, welche die meisten Martyrer aufzuzeichnen wisse. Aurelius Prudentius nennt sie in einem Hymnus (de martyribus Caesaraugustanis) "ein Haus der Engel, das keine Erschütterung zu befürchten habe, weil es so herrliche Opfer für Christus in seinem Inneren berge, kaum die Weltstadt Rom übertreffe sie durch den Reichtum ihrer Schätze."

Kein Sturm habe sich in den Zeiten der Verfolgung erhoben, der nicht auch in dieser Stadt seine Opfer gefordert habe. Der berühmte italienische Kirchenhistoriker und Kardinal Baronius nennt Saragossa die Metropole der Martyrer. Aber immer und immer wieder wird auch im Laufe der Geschichte berichtet, wie oft wunderbarerweise Kirche und Heiligtum beschützt wurden und wie der Opfermut der Gläubigen gerade diese Wallfahrtskirche erneut erstehen ließ.

Es ist eigentlich selbstverständlich, daß uns die spanische Mystikerin Maria von Agreda, der ja die Gottesmutter ihr Leben eingehend kundgetan hat (vgl. "Die Mystische Stadt Gottes", 8 Bände, Taschenbuchausgabe, Immaculata-Verlag), auch über diese Begebenheit Genaueres mitteilte. Man würde uns sicherlich und mit Recht einer Unterlassung bezichtigen, wenn wir diesen Bericht nicht brächten.

Maria von Agreda erfuhr in ihren Visionen, daß die Gottesmutter für den hl. Apostel Jakobus zu Lebzeiten besonders betete, weil sie wußte, daß er zuerst unter den Aposteln sein Blut für den hl. Glauben vergießen sollte. Der Heiland selbst machte Maria darauf aufmerksam, wie "die Apostel Ihm auf dem Wege des Kreuzes und des Leidens nachzufolgen hätten". Sein Diener Jakobus solle der erste sein. "Er wolle, daß dieser in Jerusalem den Martertod erleide. Es sei notwendig, daß Maria denselben in Spanien besuche, und ihm den Befehl überbringe, sich nach Jerusalem zu begeben. Vorher aber müsse er in Spanien eine Kirche unter Marias Namen errichten. Maria bat, es möge ihr vergönnt sein, in dieser Kirche in Gottes heiligem Namen einen besonderen Schutz Seiner Allmacht versprechen zu können, auch daß dieser heilige Ort ein Anteil ihrer Erbschaft sein möge für alle diejenigen, welche darin Christi heiligen Namen und Marias Fürbitte um Seine Güte anrufen würden. Christus gewährte Seiner Mutter diese Bitte.

Maria wurde von den Engeln nach Saragossa gebracht. Jakobus befand sich außerhalb der Stadt. Er war in der Nähe des Ebro am Beten und hatte sich ein wenig von seinen Jüngern entfernt. Die Engel kamen mit Maria unter den Klängen himmlischer Musik. Jakobus und seine Jünger wurden innerlich ergriffen und mit himmlischem Trost erfüllt. Sie gewahrten über sich ein neues, das Mittagssonnenlicht überstrahlendes Licht. Die Engel hatten eine Säule von Marmor oder Jaspis (= fein kristallener Quarzstein), und ein Bild der hl. Jungfrau. Maria selber offenbarte sich dem hl. Jakobus auf einem Wolkenthrone, der von Engeln umgeben war. In tiefster Demut verehrte der glückliche Apostel die Mutter seines Herrn. Zugleich erblickte er die Säule und das Bild.

Die Jungfrau segnete ihn und sprach: "Mein Sohn Jakobus! Diesen Ort hat der Allerhöchste dazu bestimmt, daß du auf demselben ein Bethaus errichtest und heiligest, wo Er unter dem Titel meines Namens den Seinigen erhöht und groß gemacht haben will. Hier sollen Seine Gnadenschätze ausgeteilt werden, allen Gläubigen wird hier die alte Barmherzigkeit angeboten, welche sie durch meine Fürbitte zu erlangen suchen, wenn sie von ihnen nur mit wirklichem Glauben und gottgefälliger Andacht gesucht wird. Im Namen des Allmächtigen verheiße ich ihnen große Gnade und Segen. Dieser Tempel wird mein besonderer Erbteil sein. Zum Zeugnis dieser Wahrheit und meines Versprechens soll diese Säule hier bleiben und mein Bildnis auf dieselbe gesetzt werden. Sie wird an dem Orte, wo du die Kirche bauen wirst, mit dem heiligen Glauben bis ans Ende der Welt bleiben. Beginne unverweilt mit dem Bau. Nach seiner Vollendung gehe nach Jerusalem, dort sollst du nach dem Willen meines allerheiligsten Sohnes ihm das Opfer deines Lebens darbieten."

Die Engel stellten auf Marias Gebot die Säule mit dem Bildnis auf derselben Stelle auf, wo sie noch heute zu sehen ist. Jakobus warf sich zur Erde, und die Engel feierten mit ihm die erste Einweihung der Kirche, welche zuerst in der Welt der großen Himmelskönigin geweiht worden ist. Dies war der Ursprung Unserer Lieben Frau von der Säule zu Saragossa. ... Nachdem Maria Jakobus den Segen erteilt hatte, wurde sie von den Engeln aufgehoben und nach Jerusalem zurückgetragen. Auf ihre Bitte wurde zum Schutz der für die Kirche bestimmten Stätte ein Engel bestimmt, der noch heute daselbst wacht und wachen wird, so lange das Bild und die Säule dort sind. Bisher ist unter dem Unglauben der Juden, der Abgötterei der Römer, der Ketzerei der Arianer und unter der barbarischen Tyrannei der Mauren (Mohammedaner) und Heiden das Heiligtum unverletzt geblieben. Die Bewunderung der Christen würde noch größer sein, wenn sie von den Anschlägen, die die Hölle wider dieses Heiligtum durch jene Nationen ausführen wollte, Kunde hätten. Die Verheißung der Erhaltung dieses Tempels, obwohl anscheinend frei und bedingungslos abgegeben, schloß gleichwohl die bei vielen dergleichen Versprechungen vorausgesetzte Bedingung in sich, daß wir unsererseits durch unsere Missetaten Gott nicht zwingen, uns die versprochene und angebotene Gnade und Barmherzigkeit zu entziehen. Des Satans Trachten geht dahin, die Sünden und Laster der Menschen so groß werden zu lassen, daß durch sie die göttlichen Verheißungen vereitelt werden. Er will die Gläubigen gleichsam zwingen, jenes Heiligtum dort nicht mehr zu erhalten. Gelingt ihm das nicht, so hat er seine Absicht wenigstens daraufhin gerichtet, die Andacht und Ehrerbietung gegen jenen heiligen Tempel und damit gegen die großen Wohltaten zu verhindern, welche Maria denen verheißen hat, die darum würdig bitten.

Nachdem die Erscheinung Mariens verschwunden war, gab Jakobus seinen Jüngern, die von der himmlischen Musik und dem hellen Glanze noch ganz benommen waren, von allem übrigen aber nichts vernommen hatten, die nötige Anweisung zur Erbauung der Kirche oder Kapelle, die er noch vor seinem Weggang von Saragossa vollendete. Später haben die Katholiken jenes kostbare Gebäude aufgeführt, welches heute das Heiligtum ziert.

Der Evangelist Johannes hat von dieser Entrückung der Himmelskönigin nach Spanien keine Nachricht erhalten, Maria hat ihm auch davon nichts mitgeteilt, weil es zur allgemeinen Unterweisung der Gläubigen nicht nötig war. Als Jakobus nach der Heimkehr aus Spanien durch Ephesus reiste, teilte er seinem Bruder Johannes die Begebenheit sowie auch den ersten Besuch mit, den er bei Granada von Maria gehabt hatte. In Jerusalem machte er diese Wunder den Gläubigen zu deren Erbauung bekannt. Dieselben trugen sich vierzig Jahre nach der Geburt des Herrn zu."(Anm.: Maria war schon einmal früher dem hl. Jakobus in Spanien erschienen anläßlich einer gegen ihn gerichteten schweren Verfoglung)."

Die Erscheinung Marias zu Saragossa erfolgte in der Nacht des 2. Januar (40), vier Jahre, vier Monate, zehn Tage, nachdem Jakobus Jerusalem verlassen hatte. Er blieb noch ein Jahr, zwei Monate und 23 Tage in Spanien und starb am 25. März im Jahre 41 nach Christi Geburt. Maria war 54 Jahre, 3 Monate, 31 Tage alt, als sie zu Saragossa erschien.

Nach der Kirche zu Saragossa baute man Maria in Spanien deren noch mehrere. Spanien war unter allen Ländern das erste, worin die heilige Jungfrau noch bei ihren Lebzeiten eine ausgebreitete öffentliche Verehrung genoß.... Die Spanier sollten ihr dankbar sein...."

Dienstag, Juli 31, 2007

Die Erscheinungen und Verheißungen U.L.F. vom Berge Karmel

Sie sind gerade auch für unsere Zeit von höchster Aktualität und Bedeutung!

Saint Simon StockDas heilige Karmeliter-Skapulier oder das Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel wird so genannt, weil es ursprünglich den Karmeliten, einem der seligsten Jungfrau auf dem Berge Karmel (im Heiligen Land) geweihten Orden, gegeben ist. Es ist dieses das berühmteste und verbreitetste von allen Skapulieren. Seinen Ursprung verdankt es der allerseligsten Jungfrau Maria selber, die am 16. Juli 1251 dem heiligen Simon Stock, dem damaligen Generalprior der Karmeliten, erschienen ist. Als er General des Ordens war, hatten die Karmeliten wegen der blutigen Verfolgungen von seiten der Mohammedaner in Palästina sich in Europa niedergelassen. Aber hier entstanden neuen Verfolgungen und Drangsale. Viele einflußreiche Katholiken bestürmten den Papst Honorius III., er möge diesen Orden in Europa nicht dulden und ihn aufheben. In dieser äußersten Bedrängnis flehte der hl. Simon Stock unaufhörlich die Gottesmutter an, sie möge sich ihres Ordens annehmen und ihm ein besonderes Unterpfand ihres Schutzes schenken. Beide Bitten erhörte die gütige Mutter des Karmels. Sie erschien dem Heiligen Vater in Rom und forderte ihn auf, den Orden der Karmeliten zu beschützen; auch teilte sie dem Hl. Vater mit, daß in derselben Nacht die zwei Hauptfeinde der Karmeliten in Rom plötzlich sterben würden, was auch geschah. Am selben Tage aber - 16. Juli 1251 - erschien die Gottesmutter dem hl. Simon Stock, von vielen Engeln begleitet, und überreichte ihm das Skapulier und sprach: "Nimm hin, mein vielgeliebter Sohn, dieses Skapulier deines Ordens als ein besonderes Zeichen meiner Bruderschaft, als ein Vorrecht für dich und alle Karmeliten; wer mit diesem Kleide bekleidet stirbt, wird das ewige Feuer nicht erleiden. Siehe, es ist ein Zeichen des Heiles, eine Schutzwehr in Gefahren, ein Unterpfand des Friedens und des ewigen Bundes." Sobald dieses kostbare Versprechen der Gottesmutter bekannt wurde, wollten auch die Gläubigen in der Welt dieses unschätzbare Unterpfand eines guten Todes besitzen. Päpste und Kardinäle, Kaiser und Könige, so die deutschen Kaiser Ferdinand der II. und der III., König Eduard von England, mehrere Könige von Spanien, Frankreich, Portugal, Bischöfe und Priester und Millionen und abermals Millionen von Gläubigen haben sich mit diesem Gewande Mariä bekleidet, um sich ihres besonderen Schutzes im Leben und Sterben zu versichern und der zahlreichen Gnaden und Privilegien teilhaftig zu werden. Als Leo XI. zum Papst erwählt war und mit den päpstlichen Gewändern bekleidet werden sollte, wollte ihm einer der höchsten Geistlichen auch das hl. Skapulier abnehmen, welches er schon von seiner frühesten Jugend an beständig getragen hatte. Allein der neue Papst duldete dieses nicht, indem er die merkwürdigen Worte sprach: "Lasset mir Maria, damit Maria mich nicht verlasse." Man kann wohl sagen, daß, wie das Kreuzzeichen das unterscheidende Merkmal des Christen ist, so das hl. Skapulier ein Wahrzeichen der Kinder und Verehrer Mariä.
Die Wahrheit der Erscheinung ist in verschiedener Weise beglaubigt. Nicht nur hat Peter Swanington, der Gefährte und Beichtvater des hl. Simon Stock, diese Erscheinung auf die Angabe und das Geheiß des Heiligen hin genau beschrieben, sondern es sprechen von dieser Erscheinung als von einer wahren Tatsache mehr als hundert Schriftsteller, und zwar auch solche, die nicht Mitglieder des Karmelitenordens waren. Außerdem haben in früher Zeit die berühmtesten Universitäten, namentlich jene zu Paris und Salamanca, sich darüber zustimmend erklärt. Auch ist das Leben des hl. Simon Stock, worin die wunderbare Erscheinung beschrieben ist, durch zwei Dekrete der hl. Kongregation vom 20. Juni 1609 und 12. Juni 1628 als wahr und richtig bestätigt worden. Der große Papst Benedikt der XIV. sagt in einem Werke, er halte diese Erscheinung nicht nur für wahr, sondern er sei auch der Meinung, daß sie von allen für wahr gehalten werden sollte. Der hl. Simon errichtete nun die vom apostolischen Stuhl bestätigte Bruderschaft zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Nicht weniger als 32 Päpste bereicherten sie mit Ablässen und so fand diese Bruderschaft eine rasche Verbreitung in der ganzen Christenheit. Viele auffallende Bekehrungen großer Sünder, die das Skapulier trugen, zeugen für die Verheißungen Mariä. Nur zwei wunderbare Bekehrungen sollen hier angeführt werden:
1. Das erste Wunder, das Gott mittels des hl. Skapuliers durch den hl. Simon Stock wirkte, berichtet Peter Swanington, der Beichtvater des Heiligen:
Es war am 16. Juli, als der selige Simon Stock sich nach Winchester begab. Ich begleitete ihn auf diesem Wege. Da geschah es, daß Herr Petrus von Hynthon, Dekan der Kirche St. Helena zu Winchester, in großer Eile dahergeritten kam und schnell den Seligen dringend bat, er möge doch schnell zu ihm kommen, um seinem leiblichen Bruder beizustehen, der in Verzweiflung dahinsterbe. Dieser Bruder hieß Walter. Er war ein anmaßender, frecher und streitsüchtiger Mensch, ein Verächter der hl. Sakramente. Als er eines Tages einen Edelmann beleidigt hatte, wurde er zum Zweikampf herausgefordert und erhielt dabei eine tödliche Wunde.
Da er nun bald vor dem Richterstuhl Gottes zu erscheinen hatte, wollte ihn der Teufel in Verzweiflung stürzen, indem er ihm alle während seines ganzen Lebens begangenen Verbrechen vor Augen stellte. Demzufolge wollte der Kranke weder von Gott noch von den hl. Sakramenten etwas hören, sondern rief ohne Unterlaß "Ich bin verdammt! Du, o Teufel, sollst mich an meinen Mördern rächen!"
Als wir in dem Hause eingetreten waren, fanden wir ihn schäumend vor Wut. Er war gewissermaßen wie ein wildes Tier anzusehen und erweckte nicht mehr den Eindruck eines vernünftigen Menschen. Als der selige Vater sah, daß der verzweifelnde Sterbende schon dem Tode nahe sei, machte er das Zeichen des Kreuzes über den Kranken, legte ihm das hl. Skapulier auf, erhob seine Augen zum Himmel und bat Gott für diesen Unglücklichen um die nötige Zeit, um sein Gewissen in Ordnung zu bringen, damit diese mit dem Blute Christi erkaufte Seele nicht ein Raub der Hölle werde. Plötzlich, o Wunder, kam der Sterbende wieder zu sich, erlangte neue Kräfte, bezeichnete sich mit dem heilsamen Zeichen des hl. Kreuzes und vergoß einen Strom von Tränen. Dann rief er mit lauter Stimme: "Ach ich Armseliger! Welchgroßer Schrecken ergreift mich vor der ewigen Verdammnis! Die Zahl meiner Sünden übersteigt die Zahl der Sandkörner am Ufer des Meeres! 0 Gott, dessen Barmherzigkeit die Gerechtigkeit überragt, erbarme Dich meiner ... Und Du, o mein Vater, hilf mir, ich will beichten."
Bei diesen Worten zog ich mich in ein anderes Zimmer zurück. Während der Kranke beichtete, erzählte mir sein Bruder, der Herr Dekan Petrus, daß, als er dessen unbußfertige Hartnäckigkeit wahrnahm, er sich ganz allein in ein Zimmer begab und daselbst betete. Beim Gebete hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: "Petrus, stehe auf, suche meinen geliebten Diener Simon! Er ist soeben auf der Landstraße; führe ihn herbei!" Ich wende mich um und will sehen, woher die Stimme komme, kann aber niemand entdecken. Die Stimme wiederholt zum zweiten und zum dritten Male dieselben Worte. Ich folgte dieser Stimme, stieg eilig aufs Pferd und war der sicheren Überzeugung, daß ich dem ehrwürdigen Vater begegnen müsse. Gott sei Lob und Dank, ich habe ihn gefunden."
Nach der hl. Beichte gab der Sterbende große Beweise einer wahren und aufrichtigen Bußgesinnung, machte sein Testament und forderte seinem Bruder einen Eid ab, daß er alles, was und wie er es ihm angegeben, gutmachen und ausgleichen werde. Seinem Feinde verzieh er aufrichtig und edelmütig. Hierauf empfing er die hl. Sakramente. Gegen acht Uhr abends verschied er im Frieden des Herrn. Nachher erschien er seinem Bruder; um ihn von der Rettung zu überzeugen, sagte er, daß er sich wohl befinde, indem er durch den mächtigen Schutz der Himmelskönigin und durch das hl. Skapulier gleichsam wie durch einen Schild den Anfechtungen des bösen Feindes entgangen sei. Der Ruf von diesem Wunder verbreitete sich sogleich in der ganzen Stadt. Petrus, der Dekan von St. Helena, ließ zum Dank für dieses durch die allerseligste Jungfrau an seinem Bruder gewirkte Wunder den Karmeliten in Winchester ein großes Kloster bauen.
2. Und nun die zweite Bekehrung.Im Jahre 1838 kam die Todesstunde für den französischen Bischof Talleyrand. Dieser war im Jahre 1788 Bischof von Autun in Frankreich geworden. Als aber einige Jahre später die französische Revolution ausbrach, wurde er der katholischen Kirche untreu und leistete den Eid auf die gottlose französische Verfassung. Er war zwar ein schlauer und erfolgreicher Staatsmann; aber sein unmoralischer Lebenswandel war ein großes Ärgernis für die ganze katholische Welt. So lebte er weiter in seinen Sünden, bis ihn die letzte tödliche Krankheit befiel.
Und auf dem Sterbebett bekehrte sich dieser große Sünder aufrichtig. Er widerrief alles, was er gegen die katholische Kirche getan und gesprochen hatte und starb eines wahrhaft bußfertigen Todes. Alle Welt staunte, und man fragte den Abbe Dupanloup, der Talleyrand im Sterben beigestanden: "Welchem Umstand schreiben Sie die auffallende Bekehrung dieses großen Sünders zu?" Abbe Dupanloup antwortete: "Dieselbe Frage richtete ich an den sterbenden Talleyrand und statt einer Antwort zog er das Skapulier Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel hervor, von dem wir nicht wußten, daß er es beständig getragen hatte, zeigte mir das Bild der Gottesmutter, küßte es unter Tränen. Das war seine stumme, aber doch so beredte Antwort. Jedenfalls hat er auch täglich ein kleines Gebet zur Gottesmutter verrichtet, deren Schutzkleid er so beharrlich trug."
Die Hölle hat, durch den Mund von Besessenen gezwungen, geoffenbart, daß ihr keine Priester mehr schaden, als jene, welche die Andacht zu Maria und das heilige Skapulier verbreiten. Aus einem Besessenen rief einmal ein Dämon: "0 Kleid, wie viele Seelen hast du mir und der Hölle entrissen!"
Manche meinen, daß recht schwere Bedingungen zu erfüllen sind, um eines so großen Vorrechtes teilhaftig zu werden. Dem ist nicht so. Es ist nur erforderlich:
1. Daß man von einem bevollmächtigten Priester mit dem hl. Skapulier bekleidet wird;
2. daß man das Skapulier stets bei Tag und Nacht trägt;
3. daß man in das Bruderschaftsbuch eingetragen wird;
4. daß man im allgemeinen die Muttergottes verehrt, wie dieses schon durch jedes Ave Maria geschieht. Besondere Gebete sind nicht vorgeschrieben.
Die allerseligste Jungfrau zeichnete aber den ihr so wohlgefälligen Orden nicht bloß in dieser Welt mit vielen Vorrechten aus, sondern wendete, da sie ja überall durch ihre Macht und Fürbitte viel vermag, ihre mütterliche Liebe auch ihren mit dem heiligen Skapulier aus dem Leben geschiedenen Kindern zu. Diese Zusicherung einer besonderen Hilfe nach dem Tode wurde dem Karmelitenorden und der Skapulierbruderschaft etwa 70 Jahre nach der Überreichung des hl. Skapuliers zuteil, indem die seligste Jungfrau sich würdigte, wie die alte Ordenstradition zu berichten weiß, Papst Johannes XXII. zu erscheinen und ihm den Karmelitenorden zu empfehlen, wobei sie ihrerseits versprach, den Seelen der Mitglieder im Fegfeuer zu helfen, sie zu trösten und sobald als möglich, namentlich an Samstagen nach ihrem Hinscheiden, zu befreien. Papst Johannes XXII. veröffentlichte diese Gnade mittels einer eigenhändig ausgefertigten Bulle vom 3. März 1322 zu Avignon. Diese Bulle wird wegen der für den Samstag zugesicherten Befreiung "Bulle Sabbatinum" genannt. Sie wurde von mehreren Päpsten bestätigt. Das hl. Offizium aber hat nach 3 - 4-jähriger genauer Untersuchung durch ein eigenes, von Paul V. bestätigtes Dekret unter dem 15. Februar 1613 erklärt, daß die Karmeliten dieses Privilegium auf die eben angezeigte Weise öffentlich predigen dürfen. Alexander V. bestätigte diese Bulle am 7. Dezember 1409, mehrere andere Päpste wie Clemens VII., Paul II., der hl. Papst Pius V., Gregor XIII., Clemens X. haben diese ausgezeichnete Vergünstigung neuerdings ausgesprochen. Wir sehen, wie Maria ihren Kindern nicht nur im Leben, sondern auch nach dem Tode, im Fegfeuer der Reinigung, als die liebreichste Mutter zu Hilfe kommt. Darum ruft der heilige Alfons von Liguori aus: "0 wie glücklich sind die Verehrer der seligsten Jungfrau, auch im Fegfeuer sind sie nicht vergessen."
Will jemand das Samstagsprivilegium oder der Gnade der baldigen einstigen Befreiung aus dem Fegfeuer teilhaftig werden, so ist überdies noch Folgendes zu beachten:
1. Man soll sich der standesgemäßen Reinheit befleißigen,
2. die kleinen Tageszeiten beten oder am Mittwoch und Samstag sich der Fleischspeisen enthalten;
3. kann man den Anforderungen der, Tagzeiten oder der Abstinenz nicht nachkommen, so erbitte man sich von einem bevollmächtigten Priester eine Umänderung.
Um aber allen Gläubigen das Tragen des hl. Skapuliers zu ermöglichen, hat der hl. Vater Pius X. erlaubt, daß statt des hl. Skapuliers die Skapuliermedaille getragen werden darf. Die Skapuliermedaille muß auf der einen Seite das Bild des göttlichen Herzens Jesu tragen, auf der anderen Seite irgendeine Darstellung der Gottesmutter. Diese Medaille muß als Skapuliermedaille gesegnet werden.
Die Brüder und Schwestern der Skapulierbruderschaft haben Anteil an den vielen Gebeten, guten Werken und Verdiensten der Millionen von Mitgliedern der ganzen Welt und gewinnen somit täglich auf leichte Weise einen unendlich reichen Schatz von Verdiensten, dessen großen Wert sie erst in der Ewigkeit erkennen werden. Die Mitglieder werden auch angesehen als Brüder und Schwestern des Karmelitenordens und als solche sind sie durch Verleihung des Papstes Clemens VII. im Leben und im Tode teilhaftig aller heiligen Messen, Kommunionen, Gebete, Bußwerke, Fasten, Predigten und aller guten Werke des gesamten Ordens. Zu dem Orden der Karmeliten gehören viele große Heilige, wie ein hl. Andreas Korsini, ein hl. Albert von Sizilien, ein hl. Petrus Thomas, eine hl. Magdalena von Pazzis, ein hl. Johannes vom Kreuz, eine große hl. Theresia, eine Theresia vom Kinde Jesu, eine hl. Margareta Redi, ein sel. P. Eberhard Billik, ein gottsel. Frater Johannes Brunner, ein gottsel. Fr. Sebaldus Gerl, ein gottsel. Fr. Alois Ehrlich, gottsel. P. Johannes Brenninger und viele andere Diener und Dienerinnen Gottes, an deren Gebeten und Verdiensten die Brüder und Schwestern Anteil haben. Der Verfasser des römischen Brüderschaftsbüchleins, Pater Grassi, ruft wegen der letztgenannten Gnaden des hl. Skapuliers begeistert aus: "Wahrlich eine große Gnade des hl. Skapuliers, teilhaftig zu werden aller Gebete, Nachtwachen, Almosen, Fasten, hl. Messen, Wallfahrten, Abtötungen, Bußwerke, aller Mühsalen, die ertragen werden bis zur Vergießung des Blutes, wie des Verlustes des Lebens unter den Ungläubigen, für die Verbreitung des Glaubens, überhaupt alles Guten, das in der ganzen Welt in so vielen Karmelitenklöstern durch Vermittlung der seligsten Jungfrau geschieht.
Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß das hl. Skapulier nicht nur ein Zeichen des Heils, ein Unterpfand des ewigen Friedens und Bundes, sondern auch eine Schutzwehr in Gefahren ist. Viele haben durch das hl. Skapulier Rettung erlangt in Krankheiten, in Feuersbrünsten, in Gefahren des Ertrinkens, in tödlichen Verwundungen, in Gefahren der Verführung und in vielen anderen, sowohl leiblichen wie geistigen Nöten, wie eine Menge Beispiele in der Geschichte der Bruderschaft bekunden. Außerdem haben 32 Päpste die Bruderschaft mit Ablässen bereichert, wie schon angegeben, die man gewinnen kann an den Festen des Herrn, der allerseligsten Jungfrau, besonders der Toties-quoties-Ablaß am 16. Juli, dem Hochfeste Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, dem Feste des hl. Josef und der vielen Feste von Ordensheiligen.
Aus all dem Gesagten solltest Du, lieber Leser, nicht zögern, dich mit dem hl. Skapulier bekleiden zu lassen. In unseren Klöstern zu Bamberg, Straubing, Bad Reichenhall, Mainz, Wien, Springiersbach, Kirchwiedern, Beilstein, Fürth, Schlüsselau, Wölfnitz, Regensburg, München, Schwandorf, Neumarkt, Reisach, Wüzburg, Regensburg-Kumpfmühl, sowie in den Kirchen, wo die Skapulierbruderschaft kanonisch errichtet ist, wie in Hollfeld, Pettstadt, Mussenhausen, Döringstadt, Aufham, Großgmain, Mainburg, Habsberg, Laufen, Baumburg, Kirchanschöring, Fährbrück, Fladungen, Mittelstreu, Rödelmaier, Eichelsee, Gelchsheim, Röttingen, Tückelhausen, Hofheim, Vasbühl, Greßthal, Schwemmelsbach, Rütschenhausen, Oberschwarzach, Buhler, Zellingen, Herbstadt, Lengfurt, Urspringen, Stammheim, Lahm über Kronach, Isling, Langensendelbach, Büchenbach, und so vielen Kirchen aller Diözesen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gibt es immer Gelegenheit, dich einkleiden zu lassen. Das hl. Skapulier ist ein Schild gegen alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Die Muttergottes wünscht es aus ganzem Herzen. Das sagt uns ja auch ihre Erscheinung als Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel am 13. Oktober 1917 zu Fatima. Seid dann auch Apostel für eure Mitbürger und Mitschwestern und verbreitet diese Andacht nach bestem Können. Möchten doch alle Priester eifrige Apostel der Skapulierbruderschaft sein und sich nicht von weltlicher Klugheit leiten lassen. Viele Seelen gehen verloren, weil sie nicht zu Maria geführt werden. Der böse Feind haßt alles, was zu ihrer Ehre geschieht; auch das Tragen des Skapuliers.
Maria, Königin des heiligen Skapuliers, bitte für uns!

P. Thaddäus Ballsieper

(Entommen dem Aufsatz "La voz de los Papas y el Escapulario" aus der Zeitschrift "El Carmelo" II, Nr. 8, p. 218, C. Alboraya, 47, Valencia.) Zuerst veröffentlicht in «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 6-7, November 1990, Seiten 7545-7548.

Dienstag, Mai 29, 2007

Die wunderbare Erscheinung Unserer Lieben Frau auf dem Wesemlin, Luzern

Unsere Liebe Frau vom WesemlinWALLFAHRTSGEBET:
Allerreinste Jungfrau und glorwürdigste Mutter Gottes Maria! Ich, dein bedürftiges Pflegekind, verehre, lobe und preise dich in dem Throne der Gnaden und der Herrlichkeit des Himmels, und in diesem heiligen Bildnis auf Erden; ich rufe dich an mit demütiger Bitte und festem Zutrauen, erlange mir von deinem göttlichen Kinde Verzeihung meiner Sünden und der verdienten Strafen, Hilfe in aller Not, sowie Stärke wider die bösen Anfechtungen, kräftige Gnade zur Tugend und Beharrlichkeit im Guten bis an das Ende. Durch Jesus Christus, deinen göttlichen Sohn, der dich allhier glorreich gemacht hat. Amen.
Vater unser. Ave Maria.


Tu gloria Jerusalem, tu laetitia Israel!
Du bist der Ruhm Jerusalems, du die Freude Israels! (Judith 15,10)


Pfingsten ist das Fest des Hl. Geistes. An diesem Tage hat der Hl. Geist, die dritte Person in der Gottheit, feierlich und öffentlich seine Wirksamkeit begonnen, hat das Wort erfüllt, das der Erlöser den Aposteln gegeben: „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, damit er in Ewigkeit bei euch bleibe." (Joh. 14,16).
Der Hl. Geist hat das Wort des Heilandes hier auf Erden fortgesetzt und will es seiner Vollendung entgegenführen durch seine beständige Hilfe und Leitung, durch seinen Trost und seine Gnadengaben.
Er hat die Apostel belehrt über ihren Beruf und sie bis an die Enden der Erde geführt.
Er hat in drei Jahrhunderten der Trübsal und Verfolgung die Märtyrer zu ewiger Siegeskrone vorbereitet.
Er hat uns die Kirchenlehrer gegeben, durch sie die himmlischen Wahrheiten dem menschlichen Verständnis erschlossen.
Er hat durch die Wechselfälle der Jahrhunderte die Kirche geleitet und sie geschmückt als seine Braut in einer wunderbaren Liturgie, im kirchlichen Gesang, in den herrlichen Bauten der Dome und Münster, in den zahllosen Heiligtümern und Gnadenstätten.

Wandern wir zurück ins sechzehnte Jahrhundert.

Eine erste Stufe jener Zeit, eine erste Generation des sechzehnten Jahrhunderts war bereits vorüber. Der schwere Schlag war geschehen. Die Glaubenseinheit in Deutschland und in der Schweiz war zerrissen, die Glaubenstrennung zum Durchbruch gekommen. Die bekannten Glaubensdisputationen zu Baden und Bern waren darüber geschehen. Im Vaterland (in der Schweiz) standen sich zwei Lager gegenüber. Eine tiefe Kluft hatte sich zwischen die Brüder gelegt. Hüben und drüben waren die Gemüter aufs heftigste erregt. Die religiösen Kämpfe hatten auch ins Politische hinübergeschlagen und die Zeiten waren sehr ernst geworden. Auf beiden Seiten suchte man Hilfe von außen. Die inneren Gegensätze wurden äußerst scharf. In Luzern wollte man um jeden Preis das kostbare Gut des heiligen katholischen Glaubens bewahren. Von Zürich aus suchte man mit aller Kraft der neuen Lehre auch in Luzern und in den Ur- und Altkantonen Eingang zu verschaffen. Man wollte der neuen Weltanschauung und Lehre Zwinglis gleichsam eine Gasse machen. Es war namentlich Ulrich Zwingli, der dabei auch zur Gewalt aufrief. Es kam dazu, daß die protestantischen Kantone den fünf Orten den Absagebrief zusandten. Krieg war's, Bruderkrieg! Die Heere zogen nach Kappel. Aber der alte eidgenössische Sinn und die Unterhandlungen der Führer brachten es – zur bekannten Milchsuppe von Kappel – und dann – zum Friedensschluß. Man reichte sich die Hände und jeder blieb unter den neuen Verhältnissen auf seinem Gebiete. Doch die Gemüter waren nicht beruhigt. Es ist geschichtliche Tatsache, daß von Zürich aus die neue Lehre mit Gewalt verkündet wurde. Scharfe Worte fielen hüben und drüben. So klagten Zwingli und der Rat von Zürich die Innerschweiz an: es seien heftige Worte gegen die neuen Führer gefallen. Man verlangte Sühne. Die Regierung von Luzern war bereit, einige Überbordende zu bestrafen, wenn die Tatsachen arger Beleidigung festgestellt werden könnten, obwohl auch Luzern über schwere Inzichten von der andern Seite her sich beklagen konnte. Aber Zürich verlangte als Sühne Raum und Freiheit, um die neue Lehre ungehindert auch in der Innerschweiz zu verkünden. Es war der Gedanke aufgeglüht: es ist vielleicht möglich, die Innerschweiz doch allmählich ganz loszutrennen – vom alten Glauben, loszutrennen von der heiligen Kirche. Es wurden die Dinge immer ernster. Hüben und drüben wuchsen Zorn und Begeisterung immer mächtiger und gewaltiger. Vorabend vor einem Gewitter!
Blicken wir aber für einige Augenblicke in die Verhältnisse Luzern. Gewiß konnte man damals auch in Luzern gewisse Niedergänge beobachten. Wenn man sich etwas an die vorangehenden Zeiten erinnert, da die Päpste in Avignon, statt in Rom, residierten, wenn man der nachfolgenden zwiespältigen Papstwahlen gedenkt und gewisser revolutionären Strömungen im kirchlichen Leben, dann versteht man tiefe Niedergänge auch auf religiösem Gebiete und im katholischen Volke. Da und dort hatte sich eine gewisse Gleichgültigkeit und Übergemütlichkeit herausgebildet. Es wurde namentlich auch die Predigt und der Religionsunterricht da und dort vernachlässigt. Nichtsdestoweniger lebten in Luzern überwiegend der katholische Sinn, katholische Glaubensfreudigkeit der Gewissen – unerschütterlich: Wir stehen treu zu Christus, wir stehen treu zum ganzen Christus, wir stehen treu zur ganzen Kirche. Seit längerer Zeit hatten sich aufbauende, erneuernde Bewegungen geltend gemacht. Das Leben und Wirken des seligen Bruder Klaus hatte auf lange Zeit hinaus fruchtbar gewirkt. Die Bestrebungen der sogenannten Gottesfreunde verinnerlichten manche Kreise. Der hervorragende Chorherr und spätere Propst Hans Bodler war ein eifriger Katholik, ein tief überzeugter Seelsorger und mutiger Bekämpfer des neuen Glaubens, ein scharfer Gegner Zwinglis. Auf der Kanzel der Hofkirche predigte damals mehrere Jahre der geistvolle, seeleneifrige, ab und zu etwas derbe Apologet: der Franziskaner Thomas Murner, ein hervorragender Bestärker im katholischen Glauben, ein Hauptgegner Zwinglis. Die Regierung berief von auswärts den sehr tüchtigen Pfarrer Forrer, der vorbildlich wirkte. Die Regenten selbst standen mit goldener Treue zum Papst, zum Bischof, zur Kirche. Das war die Lage in unserm Kanton Luzern und insbesondere in der Stadt Luzern, als die Wolken des neuen Gewitters aufstiegen, die ich eben zu schildern versuchte. Ähnlich stand es in den inneren Landen.
Eines müssen wir bewundern: es lebte schon damals ein gewisses Zusammenwirken von Geistlichkeit und Laien, eine Art actio catholica, eine Art katholischer Aktion, die sich der kommenden Gefahr bewußt war.
Die Gegensätze wurden immer schärfer: Zürich dachte an Krieg, Bern riet ab, die Glaubensdisputationen waren schon längst vorüber. Da einigten sich die Gegner: die inneren Kantone durch eine vollständige Proviantsperre und allseitige Marktsperre für inländische und ausländische Waren zu zwingen, der neuen Lehre ihre Tore zu öffnen. Man dachte sich's: Durch Hunger erschüttert, wird das Volk von selbst mutlos und es wird sich eine Gasse für den neuen Glauben auch nach Luzern und in die inneren Kantone öffnen lassen. Wir müssen diese Dinge im Geiste der damaligen Zeit betrachten. Die Verhältnisse gestalteten sich immer schärfer. Es war zu Pfingsten, am Vorabend von Pfingsten. als von Zürich aus – nach langen. vergeblichen Verhandlungen – die scharfe Marktsperre unwiderruflich verhängt wurde für inländische und ausländische Waren. Nun war die Lage hochernst geworden. Was sollte der Winter bringen? Die damalige Wirtschaft der inneren Kantone war durchaus abhängig vom Außenhandel. Ernste Männer sagten sich, es klopfen die furchtbarsten Dinge an: Hungersnot und Elend. Auf der andern Seite sagte man sich: ein gebrochenes Volk fühlt auch die menschlichen Schwächen, dann wird die neue Lehre wie erlösend wirken.
Das ist die geschichtliche Vorstufe. Nun stehen wir vor dem Geschehnis und dem Geheimnis, dessen wir hier gedenken.

Das Geschehnis und Geheimnis von Pfingsten 1531

Pfingsten, die hohe Feier war angebrochen. Pfingsten war auch damals das Fest des Mutes und der Kraft. Pfingsten ist ein Christusfest. An Pfingsten erst vollendete Jesus Christus sein Werk. Darum ist Pfingsten auch Hochostern, Vollostern. Pfingsten ist das Hochfest des Heiligen Geistes, der das von Christus gebaute Schiff der Kirche belebt und auf das Meer der Welt entsendet! Pfingsten ist aber auch ein Marienfest. Mitten in der Apostelschar steht sie, leuchtend wie die Morgenröte.
Damals stand auf dem Wesemlin, da wo jetzt der Hochalter der Kirche sich befindet, eine uralte Kapelle, in jener Zeit beinahe ein Trümmerhaufen. Sie war einst eine stille, heilige Andachtsstätte, klein an Umfang, aber beim Volke beliebt. Mit der Zeit geriet sie in Vergessenheit und stand als halbe Ruine da. Hier im Lande war zwar alles katholisch, aber wie es in ernsten Zeiten sich ereignet: es gab auch in Luzern Geister, die mit der Gegenpartei sympathisierten, und da und dort begannen, wenn auch selten, die Anzeichen des Bildersturmes sich zu zeigen. Man versündigte sich an kleinen Heiligtümern. Man wagte nicht, in die großen Kirchen einzudringen. Aber einige Stürmer versuchten sich an Wegkreuzen und kleinen Kapellen. So geschah es, daß die halbverfallene Wesemlinkapelle beinahe vollständig niedergerissen und das Muttergottesbild an heiliger Stätte in Stücke geschlagen wurde. Nun stand denn dieses Heiligtum da wie eine sinnbildliche Frage: Soll auch in Luzern Maria enthront, entkrönt werden – so viel es an den Menschen lag? Soll ein Sturm losbrechen gegen das katholische Gut, gegen die Erbschaft Christi und der Kirche?
In der Nähe der Kapelle besaß der vornehme Mauritz von Mettenwyl neben seinen Häusern in der Stadt ein Landgut. Es grenzte an jene Kapellenruinen. Wir wissen, daß er sich am Pfingstabend des Jahres 1531 auf stillen Wegen in der Nähe des zerstörten Heiligtums erging. Mettenwyl war ein nüchterner, besonnener, tüchtiger Mann, ein hervorragender Soldat. Er war – im Geiste und nach der Gewohnheit jener Zeit - in höheren Kriegsdiensten in Frankreich gestanden. Dann hatte er eine Reihe von Ämtern in der Stadt inne. Er war Mitglied des Großen und später des Kleinen Rates geworden. Auch verwaltete er zu Zeiten einige Vogteien. Ganz besonders aber lag ihm später das Amt des Spitalmeisters ob. Mit Hilfe seiner edlen Gattin besorgte er in der Stadt die Armen, die Kranken, die Pfründner, die Reisenden. Es leuchtete in seinem Leben ein gewisser sozialer Zug, eine Art lieblicher Verbindung zwischen Religiosität und Humanität. Dieser Mann wandelte am Pfingstabend 1531 ernsten Sinnes über das Wesemlin. Es war am 18. Mai. Er steht in der Nähe der jetzt zerfallenen Kapelle. Sein Gemüt ist tief bedrückt. An Pfingsten, an der Vigil von Pfingsten war die fürchterliche Entscheidung gefallen. In die Pfingstfestfreude und das Pfingstlicht züngelten unheimliche Flammen hinein. Soll es zur äußersten Gefahr kommen? Werden Hunger, Elend, Not ins Land einziehen? Werden schwerste religiöse, innerliche Pflichten und Entscheide an ein durch Not gebrochenes Volk herantreten? Oder sollen wir vorher, noch zur rechten Stunde mit Gewalt in Notwehr das heilige Recht uns holen, wenn alle Verhandlungen scheitern? Da kniet von Mettenwyl nieder und betet. Es war ihm wohl wehe um das zerfallene Heiligtum. Er dachte weiter, tiefer! Ist diese Ruine dort wohl ein Symbol von Ruinen, die unser Land bedecken sollen? Soll der Kampf sich ganz besonders gegen Maria wenden? Mettenwyl versank in tieferes Gebet. Wie schön ist es, – wenn Männer beten! Während er so betete, sah er über der Felsplatte, wo die Ruine stand, einen Nebel aufsteigen und einen Lichtglanz hervorbrechen, der sich nach und nach in einen Strahlen-kranz verwandelte. Und in der Mitte dieser Strahlensonne sah Mettenwyl das Bild einer Jungfrau, rein und herrlich; auf den Armen trug sie das Kind. Mettenwyl war überrascht. Er weiß nicht, was er sich sagen soll. Er betet! Aber immer klarer stand das Bild. Und er begrüßte es: Du bist – Maria! Du bist die Morgenröte, die aufgehende – der Morgenstern – du bist immer der Ruhm Luzerns gewesen – du warst ja immer Schützerin und Helferin und Freude und Ehre unseres Volkes. In diesem Geiste ungefähr, wenn auch nicht mit diesen Worten, obwohl sie damals in Luzern nicht unbekannt waren, huldigte Mettenwyl – Maria. Er gewann die Mannesüberzeugung: Übernatürliches geschaut zu haben. Er behielt die Sache zunächst für sich. Wahrscheinlich hat er aber doch dem Pfarrer der Stadt am Pfingstmontag darüber Mitteilung gemacht.
Was ich jetzt erzählt habe, können wir urkundlich belegen. Wir besitzen durchaus beglaubigte Abschriften einer Urkunde, deren Original noch bis in späte Zeiten vorhanden war, bis Abschriften und Abdrucke sich gemehrt hatten. Sie stammt eigentlich von Mauritz von Mettenwyl selbst. Sein Sohn nämlich, der spätere Stadtschreiber von Luzern, hat die Urkunde über die Erscheinung im Auftrag seines Vaters verfaßt. Diese ausführliche Urkunde hing später in der neugebauten Kapelle auf dem Wesemlin, von der wir noch sprechen werden, ja noch lange Zeit in der noch später erbauten Kapuzinerkirche. Der berühmte Stadtschreiber Renward Cysat hat zu seiner Zeit davon an Ort und Stelle eine Abschrift genommen, das Wichtigste der Urkunde zusammenfassend, und seinen Sammlungen einverleibt. Auch er hat die Vision von Mettenwyl als geschichtliche Tatsache sowohl in jenen Sammlungen als in seiner Wallfahrtsgeschichte hingestellt, obwohl er sonst recht kritisch über Außerordentliches urteilt.

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Zu wissen (sei) und offenbar sei allen christgläubigen Menschen, daß eine lange uralte Zeit her auf diesem Platz und einem Stein oder Felsen ein kleines Käppelein mit trockener Mauer darauf gebauen, und darinnen ein Bild Unserer Lieben Frauen gestanden ist, derselben Bildnis etliche wenig geachtet, noch keine Ehre angetan, also daß solche Kapelle dachlos halb, auch durch Übermütige und Verschmähungspersonen unseres alten, wahren unbezweifelten christlichen Glaubens zerschlagen und verachtet worden. Deshalb so ist auf selbigem Platz allhie am hl. Pfingsttag um die neunte Stunde nachmittags, als man zählte von der Geburt Jesu Christi tausend fünfhundert und dreiß Jahr und eines, an dem Himmel, klar, lauter und heiter, Unsre Liebe Frau, die würdige Mutter Gottes Maria, mit ihrem lieben Kindlein wahrhaftig gesehen worden. Und darnach morndrigs am Montag Nacht zwischen der neunten und zehnten Stunde ist sie abermals gesehen worden mit ihrem lb. Kindlein, auf dem rechten Arm sitzend, die Sonne hinter ihr, den Mond unter ihren Füßen, klar scheinend als wie Gold und dazu zwei Engel oben herab fliegend mit einer spitzigen Krone, ihr dieselbige aufgesetzt. Solches Gesicht hat gewahret eine Viertelstunde lang. Und darnach am dritten Tage, da kam herauf viel Volk erwartend und hoffend, solches an der dritten Nacht auch erscheinen sollte und sie es sehen möchten. Da ist ihnen nichts mehr erschienen.
Solche Gesicht im obgemeldeten Jahr und Tag habe ich Mauritz von Mettenwyl, derzeit Stadtschreiber zu Luzern, mit meinen sündlichen Augen auch wahrhaftig gesehen.


Im Schlosse Schauensee oberhalb Kriens befindet sich ein prächtiges Gemälde, welches die Erscheinung vor Mauritz von Mettenwyl darstellt. Das Gemälde stammt zwar aus dem siebzehnten Jahrhundert. Aber ein genaues fachmännisches, kunstkritisch archäologisches Urteil geht dahin: das Gemälde sei die Kopie eines Originals aus dem sechzehnten Jahrhundert. Stil und namentlich die Begleitgaben im Ölgemälde lassen sich nicht aus dem siebzehnten Jahrhundert erklären. Vor dem Visionsbild kniet in der Mitte ein starker, geharnischter Mann. Ein Spruchband verkündet dessen Namen: J. Mauritz von Mettenwyl, des Rats und Spitalherr. Eine alles krönende Rahmenschrift kündet: „Factum auf Heilig Pfingsttag 1531 um neun Uhren zu Nacht." So tritt dieses eigenartige gemalte Zeugnis zum geschriebenen.
Doch kehren wir nochmals zurück zu Mauritz von Mettenwyl. Wenn jemand etwas Heiliges, etwas tief seelisch Ergreifendes an irgendeinem Ort erlebt hat, so wird ihm auch dieser Ort heilig, und er spricht wohl mit Jakob dem Patriarchen: Hier ist das Haus Gottes, hier ist die Pforte des Himmels! So begab sich denn auch Mettenwyl am Pfingstmontag abends wieder an dieselbe Stätte. Es war auch während des Tages einiges Volk zur Kapellenruine gekommen. Am Abend aber waren nur wenige geblieben. Mitglieder der Familie begleiteten ihn; ganz sicher ist es, daß sein gleichnamiger Sohn Mauritz, der spätere Stadtschreiber, zugegen war. Mettenwyl dachte: Wenn der Himmel mir ein Zeichen gibt, muß ich es betend ehren, betend zu deuten versuchen. Und so treffen wir wieder auf dem Wesemlin einen betenden Mann. Nochmals! Wie schön ist ein betender Mann! Wie schön ist ein betender Vaterlandsfreund, ein betender vaterländischer Religionsfreund, ein Ringender mit Gott, wie einst Jakob, der Patriarch! Auf einmal zeigten sich wieder aufsteigende leuchtende Nebel. Wieder bildete sich der sonnenähnliche Strahlenkranz. Wieder trat ihm, herrlicher noch als am Pfingstsonntag, das Bild der Gottesmutter entgegen, wie sie das Jesuskind auf dem rechten Arme trug. Unter ihren Füßen hatte sich ein gebogener Strahl gezeigt, ähnlich der Mondsichel. Zwei Engel aber krönten gleichsam feierlich Maria. Die Überlieferung meldet: diese Vision dauerte eine volle Viertelstunde. Die ganze Erscheinung leuchtete und glühte in lauterem Goldglanz. Sie glich der apokalyptischen Vision der Kirche und Marias: dem Weib mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen (Apok. 12).
Jetzt war jeder Zweifel dahin. Jetzt sagte sich Mettenwyl: Die Übernatur hat eingegriffen, die göttliche Hand hat mir ein Zeichen gegeben: Maria, die großmächtige Fürbitterin – wird durch ihr göttliches Kind uns helfen! Morgenröte leuchtet! Ich erinnere nochmals an die urkundliche Bezeugung – auch beider Erscheinungen!
Wir kennen die Bedeutung des Wunders. Auch im Leben Jesu erblicken wir die Wunder. Wie die Alpen durch das Schweizerland ziehen und der Landschaft das Gepräge geben, so ziehen die Wunder durch das Leben Jesu: alpenhaft herrlich! Sie geben auch der geistigen Landschaft des Lebens und Wirkens Jesu ein eigenartiges Gepräge. Diese Wunder Jesu sind sichtbare, geschichtliche Tatsachen, die neben der Natur stehen. Die Wunder Jesu sind Tatsachen, die hoch über der Natur stehen, die unermeßlich die Naturgesetze überragen. Die Wunder Jesu wollen keinewegs die allgemeinen Naturgesetze aufheben, zerstören. Sie bereichern eher die Welt. Als Jesus auf dem See Genesareth plötzlich den wütenden Sturm mit seinem Befehl aus eigener Kraft stillte, vollzogen sich auf der ganzen übrigen Welt die Gesetze der Winde, die Gesetze des Wellenschlags nach dem gewohnten Verlauf der Natur. Aber Jesus hat ab und zu Wirkungen in die Welt gesetzt, die neben und hoch über der Natur stehen, als Gottesgesandter und aus eigener Kraft, als ewiger Gottessohn.
Diese Wunder Jesu sind mit dem Leben Jesu, diese Wunder sind mit der Lehre Jesu, mit der ganzen Offenbarung Jesu, mit dem ganzen Werke Jesu innigst geeint, wie die Alpen mit unserer Landschaft, wie die Nerven mit dem Gehirn, wie die Adern mit dem Herzen. Alles gestaltet sich zu einem unvergleichlichen Ganzen aus. Und wiederum vereinigen sich diese Wunder Jesu aus eigener Kraft mit jenen gewaltigen Worten und Selbstzeugnissen Jesu: „Ich bin die Wahrheit – Ich bin das Leben – Ich bin der Weg – Ehe denn Abraham ward, bin ich – Ich und der Vater sind eins" (Joh. 14,6; 8,58; 10,30). Noch einen Zug dürfen wir an den Wundern Jesu nicht übersehen: alle Wunder Jesu leuchten in einer reinen, heiligen Absichtswelt wie die Firnen im Morgenlicht und im Alpenglühen. Nie hat Jesus Wunder gewirkt nur für die Neugierde, wie für die Schaulust oder bloß zur irdischen Freude. Alle Wunder Jesu sind gewirkt zu einem heiligen, religiösen Zweck, in der Glaubensschule, zu sittlichen Zwecken oder im Lichte rettender irdischer und überidischer Barmherzigkeit. Nun aber hat Jesus verheißen, daß auch im Laufe der Kirchengeschichte, in der Geschichte seines Reiches, Wunder hervorbrechen werden. Etwas Ähnliches wie die Wunder sind auch die Visionen, besonders die äußeren, wenn sie sicher und fest beglaubigt sind. Auch diese können uns verkünden: Gott hat gesprochen – Gott hat ein Zeichen gegeben – Gott will helfen! Gewiß stellt die Kiche solche Visionen, wie die Erscheinung vor Mettenwyl, nicht als Glaubensatz, nicht als Dogma hin. Aber ein anderer Gedanke klopft an: Wenn Gott ein greifbares Zeichen seiner Vorsehung gibt und wenn nüchterne Männer, die das Geschehnis und Geheimnis erlebt haben, es anerkennen und bezeugen, so wäre es töricht, ja es wäre vermessen, dies im vorneherein einfach abzulehnen. Ich betone nochmals den großen Unterschied zwischen den das Höchste des Evangeliums und des Lebens Jesu tragenden Wundern und einzelnen Visionen im Laufe der Jahrhunderte. Aber eine Ablehnug im vorneherein, ein grundsätzliches Ablehnen solcher Offenbarungen könnte sich doch zum Fehler, ja zur Sünde gegenüber der Tugend der Religiosität ausgestalten, eine gewisse Verwegenheit Gott gegenüber in sich bergen, auch wenn es sich nicht um Glaubenssätze, nicht um Glaubenstatsachen handelt. Es herrscht also große Freiheit auf diesem Gebiete. Aber sie muß sich mit edler Besonnenheit verbinden. Wer freilich die Möglichkeit von Wundern im Laufe der Kirchengeschichte bestreiten würde, verstieße gegen ein unfehlbares Wort Jesu selbst.
Und nun möchte ich euch einladen, das Geschehnis und Geheimnis von Pfingsten 1531 im Lichte höherer göttlicher Absichtswelt zu betrachten. In all dem Wunderbaren begegnet sich ein dreifaches Göttliches: Allmacht – Weisheit – und Liebe. Nun können wir auch den heiligen Zweck und die heilige Absicht des Geschehnisses vom Wesemlin an dem Pfingstabend 1531 einigermaßen erfassen. Auf der einen Seite: gewaltige Gefahren für den Glauben, gewaltige Gefahren für den Mariendienst, gewaltige Gefahren für das Ganze der katholischen Religion, für den unzerreißbaren Zusammenhang: Gott – Christus – Kirche, gewaltige Gefahren für das engere Vaterland; auf der andern Seite: Führer und Volk, die alpenhaft fest zu diesem Glauben stehen wollen, die ihren Innenbesitz nicht preisgeben.
Doch mitten in diese Gesinnungen und Stimmungen: drohende Gewalt – Aushungerung des Volkes – Not und Elend – und das Menschliche eines gebrochenen Volkes!
Das alles war dem betenden Mauritz von Mettenwyl tief bewußt.
Fügt sich nun hier nicht überwältigend schön und fruchtbar ein Gotteszeichen, wie oft in der heiligen Geschichte?
Hat es Mettenwyl nicht richtig gedeutet?
Maria leuchtet uns zum Siege, sie, die Morgenröte, der Morgenstern!
Nicht die Ruine der alten Kapelle ist Sinnbild der Zukunft.
Maria von den Engeln gekrönt ist das Zeichen am Himmel! Durch Maria zu Jesus! Sie hilft durch ihr göttliches Kind. Schlimmste, schwere Fragen werden gelöst werden. Das Volk wird feststehen im heiligen katholischen Glauben: conformati crescentes, fructificantes in omni patientia, gekräftigt durch die Macht Gottes, wachsend, fruchtbringend in aller Geduld – wie es der Apostel kündet (Kol. 1,9– 14). Und da der Sturm sich besonders auch gegen Maria und den Mariendienst wandte und der Bildersturm schon ihr kleines Heiligtum bereits verwüstet hatte, gewinnt ihr Erscheinen pragmatische Bedeutung. Sie ward am Pfingsttag nach der düsteren Kunde der Pfingstvigil – Abendstern. Sie ward Morgenröte, Morgenstern. Die Vision vom Wesemlin ist nicht Neugierdestück, das Geschehnis auf dem Wesemlin ist nicht eine unsichere Legende, das Geschehnis über der zerstörten Kapelle ist kein frommes Spiel erregter Einbildungskraft. Es ist ein Geschehnis und Geheimnis, das die Kennzeichen der Allmacht, Weisheit und Liebe Gottes in sich birgt. Dazu tritt die schon betrachtete irdisch-geschichtliche Bezeugung.
Nun war es auch Pflicht von Mettenwyl: das Werk Gottes allseitig zu offenbaren (Buch Tobias 12,7).
Doch tritt uns dabei ein Umstand entgegen, der für die Beurteilung des ganzen geschichtlichen Zeugnisses geradezu kostbar ist.
Am dritten Abend, am Pfingstdienstag, strömte eine gewaltige Volksmenge auf dem Wesemlin zusammen. Man betete und wachte und wartete bis in die Nacht hinein. Aber nicht die leiseste Spur einer Erscheinung zeigte sich. Niemand behauptete auch, irgend etwas Bedeutsames erlebt zu haben. So berichten auch urkundliche Überlieferungen. Spricht nicht ebendiese Nüchternheit der Berichte für deren Zuverlässigkeit auch hinsichtlich des Übernatürlichen? Und was noch mehr ist – für göttliches Walten und Wirken? Hat Gott seine Werkzeuge, die Träger seiner Pläne einmal gewählt, so läßt er alles gerne durch sie unter seinem Walten den Zielen entgegenführen. Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Gepränge unter der Schaulust der Menge (Lk. 17,20.21). Gewiß waren viele aus reinster Absicht zur heiligen Stätte geeilt. Aber schon Stadtschreiber Renward Cysat sieht in der Möglichkeit sich einmischender Schaulust und Neugierde einen Grund für das Ausbleiben der Offenbarung. Das ist echt biblisch gedacht. Was spricht der Herr beim Propheten Isaias? „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege, sondern so hoch der Himmel über der Erde, so hoch sind meine Gedanken über euren Gedanken und meine Wege über euren Wegen" (Is. 55,8.9).
Ja, die Wege Gottes leuchteten aus den Erscheinungen vor Mauritz von Mettenwyl. Nicht wahr? Marias Erscheinung und Gruß war der leuchtende Abendstern, als die hohen Pfingsstage in das Dunkel der Nacht und der Zeit versanken. Aber dieser Abendstern sollte als Morgenstern einer neuen Zeit aufgehen. Den Gemütern der Führer und des Volkes war das Geschehnis und Geheimnis von Pfingsten 1531 Morgenröte des Hoffens, Betens und Wirkens.
Wir haben die Vorstufe des Geschehnisses betrachtet. Wir haben das Geschehnis und Geheimnis zu erfassen gesucht. Es ist in den Teppich der göttlichen Vorsehung eingewoben!
Suchen wir nun die Ausstrahlung des Geschehnisses zu erfassen. Die erste nächste Ausstrahlung war die feste Überzeugung Luzerns: Maria schützt uns. Ave Maris stella, Dei Mater alma – Ave, Stern der Meere, Gottesmutter hehre! Das Meer geht hoch. Maria Helferin der Christen: du wirst uns schirmen!
Die zweite Ausstrahlung ist eine Geschichtsentwicklung. Wir müssen dabei alles wieder im Lichte der damaligen Zeiten betrachten. Es wurde Oktober. Der Winter nahte. Die Vorräte waren versiegt. Da sagten sich die Führer Luzerns und der Urkantone: Wir müssen das Volk retten. Wer das Seinige tut, dem hilft Gott. Sie versuchten Verhandlungen. Sie scheiterten. Da riefen sie zum Gebete auf. Und es ist rührend zu lesen, wie nicht nur die Priester, sondern auch die Laien beharrlich beteten, wie das Volk sich große Gebetslasten auferlegte. Aus allen Gegenden des Landes sandte man ehrwürdige fromme Witwen nach Einsiedeln, damit sie in der Gnadenkapelle abwechselnd ein Dauergebet entfalteten, tagelang, bis die Dinge sich zum Bessern wenden würden. Dann beschlossen die Männer der Ur- und Altschweiz den zweiten Kappelerkrieg. – Wir wissen, daß wir in der Schweiz vor allem berufen sind, für den Völkerfrieden zu arbeiten. Doch sollen wir auch die Dinge und Verhältnisse der Vergangenheit von 1531 aus den damaligen Zuständen heraus beurteilen lernen. Sie lagen so: Höchste Hungersnotgefahr, höchste Glaubensgefahr; Scheitern aller Friedensverhandlungen; fester Wille, der neuen Lehre keine Gasse zu öffnen! Man wollte aber auch nicht ohne Notwendigkeit erst einem durch Hunger und Elend gebrochenen Volke höchstes religiöses Heldentum zumuten. Bruderkrieg ist herzzerreißend. Aber die Gegner wollten den Frieden nicht. Und nur um Schlimmstes abzuwenden, um Höchstes zu erringen, griff man aus Notwehr zu den Waffen.
Die Katholiken siegten bei Kappel und am Gubel am 11. Oktober 1531 und in der Nacht vom 23. auf den 24. Oktober unter eigenartigen Umständen. Es ward Friede geschlossen – zur vollen Freiheit des katholischen Glaubens in Luzern und in der Ur- und Altschweiz und zur teilweisen in den Vogteien. Unter Katholiken und Gegnern wollte man im Volke die Friedenstaube über den Abteilungen des katholischen Heeres schweben gesehen haben. Sei dem, wie ihm wolle. Eines ist sicher: die aufgehende Morgenröte Marias hat den katholischen Glauben geschützt.
Und eine dritte Ausstrahlung! Mettenwyl sagte sich wie einst Jakob, der Patriarch: Wo ein heiliger Ort ist, gleichsam eine geöffnete Pforte des Himmels, wo ein Geschehnis und Geheimnis sich vollzog, das heilige Rettung brachte, da muß Gott und der Lieben Frau vom Wesemlin und für das Volk ein Denkmal errichet werden, ein – Gebetsort. Die Tat der Mutter Gottes darf nicht vergessen werden. Wie Jakob den Stein salbte, auf dem er sein Haupt gelegt und in der Nacht die Offenbarung empfangen hatte, so beschloß Mettenwyl, aus eigener Kraft und mit etwelcher Unterstützung der Regierung eine neue würdige Kapelle zu bauen. Es war das der Gedanke eines Lebenswerkes, eines Zukunftwerkes. Es sollte Luzern verkünden: Maria ist deine Freundin, Maria ist deine Beschützerin: deine Morgenröte, dein Morgenstern, deine Ehre, deine Freude. Es freut mich, in diese gewaltigen Volksscharen den Gedanken Mettenwyls hineintragen zu können.
So entstand auch die Wesemlin-Wallfahrt zur Gnadenstätte, nicht etwa zur späteren Waldkapelle.
Es leuchtet noch eine Ausstrahlung! Es kam eine neue Zeit. Die Päpste hatten unter ungeheuren Schwierigkeiten in den Jahren 1545 bis 1563 das herrliche Konzil von Trient berufen: die Kirchenversammlung entfaltete sich großartig und fruchtbar. Von da aus brach die volle Erneuerung des kirchlichen Lebens hervor. Aus diesem Geiste heraus erstanden ganze Reihen von Heiligen und Päpsten der Erneuerung, Scharen von führenden Männern. Es ging durch die folgenden Jahrzehnte gleichsam eine Säulenstraße großer Erneuerer, erhabener Führer und Heiliger: ein Karl Borromäus, der die Gesetze Christi und der Kiche im flammenden Pfingstgeiste durchführte, ein Franz von Sales, der, im Geiste der Sanftmut Christi, katholischen Sinn und echte Laienfrömmigkeit mitten im Weltleben erweckte und Ungezählte zum heiligen Glauben zurückgewann; ein Ignatius von Loyola, in dessen Geist und Organisation sich das Wort Jesu erfüllte: „Ich bin gekommen, Feuer zu bringen auf diese Erde, und was will ich anderes, als daß es brenne", und der sein ganzes Werk unter den Schutz Marias, des Morgensternes, stellte; ein heiliger Philipp Neri mit seinem vorbildlichen Wirken unter der Jugend, ein heiliger Petrus Canisius, der Kirchenlehrer der Volksmassen und zugleich der weise Gelehrte. Es mangelt mir die Zeit, sie alle aufzuzählen. Einer dieser großen Männer kam auch in unser Land, der heilige Karl Borromäus, zuletzt als päpstlicher Legat. Er war voll des Eifers; er reformierte den Klerus, er reichte den edlen Seelsorgspriestern die helfende Hand. Er erfaßte mit aller Kraft das Laienapostolat; er unterhandelte mit den Regierungen. Es war wahrhaft ein Schauspiel vor Gott, den Engeln und den Menschen. Es entfaltete sich ein wunderbares Zusammenwirken der Kirche, des Klerus, der Laien, der Kirchenhierarchie und der staatlichen Macht. So geschah es, daß durch dieses Zusammenwirken die Jesuiten nach Luzern kamen mit ihrer Seelsorge, mit ihren marianischen Kongregationen, ganz besonders mit ihren Schulen für die werdenden Gebildeten. Sie kamen im Zeichen Mariens. Wiederum auf Anregung von Karl Borromäus wanderten die ehrwürdigen Väter Kapuziner in unser Land ein, mit ihrer herrlichen und fruchtbaren Volksseelsorge, mit ihrem Chorgebet, mit ihrem Aushilfsdienst nach allen Seiten und ihrem sozialen Sinn.
Nun geschah wieder etwas Überraschendes.
Die Tat der Mettenwyls brach gleichsam in neuer Fruchtbarkeit hervor. Wie seinerzeit der hervorragende Mauritz von Mettenwyl das Werkzeug Gottes wurde, so erstand jetzt aus der berühmten Familie der Pfyffer ein werktätiger Freund der Erneuerung katholischen Lebens: Junker Kaspar Pfyffer. Schier ungeheure Schwierigkeiten stellten sich seinen Plänen gegenüber. Pfyffer hegte den Gedanken: Das Heiligtum auf dem Wesemlin muß als Gnadenquelle behütet und fruchtbar neu für alle Zeit entfaltet werden. Es soll den Kapuzinern übergeben werden. Eine Kirche, ein lebendig wirkendes Kloster soll an der heiligen Stätte entstehen. Ich will mit dem Aufwand aller Kraft Stifter dieses Heiligtums werden – im Gottvertrauen! Wir dürfen nicht vergessen: als Mettenwyl die schöne Kapelle erbaut hatte, war das Wesemlin bereits ein viel besuchter Wallfahrtsort geworden, lange bevor die Kapuziner sich dort niederließen. Nach vielen Schwierigkeiten und Gegenströmungen entschied endlich der Rat in Sinn und Geist Kaspar Pfyffers: daß sich die Kapuziner auf dem Wesemlin niederlassen sollen. Die Ordensobern und Konvente der Kapuziner stimmten freudig zu. Wiederum war Maria der Morgenstern, die aufgehende Morgenröte. Nachdem der Grundstein und Eckstein gelegt waren, die Kirche und das Kloster gebaut, die Kirchweihe am 23. Oktober 1588 vollzogen war, fand der Einzug auf Ostern 1589 statt. Nun entfaltete sich der Orden an heiliger Stätte.
Ist das Zufall? Es ist nicht Zufall, es ist Fügung. Ist es nicht eigenartig, daß Kaspar Pfyffer, seine helfenden Freunde und die Regierung sich sagten: Dort, wo Maria als Freundin Luzerns sich offenbarte und wirkte, soll ein lebendiges Heiligtum werden von einem fortlebenden Orden behütet.
So wurde das Wesemlin ein Gebetsort. Auch das Chorgebet der Mönche und Stifte ist eine Weltmacht, und wir werden einst in der jenseitigen Welt erfahren, was das Chorgebet der Mönche und Stifte und was das Breviergebet der Priester im Namen der Kirche in der Welt gewirkt hat.
Und es ist die Stätte auf dem Wesemlin eine Stätte der Muttergottesfreundschaft. Maria mit dem Kinde weist hin auf Jesus. Durch Maria zu Jesus. Was könnte diese heilige Stätte erzählen über neugewordene und neu bestärkte und im Stillen sich entfaltende Marienfreundschaft. Das Wort des Magnifikat erfüllt sich hier im heiligen Geheimnis: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter" (Lk. 1,48).
Und das Heiligtum wurde bleibender Wallfahrtsort. Kranke, Arme, Betrübte, Sünder, Sünderinnen, Ringende, stille Beterinnen und Beter, heiligmäßige, hochstehende Menschen wanderten nach dem stillen Wallfahrtsort. Wir treffen unter den Wallfahrern nach dem Wesemlin den heiligen Laurentius von Brindisi, den auch in Luzern wundertätigen Markus von Aviano, den heiligen Bettler Benedikt Labre. In späteren Tagen sehen wir P. Anastasius Hartmann, den späteren heiligmäßigen Bischof, nach dem Wesemlin wallfahren. Wir begegnen auf dem Wesemlin dem berühmten sozial wirkenden P. Theodosius Florentini. Wir begegnen ebendort noch früher dem theologischen Luzerner Dreigestirn: Widmer, Geiger und Gügler. Wir sehen bei gewissen Anlässen und im Stillen Bischöfe und Kardinäle hinaufziehen. Das Wesemlin ist nicht eine berühmte Wallfahrtsstätte mit großen Wallfahrtszügen: es ist ein stiller, bescheidener Ort, wo man gerne allein betet, wo man intim ist mit der Gottesmutter und mit ihr stille zu Jesus geht. Das ist seine Eigenart. Wallfahrtsort mit gewaltigen Zügen der Wallfahrenden aus aller Welt haben ihre große und fruchtbare Bedeutung. Wie aber Gott in der Natur die Alpen geschaffen hat, aber auch stille Orte von eigenartiger Schönheit schuf, so hielt er es auch im Reich der Übernatur! Weil die Wesemlin-Kapuzinerkirche eine Wallfahrtskirche ist, erhielt sie auch reicheren Schmuck, als es sonst den Kirchen dieses Ordens entspricht. Später erlaubte Papst Klemens VIII. ausdrücklich 1594 die Pracht des Gotteshauses und schützte sie. In neuester Zeit wanderte auch das Gnadenbild vom Chorbogen in den herrlichen Hauptaltar zurück.

DAS GROSSE GEBET DER EIDGENOSSEN

In ihrer Not nahmen die Eidgenossen ihre Zuflucht zu Gott und seinen Heiligen. Nun lebte um das Jahr 1531 im Ranft bei Sachseln eine hochbetagte Klausnerin, Cäcilia Bergmann; eine gotterfüllte, erleuchtete Person, die den heiligen Bruder Klaus noch gekannt und von ihm Anweisungen zum Eremitenleben erhalten hatte. Um ihren Rat gefragt, riet sie den Innerschweizern, mit der Waffe ihr gutes Recht zu erfechten, die Mutter Gottes werde ihnen beistehen.
„Sie hat die fünf Orte ermahnt (Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zug), daß sie die Furcht Gottes für sich nehmen und treulich anrufen, denn er wolle erbeten sein. Darauf haben geordnet die fünf Orte in ihrem Land und Lager, daß ein jeder Mensch, sei er jung oder alt, so man am Morgen zum Gebete läutet, mit ausgespannten Armen solle sprechen fünf Paternoster und fünf Ave und den Glauben, desgleichen zu Mittag und Nacht, in der Messe zweimal und ebenso oft, wenn sie ratschlagen in der Gemeinde." Auch wurden Bittgänge und Wallfahrten in Bußkleidern und barfuß abgehalten und das sogenannte GROSSE GEBET angeordnet, das teils stehend, kniend, zur Erde geneigt, teils mit ausgebreiteten Armen oder gefalteten Händen zu verrichten war und stundenlang dauerte. Um des göttlichen Schutzes und der Fürbitte der seligsten Jungfrau umso sicherer zu sein, wurden achtzehn Witwen aus den allerfrömmsten erwählt und nach Einsiedeln geschickt, um in der dortigen Gnadenkapelle, je wechselweise zu sechsen, Tag und Nacht bis zum Friedensschluß zu beten.
Dieser Geist der Gläubigkeit und des Gottvertrauens klingt aus der Klageschrift und Kriegserklärung, welche die katholischen Eidgenossen am 9. Oktober 1531 auf ihrem Tag (ihrer Tagsatzung) zu Brunnen geschrieben und gen Zürich geschickt haben. Sie schließt mit dem Satze: „Nachdem wir aber ehrenhalb nicht mehr fürkommen können und mögen, sondern solches Gott, seiner würdigen Mutter und allem Heer im Himmel und allen frommen Herzen auf dem Erdreich klagen müssen, so haben wir auf unsern Eid erkannt, daß wir Ursache, Fug und Recht haben, uns mit der Hand und Tat zu Recht zu verhelfen."
Dieser Geist des betenden Gottvertrauens erfüllte auch die Bewaffneten. Als man am 11. Oktober 1531 nach heiliger Messe und Imbiß in Zug sich aufmachte und gen Kappel in den Kampf zog, redete jeder Hauptmann zu seinen Leuten, sie sollen, so uns Gott den Sieg geben werde, nicht zu begierig über die Feinde sein, angesichts dessen, daß sie zuvor uns Eidgenossen waren, und so Gott will, wieder werden mögen. Darum hieß man männiglich niederknien und mit ausgespannten Armen fünf Pater und Ave in das Leiden unseres Herrn beten.
Als dann bei dieser Schlacht zu Kappel Hans Jauch von Uri und Rudolf Haas von Luzern ihre dreihundert tüchtigen Schützen und vierhundert schlagfertigen Krieger zum entscheidenden Vorstoß in einem Gehölz aufgestellt hatten, ermahnten sie sie, bis zum Angriffsbefehl zu beten.

Das Grosse Gebet der Eidgenossen
Ein sehr empfehlenswertes Buch: 208 Seiten, kart., bebildert.Preis: SFr. 12.—
Das «Große Gebet der Eidgenossen» ist ein Gebetsschatz von seltener Kostbarkeit, neu entdeckt und übersetzt in die Sprache unserer Zeit; es ist das Palladium der Eidgenossenschaft. Es ist ein Zeugnis des Glaubens, ein Sturzbach des Gottvertrauens, ein Notschrei aus tödlicher Umklammerung, ein Bittruf in allen großen Anliegen der Christenheit, eine Danksagung für Gottes Bundestreue, ein Jubellied voll Freude und Heimweh nach Gott, dem Allmächtigen, dem Schöpfer Himmels und der Erde. Es ist eine Mischung von Meditation und Gebet; die großen Geheimnisse der Schöpfung und Erlösung werden im Herzen erwogen und finden ihren Niederschlag in Danksagung und Gebet. Der hl. Bruder Klaus war von diesem Gebet so angetan, daß er sich eigenhändig eine Abschrift anfertigte.